ADHS bei Erwachsenen

Multimodale Therapie hilft Betroffenen

Verbraucher | Volle Kanne - ADHS bei Erwachsenen

ADHS ist eine psychiatrische Entwicklungsstörung, die meist im Kindes- und Jugendalter auftritt. Auch Erwachsene können davon betroffen sein. Viele leben jahrelang damit, ohne davon zu wissen.

Beitragslänge:
5 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.06.2017, 10:05

ADHS ist eine psychiatrische Entwicklungsstörung, die am häufigsten im Kindes- und Jugendalter auftritt. Doch auch Erwachsene können davon betroffen sein. Viele leben jahrelang mit ADHS, ohne davon zu wissen.

Man geht davon aus, dass circa 5,8 bis 7,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen sind, Jungen häufiger als Mädchen. Bei Erwachsenen geht man von zwei bis vier Prozent aus und im Erwachsenenalter ist die Aufteilung eher ausgeglichen. Bei den meisten Betroffenen gehen die Symptome nach und nach zurück. Ein bis zwei Drittel der Betroffenen zeigt aber auch im Erwachsenenalter noch Symptome, die dann aber von denen im Kindesalter abweichen können. Die Symptome sind vielfältig und häufig zunächst unspezifisch. Sie reichen von einer gestörten Aufmerksamkeit, Konzentrationsstörungen, Schwierigkeiten in organisatorischen Dingen bis hin zu körperlicher Unruhe und emotionaler Impulsivität. Betroffene sind oft leicht abzulenken, haben Schwierigkeiten sich Dinge zu merken, Gesprächen konsequent zu folgen. Sie leiden häufig unter einer Art Reizüberflutung, können auf sie einströmende Einflüsse schlecht filtern, was äußerst anstrengend ist.

Starke Gefühlsschwankungen und Schlafstörungen

Auch affektive Probleme sind häufig, wie zum Beispiel starke Gefühlsschwankungen und impulsive Reaktionen. Daneben leiden Erwachsene mit ADHS auch an Schlafstörungen. Die Schlafprobleme in der Nacht führen zu Erschöpfung am Tag, die mit Schlafpausen tagsüber ausgeglichen werden. Das wiederum stört den Nachtschlaf - ein Teufelskreis.

Die motorische Unruhe, die sich zum Beispiel in Wippen mit den Beinen, Herumspielen der Hände, nicht still sitzen können äußert, ist für Betroffene häufig sehr unangenehm, da sie auch vom Umfeld als anstrengend wahrgenommen wird. Das ADHS kann im beruflichen wie im privaten Rahmen zu großen Schwierigkeiten führen. Zusätzlich treten häufig Begleiterkrankungen wie Suchterkrankungen oder Depressionen auf. Was man trotz der negativen Auswirkungen des ADHS nicht vergessen darf: Häufig haben die Betroffenen besondere Stärken, gerade im kreativen Bereich: Sie sind phantasievoll und in ihren Gedanken unkonventionell.

Diagnose vom Psychologen oder Facharzt

Die Diagnose des ADHS ist aufwändig und muss von einem versierten Psychologen oder einem Facharzt gestellt werden, zum Beispiel von einem Psychiater. Als Basis dient eine ausführliche Anamnese. Der Arzt arbeitet sich ausführlich in die Kranken- und Lebensgeschichte des Patienten ein, sammelt Anhaltspunkte für eine Diagnose. Auch alte Zeugnisse aus der Kindheit können Hinweise zu auffälligem Verhalten liefern, ebenso wie Gespräche mit Verwandten oder Freunden des Patienten. Ergibt sich ein Verdacht auf ADHS, muss ein ausführlicher psychologischer Test erfolgen.

Spezielle, sehr umfangreiche Fragebögen helfen bei der Diagnosestellung. Auch körperliche, neurologische und labormedizinische Untersuchungen können hinzugezogen werden, um zum Beispiel andere Erkrankungen auszuschließen. Es dauert oft lange bis die Erkrankung im Erwachsenenalter diagnostiziert wird, da die Symptome nicht spezifisch sind. Viele Menschen suchen erst Hilfe, wenn es nicht mehr weiter geht, häufig stehen Burn-out, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen als Diagnose im Raum. Umso wichtiger ist die ausführliche Anamnese durch den Behandler.

Behandlung und Therapie

Ob und wie eine Behandlung begonnen wird, hängt immer auch vom Leidensdruck des Betroffenen ab. Es gibt Menschen, die mit ADHS die meiste Zeit gut leben können. Wenn ein Patient einen Arzt aufsucht, ist der Leidensdruck allerdings meist schon so groß, dass weitere Schritte nötig sind. Heike-Helena Elspaß, Fachärztin für Psychiatrie, bestätigt: "Dieses Nicht-Fokussieren-Können, die Stimmungen, das sind Dinge, die den Menschen einengen, quälen und zwar auf allen Ebenen. Auf privater Ebene, auf der Ebene der Kognition, auch auf der Ebene der ganzen Motorik.”

ADHS
Medikamente gegen ADHS Quelle: dpa

Bei der Therapie ist es wichtig, dass ein multimodales Konzept angewendet wird, also eine Behandlung auf mehreren Ebenen. Das heißt, eine reine Psychotherapie reicht oft nicht aus, ebenso wenig wie eine ausschließliche Medikamenteneinnahme. Der Facharzt muss sehr genau abwägen, wie von Fall zu Fall vorgegangen wird. Das bestätigt auch Heike-Helena Elspaß: "Wichtig ist, dass man nicht nur Medikamente geben darf. Sie müssen sich vorstellen, der Mensch hat viele, viele Jahre mit solchen dysfunktionalen Verhaltensmustern gelebt, das heißt also, sie nehmen das Medikament, dadurch werden sie schon deutlich stabiler. Aber sie müssen auch lernen, sich anders zu verhalten, anders zu fühlen. Sie müssen lernen, dass sie sich plötzlich vertrauen können. Und dazu gehört auch eine psychotherapeutische Behandlung.“

Psychotherapeutische Begleitung

Die psychotherapeutische Begleitung hilft dem Patienten seine Probleme zu strukturieren und Verhaltensmuster zu ändern. Ist das ADHS ausgeprägt, kann auch zusätzlich medikamentös behandelt werden – viele Betroffene werden erst durch die Medikamente empfänglich für die Psychotherapie. Bei Erwachsenen wird häufig mit Methylphenidat behandelt, das dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt und verordnet werden muss. Die Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin werden im Gehirn reguliert. Seit 2013 ist auch der Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomexetin für Erwachsene in Deutschland zugelassen.

Die Dosierung muss der Psychiater in jedem Fall genau abwägen und regelmäßig überprüfen. Es gibt Menschen, die die Medikamente nur nach Bedarf einnehmen müssen, andere sind auf eine regelmäßige, langfristige Einnahme angewiesen. Die Medikamente wirken prinzipiell leistungssteigernd, der mögliche Missbrauch sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Die Medikamente bergen prinzipiell auch die Gefahr einer Abhängigkeit – auch deshalb ist die dauerhafte Begleitung durch einen Facharzt unbedingt notwendig. Auch über sonstige mögliche Nebenwirkungen wie zum Beispiel verminderter Appetit, Schwitzen oder Kopfschmerzen muss aufgeklärt werden.

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