Achtung Hochleistungssport!

Profi-Musiker sind extremen Belastungen ausgesetzt

Profi-Musiker gelten als Athleten der kleinen Muskeln. Sie üben bis zu acht Stunden am Tag hoch komplizierte Bewegungsabläufe und erbringen damit Leistungen wie Spitzensportler. Mit einem entscheidenden Unterschied: Profi-Sportlern steht meistens ein Arzt oder Physiotherapeut zur Seite. Die Musiker stehen jedoch mit ihren Leiden, den typischen Musiker-Krankheiten, oft noch ohne Hilfe da.

Finger spielen auf Geige
Finger spielen auf Geige Quelle: ZDF

Sie sind extremen Belastungen ausgesetzt: komplizierte Bewegungsabläufe in oft unnatürlichen Haltungen, Stress und die Lautstärke in einem Orchester. All das kann zu massiven Gesundheitsschäden führen. Werden sie nicht fachgerecht behandelt, können daraus chronische Erkrankungen entstehen, die das Aus für die Karriere bedeuten.

Orchester
Orchester Quelle: ZDF

Ungünstige Haltung

Je nach Musiker und Instrument liegen die Symptome in verschiedenen Bereichen: Das können sein Schmerzen im Bewegungsapparat, neurologische Störungen wie Nervenstörungen, Erkrankungen der inneren Medizin wie Blutdruckprobleme oder auch Angststörungen aufgrund von Lampenfieber.

Computerstudie Fehlhaltung Musikerin beim Geigenspiel Quelle: ZDF


Mit Folgen einer ungünstigen Körperhaltung kämpfen besonders Streicher und Flötisten. Der zur Seite geneigte oder gedrehte Kopf etwa führt dazu, dass sich Muskeln verkürzen, verspannen und Gelenke schneller abnutzen und dadurch schmerzen. Bläser leiden dagegen vorwiegend unter Blutdruckproblemen, die einen erhöhten inneren Augendruck auslösen können - den Glaukom ("Grüner Star"). Häufig kommt es zu Gebiss-Schäden.

Krampf durch Überbeanspruchung

Beim Musikerkrampf (fokale Dystonie) krampfen überbeanspruchte Muskelpartien länger unkontrolliert zusammen. Die Folge: Ein oder auch mehrere Finger folgen dem jahrelang einstudierten Bewegungsablauf nicht mehr.

In diesem Fall verändern sich die zuständigen Regionen im Gehirn. Die Areale, die normalerweise getrennt voneinander die Finger ansteuern, sind folglich miteinander verschmolzen. Bislang ist noch unklar, ob dies die Folge oder der Auslöser der Krankheit ist.

Musikspiel dokumentieren

Die Musiker können eine Erkrankung meist an rascher Ermüdbarkeit spüren; sie haben auch keinen Spaß mehr am Üben. Sie leiden unter Verspannungen, können sich schlecht konzentrieren und musikalisch mitunter schlecht ausdrücken. Ignorieren die Betroffenen solche Symptome, können schwere Schäden entstehen an Muskeln und Sehnen, Nerven und Gelenken. Daher ist es notwendig, all diese Bereiche gründlich abzufragen und zu untersuchen.

Arzt filmt Patientin beim Geigenspiel
Arzt filmt Patientin beim Geigenspiel Quelle: ZDF


Zur ersten Behandlungsstunde bringt der Betroffene sein Instrument mit. Der Therapeut ermittelt beim Spiel mögliche Probleme und Haltungsfehler. In weiteren Untersuchungen lokalisieren Spezialisten akute Schmerzen und Bereiche, in denen Muskulatur aufgebaut werden muss. Das geschieht beispielsweise dadurch, dass sie die natürliche elektrische Muskelaktivität per EMG (Elektro-Myografie) messen.

Gute Therapieerfolge

Die Behandlung erfolgt in mehreren Sitzungen. Therapeut und Musiker erarbeiten dabei Übungen. Sie helfen, die Muskulatur zu lockern und aufzubauen. Wird die Behandlung dem Musiker und seinem Instrument fachgerecht angepasst, besteht eine Heilungschance von 80 Prozent.

Patientin bei Physiotherapie
Patientin bei Physiotherapie Quelle: ZDF


In Deutschland gibt es rund 270 Fachleute, die als Ärzte, Physio- oder Psychotherapeuten fundierte Medizin- und Musikkenntnisse vorweisen und sich auf Musiker-Krankheiten spezialisiert haben. Musikmedizin-Institute existieren in Hannover, Freiburg, Dresden, Detmold, Berlin, Frankfurt und in Köln.

Vorbeugung: richtige Technik

Zur Vorbeugung von Schäden empfehlen Ärzte Ausgleichssport und -gymnastik, außerdem genügend Schlaf und eine gesunde Ernährung. Eine wichtige Rolle spielt beim Musizieren die Ergonomie: Instrument und Hilfsmittel wie der Stuhl sollten optimal an den Körper angepasst werden. Vor allem Kinder in jungen Jahren sollten Instrumente spielen, die zu ihrer Größe passen - beisielsweise eine Kindergeige.

Wichtig für Laien und Neueinsteiger ist, die richtige Spieltechnik zu erlernen. Häufigster Auslöser einer Musiker-Krankheit ist eine falsche Haltung. Um Musiker-Krankheiten von Anfang an zu vermeiden, bieten daher immer mehr Musikinstitute Lehrkurse im Bereich Musikphysiologie an.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet