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Das Epizentrum des russischen Fußballs

Champions League | Leipzig - St. Petersburg

Zenit St. Petersburg will im Auswärtsspiel bei RB Leipzig (Anstoß: 18:55 Uhr) das nächste Ausrufezeichen in der Champions League setzen. Der Lieblingsklub von Wladimir Putin hat sich zum Epizentrum des russischen Fußballs gemausert.

Sergej Semak, Trainer von Zenit St. Petersburg
Sergej Semak, Trainer von Zenit St. Petersburg.
Quelle: imago images

Die Stadt Sankt Petersburg hat in ihrer wechselvollen Geschichte schon katastrophale Krisen und enorme Höhenflüge erlebt. Das jüngste Hochgefühl spielt sich gerade im Fußball ab. Denn lange nicht war die Brust bei Zenit St. Petersburg breiter als derzeit.

Aktuell gleich zweimal Tabellenführer

Zum Auswärtsspiel in der Champions League bei RB Leipzig reist Zenit als Tabellenführer der heimischen Premjer-Liga. Und die Gruppe G der Königsklasse führt Zenit nach einem 1:1 bei Olympique Lyon und 3:1 gegen Benfica Lissabon auch an.

Es läuft gerade in der Mannschaft, die nach einigen erfolglosen Versuchen mit ausländischen Trainern vom ehemaligen russischen Nationalspieler Sergej Semak gecoacht wird, der gleich in seiner ersten Saison die russische Meisterschaft gewann. Zuletzt spielte der Verein drei Jahre in Folge in der Europa League. Im März 2018 scheiterte Zenit am heutigen Gegner Leipzig im Achtelfinale (1:1, 1:2).

Verstärkung aus Barcelona und Hamburg

Zenit St. Petersburg wurde 2019 russischer Meister
Zenit wurde 2019 russischer Meister.
Quelle: imago images

Zur neuen Saison kamen zwei Brasilianer als Verstärkungen: vom FC Barcelona Rechtsaußen Malcolm, vom Hamburger SV Linksverteidiger Douglas Santos. Eine bekannte Figur ist zudem der russische Mittelstürmer Artom Dzyuba, der mit seinen von militärischen Grüßen begleiteten WM-Toren bereits 2018 auffiel. Der treffsichere Torjäger bildet mit dem iranischen Nationalspieler Sardar Azmoun den gefährlichen Doppelsturm.

Wie ohnehin der Lieblingsklub von Wladimir Putin ganz auf Offensivfußball gepolt ist, was in Russland nur mit staatlicher und politischer Billigung funktioniert. Wo englischen Klubs gerne Investoren aus der ganzen Welt unter die Arme greifen, sind die russischen Vereine auf Oligarchen oder Staatskonzerne angewiesen. Und einen Vorteil muss es ja haben, dass Russlands Staatspräsident aus der Zarenstadt stammt.

Spektakuläre neue Heimstätte

Der Energieriese Gazprom, der sich auch als Premiumpartner der UEFA ins Zeug legt, unterstützt Zenit St. Petersburg seit vielen Jahren großzügig. Sonst hätte nicht Dietmar Beiersdorfer als damaliger Zenit-Sportdirektor im Jahr 2012 die Deals mit dem brasilianischen Nationalstürmer Hulk und dem heutigen Dortmunder Axel Witsel in einem damals sagenhaft anmutenden 100-Millionen-Paket tätigen können. Der Belgier Witsel spielte in seinen viereinhalb Jahre noch im alten Kirow-Stadion von Sankt Petersburg.

Gazprom Arena in Sankt Petersburg
Spektakulär: Die Gazprom-Arena in Sankt Petersburg
Quelle: imago images

Mittlerweile trägt das Team mit zahlreichen Stammkräften der bereits für die EM 2020 qualifizierten Sbornaja seine Heimspiele in einem der spektakulärsten Stadien Europas aus. Der an den Gestaden des Finnischen Meerbusens errichtete Fußball-Tempel scheint sich an den alten Baumeistern der Zarenstadt zu orientieren: Der Prachtbau hat mehr als eine Milliarde Euro gekostet, aber eine 67.000 Zuschauer fassende Arena für allerhöchste Ansprüche passt zu den Dimensionen, die in Sankt Petersburg auch vom gewaltigen Schlossplatz oder den großen Sälen der Eremitage vermittelt werden. Dank des verschließbaren Daches und verschiebbaren Spielfeldes sind Veranstaltungen aller Art möglich, die Temperatur kann selbst im tiefsten Winter drinnen bei 20 Grad gehalten werden.

Champions-League-Finale 2021 in St. Petersburg

In der nach dem Hauptsponsor benannten Gazprom-Arena fanden bei der WM 2018 sieben Spiele statt, wichtige Länderspiele wie das EM-Qualifikationsspiel Russland gegen Belgien am 16. November werden hier ausgetragen. Und: Russland bewarb sich mit Sankt Petersburg und seinem Prachtbau für die Fußball-EM 2020 und bekam den Zuschlag unter den ein Dutzend Spielorten der paneuropäischen Turnierpremiere. 2021 findet dann das Champions-League-Finale in dem Stadion auf der Krestovsky-Insel statt.

Und so hat sich Zenit Sankt Petersburg zum Epizentrum des russischen Fußballs gemausert. Die Vormachtstellung der Hauptstadtklubs bröckelt. Das Konkurrenzdenken gegenüber der Kapitale Moskau ist in Sankt Petersburg verbürgt, deren Bewohner die einstige Zentrale des russischen Reiches längst für fortschrittlicher, moderner, offener und auch hipper halten. Und der Fußball taugt immer noch als bestes Vehikel, um derlei Ambitionen öffentlichkeitswirksam nach außen zu tragen.

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