Ärger beim Gebrauchtwagenkauf

Seriöse Händler und preiswerte Angebote finden

Beim Kauf eines Gebrauchtwagens sollte man sich Zeit lassen, von Spontankäufen ist abzuraten – vor allem, wenn man wenig Ahnung von Fahrzeugen hat. Das vermeintliche Schnäppchen könnte sich schnell als Kostenfresser herausstellen. Wer sich nicht auf die Vertrauenswürdigkeit des Verkäufers verlassen möchte, findet hier einige Anhaltspunkte.

Ganz gleich wo – privat oder vom Händler – Sie Ihren Gebrauchtwagen kaufen möchten: Bevor Sie beim erstbesten Angebot zuschlagen, sollten Sie einen Preisvergleich im Internet, in Zeitungen oder bei anderen Händlern anstellen. Anhaltspunkte bieten auch Schwacke-Liste (Restwert von gebrauchten Kraftfahrzeugen auf dem deutschen Markt) und Mängellisten im Internet.

Nehmen Sie zu einem Autokauf immer einen Zeugen mit und lassen Sie sich bei der Suche Zeit. „In der Hektik geht sonst viel Geld verloren“, warnt Autoexperte und ZDF-Reporter Lothar Becker: „Jedes Auto gibt es noch einmal. Wenn das erste Auto nicht passt, findet man in den nächsten Wochen garantiert etwas sehr ähnliches.“

Häufige Mängel

Gebrauchtwagenkauf
Gebrauchtwagenkauf Quelle: imago/Kolvenbach

Die häufigsten Mängel betreffen die Elektrik, das Licht, die Bremsanlage, das Fahrwerk und die Lenkung – für den Laien längst nicht immer zu erkennen. Um sicherzugehen, empfiehlt sich eine Überprüfung durch den Fachmann.

Der Gebrauchtwagencheck ist bei unabhängigen Prüfstellen wie TÜV, Dekra oder ADAC möglich und kostet etwa zwischen 50 und 100 Euro. Manche Händler oder Privatverkäufer haben bereits einen Gebrauchtwagen-Check durchführen lassen. Lassen Sie sich in diesem Fall das Prüfprotokoll zeigen. Verweigert der Verkäufer die Fahrt zur Überprüfung, ist das ein Zeichen für Unseriosität.

Käufe von privaten Anbietern

Wer ein interessantes Angebot findet – zum Beispiel im Internet –, sollte den Wagen auf jeden Fall persönlich in Augenschein nehmen. Wenn Sie sich einig werden, verwenden Sie am besten einen Kaufvertrag eines seriösen Anbieters, etwa von Automobilclubs oder Prüfstellen. Ganz wichtig: Treten Sie niemals in Vorleistung, auch nicht mit einer Anzahlung. Beherzigen Sie den Grundsatz: Geld gegen Ware. Lassen Sie sich den Ausweis des Verkäufers zeigen, um zu überprüfen, ob er tatsächlich der Eigentümer ist.

In einen Kaufvertrag gehören: alle Fahrzeugdaten wie Fahrgestellnummer, Kilometerleistung, Information, ob das Fahrzeug einen Unfall hatte oder einen Austauschmotor, Zubehör wie Winterreifen oder Dachgepäckträger, Preis und Zahlungsmodalitäten sowie Datum und Uhrzeit der Übergabe. Wird im Kaufvertrag die Eigenschaft „unfallfrei“ zugesichert, wird das rechtlich als wesentliche Eigenschaft des gekauften Autos angesehen. Wenn sie nicht zutrifft, kann der Käufer vom Vertrag zurücktreten, wenn man einen Schaden entdeckt. „Diese Möglichkeit besteht selbst dann, wenn im Vertrag jede Gewährleistung ausgeschlossen ist“, weiß Lothar Becker.

Streitpunkt Sachmängelhaftung

Entscheidender Unterschied zwischen Privatkauf oder Kauf beim Händler ist die Sachmängelhaftung: Die Gewährleistung beträgt zwei Jahre. Achtung: Sie kann vom Händler auf ein Jahr verkürzt werden. Ob ein Mangel schon zum Zeitpunkt des Kaufs bestand, ist für den Käufer nur schwer nachzuweisen. "Das Gesetz kennt daher eine sogenannte Beweiserleichterung, das heißt, in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf wird vermutet, dass der Mangel schon bei der Übergabe vorlag. Der Verkäufer muss dann umgekehrt beweisen, dass das nicht so war", erläutert Rechtsanwalt Kay P. Rodegra.

Vorteil Gebrauchtwagengarantie?

Privatpersonen können die Sachmängelhaftung ausschließen. Fragen Sie deshalb beim Händler nach, ob er den Wagen per Kommission verkauft, also im Auftrag einer Privatperson, und bestehen Sie immer auf eine schriftliche Fixierung des Vertrages. Für arglistig verschwiegene Mängel müssen auch Privatpersonen haften. „Die Frist für die Anfechtung beträgt nach § 124 BGB ein Jahr und beginnt zu dem Zeitpunkt, zu welchem man die Täuschung entdeckt – also den Unfallschaden bemerkt“, erläutert Autoexperte Becker. Eine endgültige Verjährung trete erst zehn Jahre nach Vertragsabschluss ein.

Gebrauchtwagen mit Preisrabatten
Gebrauchtwagen mit Preisrabatten Quelle: ZDF

Häufig werden von den Händlern zusätzliche Gebrauchtwagengarantien angeboten. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Versicherung, die im Falle eines Mangels die Reparaturkosten übernimmt. Die Kosten für eine einjährige Gebrauchtwagengarantie liegen je nach Modell zwischen 300 und 500 Euro. Tritt der Mangel erst nach sechs Monaten auf, kann die Garantie von Vorteil sein. Denn in diesem Fall muss der Käufer nachweisen, dass der Mangel schon bei der Übergabe des Fahrzeugs vorlag, um von der gesetzlichen Gewährleistung zu profitieren.

Eine Gebrauchtwagengarantie springt jederzeit während des Garantiezeitraums ein. Sinnvoll ist eine Gebrauchtwagengarantie bei älteren Autos, mit einer Laufleistung von unter 100.000 Kilometern. Danach erstatten Garantien nur noch einen Teilbetrag.

Rücktritt vom Kaufvertrag

Schlagen zwei Nachbesserungsversuche wegen desselben Mangels fehl, kann der Käufer in der Regel vom Kaufvertrag zurücktreten, das Fahrzeug zurückgeben und den Kaufpreis zurückverlangen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Reparaturversuche von dem Autohändler bewilligt, von ihm selbst oder einer von ihm beauftragten Werkstatt durchgeführt wurden. Alternativ besteht die Möglichkeit, den Kaufpreis nachträglich zu mindern.

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