Alkoholsucht in der Partnerschaft

Wege aus der Co-Abhängigkeit

Verbraucher | Volle Kanne - Alkoholsucht in der Partnerschaft

Alkoholismus kann Familien zerstören: Wenn ein Partner trinkt, gerät der andere schnell in die Co-Abhängigkeit. Er versucht, vieles abzufedern und die Fassade aufrecht zu erhalten.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.07.2017, 14:00

Für eine Partnerschaft kann eine Alkoholsucht fatale Folgen haben. Angehörige von Alkoholikern werden ungewollt zu Komplizen der Suchtkranken, sie werden „co-abhängig“. Nach außen versuchen sie die Fassade einer „heilen Familie“ aufrechtzuerhalten; nach innen wollen sie die Hoffnung nicht aufgeben, dass der alkoholkranke Partner durch ihre Hilfe doch noch die Kurve kriegt. Meist ein Trugschluss.

Alkohol ist aus unserer Gesellschaft kaum wegzudenken. Die Risiken aber werden unterschätzt, denn der Übergang vom Genuss zur Sucht entwickelt sich in der Regel schleichend über viele Jahre.

Lange Phase der Vertuschung

Dass man eine Sucht des Partners lange nicht bemerke, bestätigt Reinhart Schüppel, Professor und Chefarzt der Fachklinik Furth im Wald. Viele seien sehr geschickt darin, ihren tatsächlichen Alkoholkonsum zu verschleiern, auch eine langsame Steigerung der üblichen Dosis falle meist nicht auf. „Manche Angehörige wollen das auch gar nicht sehen“, sagt er. Vielleicht bemerke man eine Fahne oder es sei auffällig, dass der Partner besonders nett sei. Möglich sei auch, dass der Partner einem aus dem Weg gehe, damit man den getrunkenen Alkohol nicht bemerkt.

Diese Phase könne lange anhalten. Meist äußere sich eine außenstehende Person wie ein ferner Verwandter oder der Arbeitgeber schlage Alarm. „Es ist nicht leicht, die Alkoholsucht des Partners anzusprechen, man will ja niemanden verletzen“, sagt Reinhart Schüppel. In der Regel habe der Betroffene ein sehr schlechtes Gewissen. Hier könne es hilfreich sein, als Angehöriger gegenüber seinem Partner von sich selbst zu sprechen, von den eigenen Grenzen, die man aufgrund der Sucht des Partners überschritten habe. Man könne ihm anbieten, mit ihm zum Arzt zu gehen. „Es ist natürlich immer schwierig, wenn man will, dass der Partner etwas Bestimmtes tut. Manchmal ist es gut, die Situation mit einem Dritten zu besprechen. Das löst bei beiden Partnern sehr viel aus“, rät der Experte.

Verschiedene Therapieformen

Ein Klinikaufenthalt sei nicht immer nötig. „Es gibt Menschen, die mit Unterstützung ihrer Familie aufhören können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“ Meist würden dann ambulante Therapiemöglichkeiten in Anspruch genommen. Auch Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen könnten unterstützend mitwirken, so der Experte. Ungefähr ein halbes Jahr dauere diese Form der Therapie.

Gebe es aber bereits Konflikte in der Beziehung oder im Job, dann sei eine Therapie außerhalb der Klinik schwierig. „Wenn der Beruf in Gefahr ist, kann eine stationäre Behandlung mit Therapie sinnvoll sein. Diese ist umfassend und sehr intensiv. Zuvor muss der Entzug erfolgen, das dauert eine Woche. Dann schließt sich eine stationäre Behandlung an, die zwischen acht und 16 Wochen dauert.“

Hilfe für die Angehörigen

Auch die co-abhängigen Angehörigen brauchen Hilfe. Hier sei vor allem der Austausch unter Betroffenen wichtig, dies wirke entlastend, so Schüppel. „Inzwischen gibt es auch Selbsthilfegruppen von Kindern. Auch sie müssen sich austauschen. Viele Kinder holen ihre betrunkenen Väter oder Mütter regelmäßig aus der Kneipe ab; sie haben Gesprächsbedarf“, sagt Schüppel.

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