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Süchtig nach Glücksspielen

Schätzungsweise mehr als 500.000 Menschen sind in Deutschland spielsüchtig. Experten vermuten eine weitaus höhere Dunkelziffer. Wer ist besonders anfällig und ab wann gilt man als süchtig?

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.09.2020

Von einer Glückspielsucht spricht man, wenn eine starke Eingenommenheit sowie ein unwiderstehliches Verlangen zum Glücksspiel bestehen und wiederholte Abstinenzversuche scheitern. Die meisten Betroffenen sind abhängig von Geldspielautomaten.

Spielsucht – Wer ist besonders gefährdet?

Jeder, der am Glücksspiel teilnimmt, sollte sich im Klaren darüber sein, dass es sich um eine nicht völlig ungefährliche Art der Freizeitbeschäftigung handelt. Besonders anfällig zur Entwicklung einer Suchterkrankung sind Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Veranlagung und/oder schwierigen sozialen, beruflichen oder familiären Lebenssituationen eine besondere Anfälligkeit entwickeln und zugleich ein negatives Selbstwertgefühl haben.

Neben Menschen mit kritischen Lebensumständen, die beispielsweise soziale Verluste oder Gefühle von Einsamkeit und Unzufriedenheit belasten, sind Menschen mit Migrationshintergrund und niedrigem Bildungsstatus besonders häufig betroffen. Insgesamt ist Sucht jedoch ein Phänomen, das in allen sozialen Schichten zu finden ist.

Während bei Jüngeren oft zerrüttete Familienstrukturen ein suchtartiges Glücksspielverhalten begünstigen, sind es bei Menschen mit Migrationshintergrund eher traumatische Erlebnisse. Besonders begünstigend für die Entwicklung einer Glücksspielsucht im Alter sind Einsamkeit, fehlende Tagesstruktur, fehlende Verpflichtungen und Aufgaben, sowie Lebensumbruchphasen wie der Renteneintritt oder der Verlust einer wichtigen Bindungsperson.

So entsteht die Spielsucht

Oft beginnt das Spielen als harmlose Freizeitgestaltung. In Deutschland haben sich circa 78 Prozent der 16- bis 65-Jährigen schon mindestens einmal an einem Glücksspiel beteiligt,  Männer dabei häufiger als Frauen. Besonders problematisch sind dabei hohe Gewinne direkt zu Beginn. Denn dieses Gewinnerlebnis versuchen die Betroffenen durch häufiges Spielen zu wiederholen. Es findet somit eine frühe und enge Bindung zum Glücksspiel statt.

Erfolglose Aufholjagden, um das verlorene Geld am Automaten zurückzugewinnen, gehen nach und nach über in einen „Abschaltmodus“, in denen es den Betroffenen möglich ist, kurzfristig in eine andere Rolle zu schlüpfen und gleichzeitig bestehende Belastungen auszublenden.

Folgen des Glücksspielkonsums sind unter anderem hohe finanzielle Verluste, Unruhe und Gereiztheit, Lügen oder Vertrauensmissbrauch sowie die Isolation vom sozialen Umfeld. Diese führen dann zu immer mehr Stress, was wiederrum zu vermehrter Zufluchtssuche im Glücksspiel führt. Durch diesen Mechanismus, der wie ein Teufelskreis wirkt, wird die Suchterkrankung aufrechterhalten.

So läuft eine Therapie ab

Erst seit 2001 ist Glückspielsucht offiziell als Krankheitsbild anerkannt und wird gesondert behandelt. Es gibt die Möglichkeit der ambulanten und der stationären Therapie. Die Kosten dazu werden von den Rentenversicherungsträgern, in Einzelfällen auch von den Krankenkassen, übernommen. Für die Vermittlung in die passende Therapieform ist die örtliche Suchtberatungsstelle maßgeblich.

Oft ist eine ambulante Therapie in Form einer Motivationsgruppe zur Glücksspielabstinenz nicht ausreichend. Häufig empfiehlt sich eine stationäre Behandlung. Dort können die Betroffenen erst einmal Abstand vom häuslichen Umfeld gewinnen und sich in einem geschützten Rahmen in Gruppen- und Einzeltherapien ihren Problemen und belastenden Lebensthemen widmen.

Zunächst geht es darum, den Mechanismus der Sucht zu verstehen und die Gründe für das wiederholte Spielen zu erkennen. Darüber hinaus üben sich die Patienten in ihrer Impulskontrolle und entwickeln Techniken zum Umgang mit dem Suchtdruck. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen ist ein wichtiger Bestandteil. Sie lernen dabei, sich wieder zu öffnen, Bedürfnisse und Emotionen zu benennen und stärken ihre sozialen Kompetenzen.

Was nach der Therapie passiert

Neben der Bearbeitung von belastenden Lebensthemen und Folgen des Glücksspielkonsums werden die Betroffenen in der Therapie auf die Zeit nach der Behandlung vorbereitet. Wesentlich sind dabei die Etablierung einer Tagesstruktur und die Erarbeitung alternativer Freizeitaktivitäten. Sportliche Betätigung hilft zum Beispiel, depressiven Begleitsymptomen entgegenzuwirken.

Der Sozialdienst hilft bei sozial-rechtlichen Fragen und ersten Schritten zu Schuldenregulierung. Außerdem vermittelt er eine ambulante Reha-Nachsorge, also weitere therapeutische Unterstützung und Begleitung am Heimatort. Wichtig ist auch, dass Geld nicht im vollen Umfang zur Verfügung steht. Dabei übernimmt ein Angehöriger oder ein gesetzlicher Betreuer die Geldeinteilung in Form einer wöchentlichen Geldauszahlung an den Betroffenen.

Neben diesen Vorkehrungen ist die Unterstützung durch Freunde und Familienangehörige, mit denen ein offener Austausch stattfinden kann, für den Betroffenen sehr wichtig. Denn die Rückfallquote ist sehr hoch und nur durch dauerhafte Wachsamkeit kann ein spielfreies Leben ermöglicht werden. Anfällig für Spielsucht werden die Betroffenen jedoch immer bleiben.

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