Ärger mit der Lebensversicherung

Bauherren in Versicherungsfalle

Verbraucher | Volle Kanne - Ärger mit der Lebensversicherung

Bei Millionen Deutschen funktioniert die Altersvorsorge nicht wie geplant. Ein Grund: Die Lebensversicherungen zahlen weit weniger aus, als sie bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellt haben.

Beitragslänge:
6 min
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Video verfügbar bis 30.08.2017, 14:00

Millionen Deutsche stehen vor dem gleichen Problem. Ihre Altersvorsorge funktioniert nicht wie geplant. Ein Grund: Die Lebensversicherungen zahlen weit weniger aus, als sie bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellt haben. Betroffen sind auch Hauseigentümer, die ihre Immobilie mit einer Lebensversicherung finanziert haben.

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase und stark gesunkener Überschussbeteiligungen werfen Lebensversicherungspolicen seit Jahren deutlich weniger ab als prognostiziert. Das trifft unter anderem Sparer, die ihre Immobilie mit einer Lebensversicherung finanziert haben. Bis 2005 war diese Form der Baufinanzierung noch ein Verkaufsschlager. „Jahrzehntelang erwarben Bundesbürger Jahr für Jahr Immobilien im Wert von über sechs Milliarden Euro mit diesem Kombi-Modell. Bankberater strichen üppige Provisionen von bis zu fünf Prozent ein“, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW.

Missglückte Baufinanzierung

Lebensversicherungsvertrag mit Brille
Vertrag Lebensversicherung Quelle: imago/imagebroker

Das Konzept versprach Folgendes: Bauherren zahlen jahrelang nur die Zinsen für das Festdarlehen, die Tilgung soll dann in einem Rutsch am Ende der Versicherungslaufzeit erfolgen. Mit Renditeprognosen, die über den Darlehenszinsen lagen, war das ein verlockendes Modell. Außerdem gab es bis 2005 Steuervorteile.
Elke Weidenbach erklärt das Dilemma: „Gerade weil die Tilgung auf hohe Prognosen am Ende der Laufzeit ausgerichtet war, wächst die künftige Restschuld – und wächst und wächst.“ Besonders ärgerlich findet sie, dass die Baufinanzierung über Lebensversicherungen auch heute noch erfolgreich an den Mann und die Frau gebracht wird. Häuslebauern rät sie: „Der beste Weg, in diesen Niedrigzinszeiten eine Immobilie zu finanzieren, ist immer noch das klassische Annuitätendarlehen mit einer monatlichen Rate aus Zins und Tilgung.“

Verträge kündigen

Ist eine Lebensversicherung zur Baufinanzierung einmal abgeschlossen, kommt man nicht ohne Verluste aus dem Vertrag heraus. Eine Kündigung muss sehr gut durchgerechnet werden. Ob sich ein Ausstieg lohnt, hängt auch von der Laufzeit ab. „Betroffene, deren Finanzierung noch nicht lange läuft, haben noch die besten Chancen, ohne allzu schmerzhafte Verluste umzusatteln. Grundsätzlich gilt: Je älter der Vertrag, desto verlustreicher die Option“, resümiert die Verbraucherschützerin.
Wenn die Bank mitspielt, kann laut Weidenbach folgender Rettungsversuch infrage kommen: „Reißleine ziehen, die Lebensversicherung kündigen, mit dem Rückkaufswert eine Sondertilgung leisten und den Rest als klassische Annuität mit laufender Tilgung fortsetzen. Das kann teuer werden, ist aber in Einzelfällen besser, als die Schulden weiter wachsen zu lassen, oft bis weit in den Ruhestand hinein.“ Die Alternative sei, zähneknirschend die Zahlungen fortzusetzen und wenigstens das Festdarlehen auf einen besseren Zinssatz mit Sondertilgungsmöglichkeiten umzustellen, was nach zehn Jahren möglich ist.
Wichtig ist eine unabhängige Beratung. Weidenbach warnt: „Die Banken oder die Versicherer versuchen häufig, zu allem Übel neue Lebensversicherungs- oder Bausparverträge als Rettungsanker zu verkaufen.“

Rechtlich vorgehen?

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat bereits 1990 entschieden, dass Kunden bei komplizierten Finanzierungsmodellen über die Nachteile und Risiken aufzuklären sind: also auch darüber, dass die Ablaufleistung der Lebensversicherung unter Umständen zur Tilgung nicht ausreicht – und wie hoch die Lücken ausfallen, wenn die Überschussbeteiligung des Versicherers um ein oder zwei Prozent niedriger ausfällt. Doch selbst wenn die Banken dies versäumt haben: Eine Klage ist langwierig und oft auch teuer. Nicht alle Betroffenen verfügen über eine Rechtschutzversicherung. Ähnlich schwierig kann die Option des Widerrufs von Lebensversicherungen sein.

Versteckte Kosten

„Wir raten dringend davon ab, eine Kapitallebensversicherung oder private Rentenversicherung abzuschließen. Die gehören zu den schlechtesten Produkten für die Altersvorsorge oder für die Immobilienfinanzierung. Millionen Verbraucher haben damit schon Milliarden von Euro verloren“, erklärt Weidenbach. Der Hauptgrund: Hohe, versteckte Kosten belasteten den Vertrag. Wer unterschreibe, rutsche erst mal ein paar hundert oder tausend Euro ins Minus – meist, ohne es zu merken: „Erst bei der Kündigung werden die Kosten deutlich: Man bekommt nur einen mageren Rückkaufswert. Hinzu kommt die Undurchschaubarkeit der Verträge.“

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