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Neuer Trend: Alte Heilmethoden

Mittelalterliche Heilungsmethoden sind nicht nur Scharlatanerie: promovierte Allgemeinmediziner haben herausgefunden, dass einige der Methoden, wie z.B. das Schröpfen und die Blutegeltherapie einen medizinischen Nutzen haben können.

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5 min
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23.07.2020
Video verfügbar bis 23.07.2021

Es gibt Krankheiten und Beschwerden, bei denen die Schulmedizin nicht immer die einzige oder beste Therapie bietet. Auf der Suche nach alternativen Lösungen untersuchen Wissenschaftler alte Heilmethoden und machen dabei erstaunliche Entdeckungen. So sind zum Beispiel ausleitende Verfahren wie das Schröpfen oder die Therapie mit Blutegeln, die bereits in der Antike zur Heilung eingesetzt wurden, auch heute noch therapeutisch anwendbar. Allerdings nur bei bestimmten Indikationen und unter bestimmten Voraussetzungen.

Schröpf-Arten

Es gibt drei Arten von Schröpfen. Das blutige Schröpfen, das trockene Schröpfen und die Schröpfkopfmassage. Beim blutigen Schröpfen wird die Haut angeritzt bevor das Schröpfglas aufgesetzt wird. Es ist ein Verfahren, das nur wenige Ärzte nutzen, da es einen kaum merklichen Unterschied zum trockenen Schröpfen gibt, die Haut aber wesentlich stärker gereizt wird und das Infektionsrisiko erhöht ist. Beim trockenen Schröpfen wird das Glas ohne die Haut vorher anzuritzen auf die jeweilige Stelle gesetzt. Bei der Schröpfkopfmassage wird die Haut vorher mit Öl eingerieben, um die Gläser besser bewegen zu können. Je nach Indikation kombinieren manche Ärzte das trockene Schröpfen mit der Schröpfkopfmassage.

Bei allen drei Schröpfarten wird in den Gläsern die Luft abgelassen, meist durch eine Flamme. Setzt man das Glas schnell auf die Haut, wird ein Unterdruck erzeugt und das darunter liegende Hautareal und das Unterhautgewebe werden ins Glas gesogen.

Mit diesem Verfahren, wird die obere Haut zwar besser durchblutet, das sieht man auch an der Rötung, das darunter liegende Areal, also das Unterhautgewebe und die Muskulatur wird nur noch wenig durchblutet. Dadurch soll der Stoffwechsel des Bindegewebes angeregt und der Lymphfluss verbessert werden.

Einsatzgebiete des Schröpfens

Geschröpft wird hauptsächlich bei Verspannungen. Die Wirksamkeit bei Migräne und Kopfschmerzen konnte nicht belegt werden, allerdings nehmen Ärzte an, dass sich das Schröpfen auch auf das Nervensystem auswirkt und es dadurch zu einer Verbesserung der Gesamtsituation des Patienten kommen kann.

Beim trockenen Schröpfen gibt es für körperlich gesunde Menschen kaum Risiken. Nach dem Schröpfen bleibt ein kreisrunder blauer Fleck für mehrere Tage sichtbar und möglicherweise kann ein leichter Muskelkater auftreten. Das blutige Schröpfen muss unbedingt von einer ausgebildeten Fachkraft durchgeführt werden, da hier sehr strenge hygienische Maßnahmen eingehalten werden müssen.

Wann sollte man nicht Schröpfen?

Vor dem Schröpfen muss der Arzt unbedingt abklären, ob die Maßnahme generell durchgeführt werden kann, denn bei einigen Krankheiten darf der Patient nicht geschröpft werden. Das sind zum Beispiel die Einnahme von Gerinnungshemmern, Blutgerinnungsstörungen, die erhöhte Neigung zu Blutungen, verletzte Hautstellen, allergisch gereizte Hautareale, generalisierte Ödeme oder schwere Herzerkrankungen, aber auch Schwangerschaft und nach einer Strahlentherapie.

Neben diesen Indikationen ist unbedingt zu untersuchen, ob die Haut an der Stelle, die geschröpft werden soll, intakt ist.

Therapeutische Blutegel

Ärzte, die Blutegel zu Therapiezwecken einsetzen, beziehen ihre Blutegel aus Apotheken und diese von zertifizierten Blutegel-Farmen. Hier werden therapeutische Blutegel gezüchtet und mit streng kontrolliertem Blut gefüttert. Trotz dieser Kontrollen muss ein Blutegel 32 Wochen fasten, bevor er am Patienten zum Einsatz kommen darf. Blutegel haben eine sehr langsame Verdauung. Man konnte im Darm von Blutegeln selbst nach eineinhalb Jahren noch Reste der letzten Blutmahlzeit feststellen.

Um die Risiken einer Infektion mit Viren, die sich im Körper des Tieres befinden, zu vermeiden, darf der therapeutische Blutegel nur ein einziges Mal verwendet werden. Selbst das mehrmalige Verwenden am gleichen Patienten ist wegen einer möglichen Verwechslungsgefahr in Deutschland verboten. Die sanfteste Möglichkeit die Blutegel zu entsorgen ist das Erfrieren.

Einsatzgebiete Blutegel

Blutegel werden hauptsächlich bei Arthrose am Knie, Ellenbogen, Daumen oder bei einem sogenannten Tennisarm verwendet. Die Wirkweise bezieht sich dabei nicht auf das Blut, das abgesaugt wird, sondern auf die etwa 20 verschiedenen Substanzen, die das Tier während des Saugvorgangs lokal absondert. Diese Substanzen befinden sich im Speichel, der „Saliva“ genannt wird. Darin enthalten sind unter anderem Hirudin, Calin, Egline und Bdelline. Einige dieser Substanzen hemmen die Blutgerinnung, andere wirken schmerzlindern und entzündungshemmend.

Neben der Verwendung bei Arthrose wird der Blutegel unter anderem auch bei Durchblutungsstörungen nach chirurgischen Eingriffen verwendet.

Risiken Blutegel-Therapie

Obwohl medizinische Blutegel unter strengen Kontrollen aufgezogen und gefüttert werden, kann man eine Infektion grundsätzlich nicht ausschließen. Einige der Substanzen, die mit dem Speichel abgegeben werden, hemmen die Blutgerinnung. Deshalb sollte nach der Therapie keine Operation oder beispielsweise Magenspiegelung durchgeführt werden. Eine Blutegel-Therapie sollte auch nach mehreren Monaten im Vorbereitungsgespräch bei anstehenden Eingriffen erwähnt werden. Außerdem bleibt vom Biss des Blutegels eine kleine sternförmige Narbe.

Blutegel dürfen unter anderem nicht zum Einsatz kommen, wenn der Patient zeitgleich Blutverdünner nimmt, an einer angeborenen Bluterkrankheit oder Infektionskrankheit leidet, bei Magenschleimhautentzündung, Eiweißallergien, bekannten Allergien gegen Blutegelspeichelbestandteile oder wenn man akut krank ist.

In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte generell auf ausleitende Verfahren verzichtet werden, daher ist eine Blutegeltherapie hier nicht ratsam.

Studienergebnisse der ausleitenden Verfahren

Obwohl mittlerweile einige wissenschaftliche Untersuchungen die Wirksamkeit der beiden Therapiemethoden bei verschiedenen Erkrankungen belegen, kann der psychologische Faktor nicht ausgeschlossen werden. In klinischen Studien gibt es immer eine Kontrollgruppe, die ein Placebo erhält. Für Blutegel und Schröpfen gibt es allerdings keine Placebos. Obwohl in einer Studie versucht wurde ein Placebo für Blutegel zu erzeugen, indem man die Haut aufritzte und mit einem nassen kleinen Schwämmchen befeuchtete, konnten die Patienten im Anschluss fast alle sagen, dass ihr „Blutegel“ ein Placebo war.

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