Atemaussetzer im Schlaf

Wenn nachts im Schlaf häufiger der Atem aussetzt, können sich mit der Zeit Begleiterkrankungen entwickeln, unter anderen Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Eine Alternative zur CPAP-Maske ist der Zungenschrittmacher.

5 min
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03.07.2020
03.07.2020
Video verfügbar bis 03.07.2021

Nahezu jeder zweite Deutsche schnarcht. In vielen Fällen ist Schnarchen für die Gesundheit ungefährlich. Ein laustarkes und unregelmäßiges Schnarchen hingegen kann ein Indiz für eine sogenannte obstruktive Schlafapnoe sein - eine schlafbezogene Atmungsstörung.

Obstruktive Schlafapnoe

Während des Schlafens kommt es zu Atemaussetzern, wodurch der Sauerstoffgehalt im Blut stark abfällt. Die Folge: der Körper initiiert mehrmals des Nachts eine Weckreaktion, sodass der Betroffene aufwacht, um nicht zu ersticken. Das Aufwachen erfolgt ohne es bewusst wahrzunehmen. Der tiefe erholsame Schlaf ist dadurch ständig gestört und der Körper kann sich nur schwer regenerieren.

Dass es zu den Atemaussetzern kommt, hängt mit der Entspannung der Hals- und Rachenmuskulatur (der Zunge und des Weichgewebes im Gaumen) in der Nacht zusammen. Der Atemweg wird so blockiert und sauerstoffreiche Luft kann nicht mehr in die Lunge gelangen. Dabei kann entweder eine zurückfallende Zunge oder Kehlkopfdeckel die Atemwege verschließen oder auch das erschlaffte Gaumensegel. Auch zu große Mandeln können zum Kollabieren der Atmung führen. Starkes Übergewicht, regelmäßiger Alkoholkonsum am Abend und schweres Essen können zu einer Verstärkung führen.  

Gefahr: Sekunden-Schlaf

Anzeichen für eine obstruktive Schlafapnoe sind zum Beispiel eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit. Trotz stundenlangen Schlafes fühlen sich Betroffene bereits am Morgen unausgeschlafen, abgeschlagen und erschöpft. Meistens bleibt eine ständige Tagesmüdigkeit. Die Konzentrationsfähigkeit und Leistungsfähigkeit lassen im Alltag mehr und mehr nach.

Das wohl Gefährlichste: der spontane Sekundenschlaf, der jederzeit auftreten kann, egal ob am Computer während des Arbeitens oder im Auto auf der Fahrt nach Hause. Hinzu kommen morgendliche Kopfschmerzen und ein deutlich erhöhter Blutdruck.  

Die CPAP-Maske und ihre Tücken

Mann trägt CPAC-Maske
Die CPAP-Maske ist Standard-Therapie bei Schlafapnoe-Patienten
Quelle: imago 0092710641

Die Standard-Therapie bei Schlafapnoe-Patienten ist die Behandlung mit einer sogenannten CPAP-Maske. Dabei wird über eine Atemmaske in der Nacht ein Überdruck im Rachenraum aufgebaut, sodass die Zunge und das Weichgewebe im Gaumen nicht mehr kollabieren können. Mindestens vier Stunden pro Nacht müssen die Betroffenen die Maske tragen, damit sie wirkt. Doch nicht alle Patienten schaffen das.

Rund 40 Prozent kommen trotz der vielen Anpassungsmöglichkeiten mit der Überdruckmaske nicht richtig oder gar nicht zurecht. Einige Patienten entwickeln eine Maskenphobie, bekommen Panikattacken oder Luftnotattacken unter der Maske. Andere wiederum reißen sich die Maske nachts unbewusst vom Gesicht. Patienten, bei denen der Kehlkopfdeckel der Grund für die nächtlichen Atemaussetzer ist, können zum Beispiel mittels der CPAP-Maske nicht therapiert werden.

Unbehandelt steigt das Risiko für Begleiterkrankungen  

Wenn Betroffene die CPAP-Maske irgendwann einfach beiseite legen, kann die so nicht mehr behandelte Schlafapnoe schwerwiegende Folgen haben und zu einer Verschlimmerung von Begleiterkrankungen führen: Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes. Auch das Schlaganfallrisiko steigt an. Die Schlafapnoe soll auch bei der Entstehung von Demenz eine entscheidende Rolle spielen.

Der Zungenschrittmacher als alternative Therapieform

Für diejenigen Patienten, die mit einer CPAP-Maske nicht erfolgreich therapiert werden konnten, gibt es seit einiger Zeit den Zungenschrittmacher als alternative Behandlungsform.

Der Zungenschrittmacher besteht aus einem Generator, einem Atemsensor und einer Elektrode. Der Generator wird über der Brust implantiert, der Atemsensor zwischen den Rippen und die Elektrode direkt am Zungennerv unter der Zunge. Während des Schlafens registriert der Sensor jedes Einatmen, sendet es an die Elektrode, die dann den Zungennerv elektrisch stimuliert. Durch diese Stimulation werden bestimmte Muskeln im Rachenraum aktiviert, die so dafür sorgen, das die Zunge, der Kehlkopfdeckel und das Gaumensegel die Atemwege nicht mehr blockieren können. Welche Teile des oberen Rachenraumes für die Atemaussetzer sorgen, das wird durch die sogenannte Schlafendoskopie untersucht. Dafür wird der Patient in einen künstlichen Schlaf versetzt, der dem normalen Schlaf ähnelt. Mit einem Endoskop, dass über die Nase eingeführt wird, können die Mediziner genau sehen, wo die Ursachen liegen.

Nicht für jeden Patienten geeignet

Dennoch ist das Gerät nicht für jeden geeignet. Zum Beispiel Schlafapnoe-Patienten mit einem starken Übergewicht. Genauer gesagt: Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 35.

Auch Patienten, die sich regelmäßigen Untersuchungen der Wirbelsäule oder Oberkörpers im MRT unterziehen müssen, sind von der Therapie mit einem Zungenschrittmacher ausgeschlossen. Zwar ist die neue Generation von Schrittmachern teilweise MRT-tauglich, das beschränkt sich aber nur auf den Kopf und die Gliedmaßen.

Krankenkassen setzen zuerst auf Etabliertes

Die Kosten von 25.000 Euro für einen Schrittmacher schreckt viele Krankenkassen ab. Noch immer müssen Krankenhäuser und Patienten für jeden Einzelfall aufwendig begründen, warum die Behandlung zum Beispiel mit der etablierten CPAP-Maske nicht zum Erfolg führt.

Es sei denn, die Krankenhäuser haben bei ihren Budget-Verhandlungen mit den Kassen eine sogenannte NUB ("Neue Untersuchungs- und Behandlingsmethode") mit vereinbart. Das heißt, für innovative und neue Therapien kann über das NUB-Verfahren eine gesonderte Vergütung erzielt werden. Das Ziel des NUB-Verfahrens ist es, für teure und innovative Therapien, die noch nicht über das G-DRG-System (das pauschalisierende Vergütungssystem für stationäre Krankenhausleistungen) finanziert sind, eine Vergütung zu erreichen. Diese Information bekommen die Betroffenen aber vom entsprechenden Krankenhaus, in dem ihnen der Zungenschrittmacher implantiert werden soll, mitgeteilt.

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