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Dahmke: „In einen Rausch spielen“

Sport - Dahmke: „In einen Rausch spielen“

Der Verletztenmisere zum Trotz, Teammanager Oliver Roggisch und Rune Dahmke sehen für die Handball-EM gute Chancen. Auch wenn "wir am Limit sind" (Dahmke), "werden wir uns nicht verstecken"(Roggisch).

Beitragslänge:
12 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.01.2017, 08:00

DHB-Teammanager Oliver Roggisch war als Profi ein Abwehrhaudegen. Linksaußen Rune Dahmke (THW Kiel) führt dagegen die feine Klinge. Im aktuellen sportstudio sehen beide trotz der Verletztenmisere gute Chancen für das deutsche Team bei der Handball-EM. Auch wenn "wir am Limit sind", sagte Dahmke, "werden wir uns nicht verstecken", ergänzte Roggisch.

von Erik Eggers

Heldengeschichten von früher sind nicht besonders beliebt bei den Handballprofis. Und doch sollten die Auswahlspieler des Deutschen Handballbundes (DHB), die sich in diesen Tagen auf die 12. EM in Polen (15. bis 31. Januar) vorbereiten, ihrem Teammanager Oliver Roggisch lauschen. Er war schließlich dabei, als die DHB-Auswahl vor acht Jahren, als die WM im eigenen Land bevorstand, die Ausfälle vieler hochkarätiger Spieler zu beklagen hatte.

Vier Stammspieler fehlen

Der inzwischen verstorbene Star-Regisseur Oleg Velyky und Frank von Behren fielen im Rückraum aus, Rechtsaußen Florian Kehrmann zog sich einige Wochen vor dem Turnier einen Mittelhandbruch zu und quälte sich anschließend durchs Turnier. Und während des Turniers verletzten sich dann auch noch Regisseur Markus Baur und Abwehrriese Andrei Klimovets. Das erinnert an die aktuelle Situation, da Bundestrainer Dagur Sigurdsson mit den Flügelspielern Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki (Löwen), Jungstar Paul Drux (Berlin) und Patrick Wiencek (Kiel) auf vier Stammspieler verzichten muss.


Natürlich verändere der Verlust von Kapitän Gensheimer eine Mannschaft, sagt Roggisch. Aber andererseits müsse man sich auf die Aufgaben konzentrieren. „Leidenschaft, Kampf, Wille – das wollen die Fans sehen. Und dann werden wir hoffentlich in naher Zukunft einen weiteren Schritt nach vorne machen“, sagt der Mann, dessen Job es ist, dem Bundestrainer Rücken freizuhalten.

Gereift im Schatten von Dominik Klein

Roggisch ist durch die 205 Länderspiele, die er auf dem Buckel hat, eine der bekanntesten Marken des deutschen Handballs. Der Kieler Rune Dahmke ist eines der neuesten Gesichter dieses Sports. Das Magazin HANDBALL inside feierte ihn als „Senkrechtstarter“, weil er in nur sechs Monaten vom Ersatzspieler hinter Dominik Klein in Kiel zum Nationalspieler reifte.


Roggisch und Dahmke – das ist ein Duo der Gegensätze. Roggisch hat Erfahrung ohne Ende, Dahmke ist mit bisher nur drei Länderspielen noch ein Greenhorn. Roggisch war in seiner Zeit der Mann fürs Grobe, als langjähriger Abwehrchef war der 37-Jährige zuständig für das Zerstören. Er fühlte sich erst dann so richtig wohl, wenn es in der Abwehr krachte.

Großes Wurfrepertoire

Der 22-jährige Dahmke hingegen zählt schon jetzt zu den größten Künstlern, die der Handball zu bieten hat. Dahmkes Bälle vom Flügel sind kunstvoll, mit so viel Effet versehen, dass sie einen großen Bogen um den Torwart machen. Sein Wurfrepertoire, geschult durch zahllose Extraeinheiten, ist ähnlich umfangreich wie das von Gensheimer.

PLACEHOLDERLogisch, dass Dahmke in Polen zu den Schlüsselspielern zählen wird, sollte er seine Sprunggelenksverletzung rechtzeitig auskurieren. Zumal sich auch der Melsunger Michael Allendorf schwer verletzte und er nun der einzig verbliebene gelernte Linksaußen im Team ist.

Der junge Kieler, dessen Vater Frank in den 80er-Jahren ebenfalls das DHB-Trikot trug, wird also sehr viel spielen und wird bei dem schwersten Turnier, das der Welthandball zu bieten hat, seine Feuertaufe bestehen müssen.

Nachdenken sinnlos

Dahmke glaubt, dass er rechtzeitig vor dem Auftaktspiel gegen Spanien (16. Januar) wieder fit wird. Darüber, was in Polen auf ihn zukommt, mache er sich nicht allzu viele Gedanken, ließ er vor den drei Testspielen gegen Tunesien und Island wissen: „Es macht ja auch keinen Sinn darüber nachzudenken, wie viel Druck auf mich zukommt.“


Das würde Roggisch wohl genau so formulieren. Ihm ist es ja ganz ähnlich gegangen im Jahr 2007, als das DHB-Team trotz der Verletzungsserie im eigenen Land Weltmeister wurde.

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