Antibiotika sinnvoll einsetzen

Verbraucher | Volle Kanne - Antibiotika sinnvoll einsetzen

Kaum ist die Erkältung da, soll sie am besten gleich mit Antibiotika behandelt werden. Das zumindest wünschen sich viele Betroffene. Allerdings: Gegen eine durch Viren verursachte Erkrankung helfen Antibiotika gar nicht. Schlimmer noch: Durch …

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.03.2018, 09:05

Die Entdeckung der Antibiotika gehört zu den Meilensteinen der Medizingeschichte. Nachdem früher Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Syphilis zu den Haupttodesursachen zählten, brach mit der Entdeckung des Penicillins 1928 eine völlig neue Ära an. Antibiotika sind in der Lage, Bakterien zu töten oder deren Vermehrung zu verhindern - wohlgemerkt Bakterien, nicht Viren oder andere Gattungen von Krankheitserregern.

Viren? Oder Bakterien?

Doch gerade bei Infektionen durch Viren, die beispielsweise eine klassische Erkältung hervorrufen, herrscht ein weitverbreiteter Missbrauch der Substanzen. Patienten fordern die Mittel bei den geringsten Beschwerden ein, viele Ärzte geben dem Druck nach oder sind selbst unsicher, ob nicht doch Bakterien hinter dem Infekt stecken.

Dazu kommt noch, dass manche Betroffene die Medikamente nicht wie verordnet bis zum Ende einnehmen, sondern bei abklingenden Beschwerden eigenmächtig absetzen. Außerdem finden Antibiotika vielfach im Tierfutter Verwendung und gelangen dann über die Nahrungskette in unseren Organismus.

Verbraucher | Volle Kanne - Falsche Antibiotika-Verordnung: Schnelltest soll helfen

Helfen Antibiotika, wenn man hustet, niest oder Fieber hat ? Dr. Christoph Specht im Gespräch.

Videolänge:
8 min
Datum:

Antibiotika verlieren ihre Wirkung

Der übermäßige oder falsche Einsatz führt dazu, dass immer mehr Bakterien nicht mehr auf Antibiotika ansprechen, sie sind resistent geworden. Und das trifft zunehmend nicht nur auf einen einzigen Wirkstoff zu, sondern auf viele - es kommt zur Multiresistenz.

In die Schlagzeilen geriet in den letzten Jahren vor allem MRSA, ein multiresistentes Bakterium der sogenannten grampositiven Gattung Staphylococcus aureus, das sich in vielen Krankenhäusern ausbreitete und schwere Infektionen hervorrief.

Multiresistente Keime

Die größten Probleme verursachen multiresistente Keime auf Intensivstationen, wenn sich die ohnehin schon schwerkranken Patienten damit anstecken. Inzwischen testen die meisten Kliniken bei der Aufnahme von Patienten auf diesen Keim. Unter anderem mit dieser Maßnahme gelang es, die Ausbreitung des MRSA zurückzudrängen.

Dafür tauchen nun neue multiresistente Keime auf, zum Beispiel sogenannter gramnegativer Arten. Diese Bakterien weisen noch mehr Resistenzen auf als MRSA, was die Behandlung weiter behindert. In den USA gab es beispielsweise vor kurzem den Fall einer Patientin, deren Infektion auf keines der in Amerika zugelassenen Antibiotika ansprach, die Frau verstarb schließlich.

Forschung? Unrentabel!

Im Gegensatz zu anderen Gebieten der Medizin wird zu Antibiotika viel weniger geforscht. Würde man eine neue Substanz entdecken, vergingen bis zu ihrer Einführung durch die unumgänglichen Zulassungsregularien rund zehn Jahre, verbunden mit einem Kostenaufwand von etwa einer Milliarde Euro.

Da es sich aber bei Anitbiotika nicht um Medikamente zur Dauertherapie handelt und die speziellen Substanzen nur bei wenigen Patienten zum Einsatz kämen – Intensivstationen haben in der Gesamtheit der Antibiotikagabe einen Anteil von etwa einem Prozent -, lohnt sich das Geschäft für die Industrie nicht.

Kein Allheilmittel

Damit kommt dem verantwortungsbewussten und zielgerichteten Einsatz der Medikamente nach wie vor die größte Bedeutung zu. Die Mahnungen und Aufklärungskampagnen von Experten tragen aber auch bereits Früchte. So sind die Verordnungszahlen an Antibiotika im marktführenden ambulanten Sektor in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.

Manche pflanzliche Substanzen haben ebenfalls eine gewisse antibakterielle Wirkung, allerdings niemals in dem Ausmaß wie ein Antibiotikum. Und man muss wissen, dass einige Produkte wie zum Beispiel Honig selbst Sporen von Bakterien enthalten, die unter anderem bei Säuglingen eigene Infektionen auslösen können.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Abo beendet

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.