Diagnose: Anhaltende Trauerstörung

Stirbt ein geliebter Mensch, ist Trauer eine normale und hilfreiche Reaktion. Doch kann Trauern auch krankhaft sein?

Beitragslänge:
13 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.08.2019

Menschen, die nach einem Todesfall besonders intensiv und lange trauern, könnten schon bald eine eigenständige medizinische Diagnose erhalten: die anhaltende Trauerstörung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will diese Diagnose in die sogenannte ICD-11 eintragen, eine Liste von Krankheiten und Gesundheitsproblemen, die im Laufe des Jahres 2018 veröffentlicht werden soll. Die ICD dient weltweit als Grundlage zur Verschlüsselung medizinischer Diagnosen – auch in Deutschland.

Definition

Im Internet hat die WHO eine vorläufige Beta-Version in englischer Sprache veröffentlicht. Wichtigste Kriterien der anhaltenden Trauerstörung (englisch: Prolonged grief disorder) und Unterschiede zu normaler Trauer sind demnach vor allem die Dauer und Intensität der Trauer: Betroffene verspüren eine brennende Sehnsucht und emotionale Schmerzen wie Verbitterung, Wut, Traurigkeit, die mehr als sechs Monate nach dem Verlust den Alltag und das eigene Leben besonders stark beeinträchtigen.

Warum eine neue Diagnose?

Internationale Fachkräfte haben über die Einführung der neuen Diagnose lange und kontrovers diskutiert. Es besteht Uneinigkeit, ob eine solche Diagnose den Betroffenen Vor- oder Nachteile bringen wird.

Befürworter argumentieren, dass sich die Symptome intensiv und lange Trauernder hinreichend von anderen Diagnosen wie Depression oder Posttraumatische Belastungsstörung PTBS unterscheiden. Betroffene hätten bislang nicht nur falsche Diagnosen, sondern auch ungeeignete Therapien erhalten. Vor allem Antidepressiva oder bestimmte Traumatherapien seien ineffektiv. Durch die spezifische Diagnose sollen Betroffene schnellere, spezifische und bessere Therapie erhalten.

Kritik an der Diagnose

Trauernde Frau wird getröstet
Trauer ist eine normale Reaktion. Doch wie lange ist "normal"?
Quelle: imago / blickwinkel

Kritik kommt aber unter anderem von Hospiz- und Palliativeinrichtungen: Der Begriff „Trauerstörung“ sei irreführend. Störungen würden nicht durch Trauer entstehen, sondern durch den Verlust einer nahen Bezugsperson. Trauern sei vielmehr eine normale und wichtige Funktion, die heilende Kraft habe.

Wie Menschen trauern, sei zudem individuell und kulturell sehr unterschiedlich. Durch Festlegungen von bestimmten Zeiten (beispielsweise mindestens sechs Monate) würden Trauerprozesse eingegrenzt und normiert. Dies könnte dazu führen, dass normal Trauernde vorschnell als psychisch krank stigmatisiert werden. Andere hatten gefordert, den Zeitraum auf 12 Monate, 14 Monate (das sogenannte Trauerjahr berücksichtigend) oder 24 Monate zu erhöhen.

Hilfe für Betroffene

Weitere Gesundheitsthemen

raurig schauendes Mädchen

Verbraucher | Volle Kanne - Wenn Eltern Krebs haben

Kinder leiden schwer, wenn Eltern erkrankt sind. Das Projekt Familienscout hilft.

Kinder suchtkranker Eltern

Verbraucher | Volle Kanne - Kinder suchtkranker Eltern

Sie übernehmen viel zu früh Verantwortung, werden zu Eltern ihrer Eltern - das hat folgenschwere Auswirkungen.

Markus Hof im Freizeitpark

Verbraucher | Volle Kanne - OP bei Adipositas, Teil 6

Wie geht es Markus Hof zwei Jahre nach seiner Magenverkleinerung?

Videolänge:
17 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.