Analogkäse und Formfleisch

Die Tricks der Lebensmittelindustrie

Verbraucher | Volle Kanne - Analogkäse und Formfleisch

Die Lebensmittelindustrie lässt sich viel einfallen, um Verbraucher an ihre Produkte zu binden. Nur so klingelt es auch in den Kassen. Lebensmitteltechnologe Sebastian Lege deckt die Tricks auf.

Beitragslänge:
12 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.02.2017, 10:11

Lebensmittel werden häufig als naturbelassen und gesund vermarktet – dabei werden aus Kostengründen auch minderwertige Zutaten verarbeitet.

„Original italienische Rezepturen“, „Kochkreationen von Gourmetköchen“ oder „Tee mit wohltuenden Eigenschaften“ – wenn man als Verbraucher in die Lebensmittelregale schaut, kann man den Eindruck gewinnen, nichts als gesunde Delikatessen vor sich zu haben. Aber selbst wenn man die Zutatenlisten auf den Verpackungen genau studiert, kann man nicht immer herausfinden, wie hochwertig das jeweilige Produkt wirklich ist. Denn die Hersteller verstehen es geschickt, mit den Wünschen und Vorstellungen der Kunden zu spielen.

Wer beispielsweise abnehmen möchte, dem werden reichlich Lebensmittel angeboten, die sich als „fettreduziert“, „kalorienarm“ oder „leicht“ empfehlen. Oft entpuppen sich diese Versprechungen aber als falsch, denn viele Produkte sparen zwar an Fett, enthalten aber wegen ihres hohen Zuckeranteils trotzdem viele Kalorien.

Traditionelle Rezepturen verfälschen

Ein ebenfalls beliebter Trick der Lebensmittelindustrie ist es, auf Verpackungen mit traditionellen Rezepturen zu werben, diese aber durch die Verwendung günstiger Zutaten zu verfälschen – etwa indem ein Pesto nicht aus Olivenöl, Parmesan und Pinienkernen, sondern aus Sonnenblumenöl, Kartoffelflocken und Chashewkernen hergestellt wird. Einem ähnlichen Prinzip folgt die Produktion von Stapelchips: Die bestehen nicht aus Kartoffelscheiben, sondern aus einem Teig, der aus Zutaten wie Stärke, Reismehl und Kartoffelflocken gefertigt wird.

Zudem werden die für die industriell gefertigten Lebensmittel verwendeten Aromen häufig mit Adjektiven versehen, die Naturbelassenheit suggerieren sollen. Am ehesten trifft das noch auf natürliche Aromen zu, die tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sind – wie etwa Vanilleextrakt. Naturidentische Aromen hingegen, beispielsweise Vanillin, werden synthetisch hergestellt – wenn auch teilweise aus natürlichen Bestandteilen wie Zuckerrüben.

Fleischstückchen und Fleischkleber

Produkte, die keine der eigentlich vorgesehenen Zutaten mehr enthalten, werden als analog bezeichnet: Analogkäse zum Beispiel, sieht zwar aus wie Käse, imitiert diesen aber lediglich. Statt teurem Milchfett enthält Analogkäse billiges Pflanzenfett, Milcheiweiß, Stärke und Geschmacksverstärker. Gesundheitsschädigend ist das zwar nicht, jedoch enthält das fertige Produkt auch keine für den Körper wertvollen Inhaltsstoffe wie etwa Kalzium. Formfleisch hingegen enthält durchaus echtes Fleisch – allerdings handelt es sich üblicherweise um kleinere Fleischstückchen, die mit sogenanntem Fleischkleber zu größeren Stücken zusammengefügt wurden.

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