Das Aus der SIM-Karte

Besser vernetzt mit der eSIM

Verbraucher | Volle Kanne - Das Aus der SIM-Karte

2016 wird das Ende der SIM-Karte eingeläutet: Künftig soll die SIM-Karte in den Geräten eingebaut sein und bei Vertragswechsel mit neuen Daten bestückt werden. Computerexperte Marko Bagić informiert.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.02.2017, 09:29

Smartphone-Hersteller und Netzbetreiber sind sich einig: 2016 soll in Deutschland die eSIM auf den Weg gebracht werden. Statt die Karte beim Vertragswechsel umständlich aus dem Handy zu fummeln, wird die eingebaute eSIM einfach mit neuen Daten bestückt. Wie das funktionieren soll, erklärt Computerexperte Marko Bagić.

Im Smartphone funktioniert nichts ohne die SIM-Karte. Es ist nur ein Stück Plastik, doch das Herumstochern beim Entnehmen treibt viele Smartphone-Nutzer in den Wahnsinn. Bisher jedenfalls: Denn die klassische SIM-Karte hat bald ausgedient. Jetzt soll die sogenannte eSIM („embedded SIM“) auf den Markt kommen. Dieser Chip ist fest im Gerät verbaut. Die eSIM kann von außen programmiert werden und macht einen Anbieterwechsel leichter. Zudem soll die eSIM die große Anzahl mobiler Geräte besser vernetzen können.

Noch in diesem Jahr ist die Markteinführung der eSim geplant. Dabei werden aber nicht alle im Umlauf befindlichen SIM-Karten automatisch ungültig. Der Übergang wird noch einige Jahre dauern, in denen beide Varianten nebeneinander bestehen. Glaubt man den Schätzungen der Telekom, ist in etwa zehn Jahren endgültig Schluss mit der klassischen SIM-Karte.

Vertragswechsel leicht gemacht

Während auf der herkömmlichen SIM-Karte alle wichtigen Informationen des Providers und der betreffenden Telefonnummer gespeichert sind, lassen sich diese Informationen auf der eSIM nach Belieben ändern. „Während ich in der Vergangenheit den Weg zum Shop des Mobilfunk-Anbieters gehen musste, um mir eine SIM-Karte zu kaufen, kann ich jetzt bei der eSIM im Menü des Smartphones auswählen, mit welchem Provider ich einen Vertrag eingehen möchte – ohne die SIM-Karte zu wechseln“, erklärt Bagić das Verfahren.

SIM-Karte
Lästiges Ein- und Ausbauen der SIM-Karte entfällt durch die eSIM. Quelle: imago

Zudem könne man seine Telefonnummer unkompliziert auf mehreren Geräten nutzen. So können beispielsweise das Tablet und die Smartwatch auch auf das mobile Internet zugreifen. Das eignet sich vor allem bei Tarifen mit hohem Datenvolumen. Bislang benötigt man dafür separate SIM-Karten. Ein weiterer Vorteil: Die Telefonnummer kann problemlos von einem zum anderen Vertrag portiert werden.

Neues Smartphone per Fingerabdruck

Schon heute gibt es in vielen Mobilgeräten Fingerabdruck-Scanner, Stimmerkennungen oder Kameras für biometrische Bilderkennung. So ist es vorstellbar, zukünftig per App und den genannten Funktionen einen neuen Mobilfunk-Provider zu laden und einen Vertrag samt neuem Smartphone vom Sofa aus abzuschließen. „Wie der Wechsel in Zukunft aussieht, hängt von den Regularien der GSMA, der Industrievereinigung der Mobilfunkanbieter, ab. Dieser Standardisierungsprozess ist noch nicht abgeschlossen, technisch umsetzbar sind allerdings viele Szenarien“, weiß Marko Bagić.

Betrug bei Software-SIM möglich

Natürlich bleiben bei technischen Veränderungen auch negative Folgen nicht aus: „Schnell mal die SIM-Karte in ein anderes Smartphone stecken, um bei ausgefallenem Akku trotzdem telefonieren zu können, fällt in Zukunft weg“, gibt Marko Bagić zu bedenken. Auch mögliche Sicherheitsprobleme und Betrugsszenarien seien mit einer reinen Software-SIM denkbar. „Um wirklich konkrete Gefahren zu benennen, ist es allerdings noch deutlich zu früh“, sagt Experte Bagić. Bislang sei zur genauen technischen Umsetzung der eSIM praktisch nichts bekannt.

Problematisch könnte die neue Technologie auch für Netzbetreiber sein, wenn beispielsweise eine Liste verschiedener Anbieter vorinstalliert wäre, aus der der Kunde seinen Vertrag aussucht. „Die Macht läge dann eher beim Hersteller und nicht mehr beim Anbieter, da dieser entscheidet, welche Angebote überhaupt angezeigt werden“, resümiert Bagić. Er gehe davon aus, dass im Zuge der eSIM viele kleine Anbieter verschwinden werden: Bei Einführung eines neuen Top-Smartphones werde nach dem ersten Einschalten mit hoher Wahrscheinlichkeit ein großer Provider angezeigt und der kleine Anbieter werde im Menü kaum auffindbar sein.

eSIM für Smartphone nur Nebeneffekt

SIM-Karten sind für Provider ein Minusgeschäft. Optimal sei ein Kunde, der zu Hause einen Vertrag abschließt, zahlt und nie die Hotline bemüht – alles Faktoren, die für den Provider kostenintensiv sind. „Mit der eSIM käme man diesem Szenario schon einen Schritt näher. Integriert man die SIM-Karte fest in das Gerät, kann sich der Kunde zu Hause und ohne Kundenberater für einen Vertrag entscheiden“, erklärt Bagić.

Die Mobiltelefone sind übrigens nicht der Grund für die Entwicklung der eSIM. „Dass die SIM-Karte auch in Smartphones und Tablets wegfällt, ist eher ein Nebeneffekt“, weiß Computerexperte Marko Bagić. Vielmehr gehe es um die Vernetzung internetfähiger Geräte und Technologien. Von der Smartwatch, über die Küchengeräte bis zur Ampelschaltung: Gerade für die Geräte im Außeneinsatz ist ein Wechsel der SIM-Karte extrem aufwendig und kaum umsetzbar. Aus diesen Gründen wird ein Wechsel auf eine Software-Lösung überhaupt angestrebt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet