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Was hinter den Arbeitslosenzahlen steckt

Verbraucher | Volle Kanne - Was hinter den Arbeitslosenzahlen steckt

Auch im letzten Jahr ist die Arbeitslosenquote wieder gesunken. Doch bei Statistiken hängt alles von der Berechnungsmethode ab – und die wurde im Fall der Arbeitslosenzahlen seit 1986 schon 17 Mal geändert. Wie aussagekräftig ist die Zahl überhaupt?

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.01.2019, 09:05

Kritikern zufolge spiegelt die Arbeitslosenzahl nicht die Wirklichkeit wider, denn rund jeder vierte Arbeitslose werde darin gar nicht berücksichtigt. Die Arbeitslosenzahl erfasst vor allem die Personen, die sofort einen neuen Job anfangen könnten, erstaunlich viele Arbeitslose oder Arbeitssuchende fallen durch das statistische Raster.

So wird gerechnet

Nicht gezählt werden zum Beispiel Arbeitslose, die krankgemeldet sind oder diejenigen, die gerade eine Fortbildung machen. Auch sogenannte Ein-Euro-Jobber, die mit kleinen kommunalen Hilfsarbeiten ihr Arbeitslosengeld aufstocken, werden nicht erfasst.

Arbeitslosen, die über 58 Jahre alt, seit über einem Jahr arbeitslos sind und kein Jobangebot mehr erhielten, werde keine günstige Prognose mehr bescheinigt. Deshalb tauchten sie nicht in der Statistik auf, so Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen. „Das ist die wesentliche Erklärung dafür, dass diese Kategorie der Arbeitslosen nicht in der Statistik erfasst wird. Kaum ein Arbeitssuchender wird in diesem Alter noch eine neue Arbeit finden“, sagt er. All diejenigen Arbeitslosen, die in Weiterbildungsmaßnahmen stecken, stehen in diesem Moment dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Deshalb fallen sie aus der Statistik: „Objektiv sind sie aber arbeitslos.“

Ebenso nicht gezählt werden Menschen, die sich per Fremdförderung von anderen Einrichtungen als der Bundesagentur für Arbeit nicht vermitteln lassen, die geringfügig beschäftigt, kurzfristig arbeitsunfähig, nahe am Arbeitslosenstatus sind oder ihre Angehörigen pflegen. Auch Schüler im erwerbsfähigen Alter werden nicht in die Statistik aufgenommen. Insgesamt tauchen dadurch fast eine Million Menschen nicht in der Arbeitslosenquote auf, obwohl diese ohne Arbeit sind und Arbeitslosengeld beziehen. Sie erscheinen in der Statistik nur anteilig in einer Überkategorie, bei den sogenannten Unterbeschäftigten.

Wahrhaftigkeit erwünscht

„Als Wissenschaftler erwarte ich von diesen Zahlen – und auch von den Behörden –, dass sie korrekt sind.“ Durch die Arbeitslosenzahlen solle in der Gesellschaft Betroffenheit zum Ausdruck gebracht werden, so Bontrup weiter.

Die herrschende Politik lebe komfortabler, wenn die Arbeitslosenquote durch die wegdefinierten Arbeitslosen klein gerechnet werde, so Bontrup. „Die gewählten Volksvertreter haben Betroffenheit und Wahrhaftigkeit zu zeigen. In Wirklichkeit rechnen sie die Arbeitslosen immer wieder klein. Da scheinen sich aber alle Parteien einig, alle haben das bisher so gemacht.“

Wege, die Arbeitslosenzahlen zu reduzieren

Um gegen Arbeitslosigkeit vorzugehen, müsse die Wirtschaft wachsen, so Bontrup: „Wenn die Produktivität wächst, dann gibt es einen Effekt aufs Arbeitsvolumen. In den letzten Jahren hatten wir diesen positiven Effekt an den Arbeitsmärkten.“

Die Frage sei aber, wie man die Menschen in Lohn und Brot bekomme, so der Wirtschaftswissenschaftler weiter. „Man muss die Arbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich verkürzen.“ Ein weiterer wichtiger Punkt sei, Arbeitslosigkeit nicht ins Ausland zu exportieren: „Wenn eine Volkswirtschaft mehr exportiert als importiert, dann produziert sie im Inland mehr als sie konsumiert. Dadurch schaffen wir im Ausland mehr Arbeitslose. Wir sind eine der wenigen Nationen in Europa, die Exportüberschüsse haben“, resümiert  Heinz-Josef Bontrup.

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