Auszeit vom Job

Raus aus dem Arbeitsalltag

Verbraucher | Volle Kanne - Auszeit vom Job

Reisen, sich weiterbilden oder sozial engagieren: Viele Arbeitnehmer sehnen sich nach einer längeren Auszeit vom Joballtag. Sabbatical-Beraterin Daniela Scholl gibt Tipps.

Beitragslänge:
9 min
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Video verfügbar bis 11.04.2017, 14:00

Die meisten Menschen kennen das: Man steht in der Mitte des Lebens, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus und eigentlich könnte man tolle Dinge unternehmen, doch der Job spannt einen so ein, dass man einfach keine Zeit hat. Da kann der Gedanke an eine Auszeit durchaus aufkommen. Aber wie lässt sich das realisieren? Wir geben Tipps, worauf Sie achten müssen.

Ein Sabbatjahr – also eine Auszeit vom Job – dauert in der Regel drei bis 12 Monate. Das lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen umsetzen. Man sollte sich über die Rahmenbedingungen im Klaren sein und sich auf das Gespräch mit dem Chef gut vorbereiten. Expertin Daniela Scholl rät, ungefähr die Dauer der Auszeit für die Vorbereitung zu veranschlagen. Wer also für ein Jahr raus aus dem Job will, sollte schon ein Jahr vor der Auszeit mit den Planungen beginnen.

Möglichkeiten der Finanzierung

Es gibt verschiedene Modelle, die Auszeit finanziell zu gestalten. In einigen Unternehmen existieren sogenannte Arbeitszeitkonten. Die dort angesammelten Überstunden oder Urlaubstage werden als Freizeit im Sabbatjahr ausgezahlt.

Eine weitere Möglichkeit, die manche Firmen anbieten, ist das Gehaltssplitting. Wer eine Auszeit plant, kann für eine bestimmte Zeit im Voraus auf einen Teil seines Gehalts verzichten. Mit diesem eingesparten Anteil finanziert der Mitarbeiter seinen Ausstieg auf Zeit.

Dann gibt es auch noch die Möglichkeit, unbezahlten Urlaub zu nehmen – das muss man sich finanziell natürlich leisten können.

"Man kann sich das auch finanzieren, indem man vor Ort arbeitet, beispielsweise im Stile eines 'Work and Travel'-Aufenthaltes, oder gegen Arbeit irgendwo günstig wohnt", rät Scholl.

Kein gesetzlicher Anspruch

Einen einklagbaren Anspruch auf ein Sabbatjahr haben Arbeitnehmer in Deutschland nicht. In einigen großen Unternehmen ist die Möglichkeit einer Auszeit mit Arbeitsplatzgarantie jedoch inzwischen in den Betriebsvereinbarungen vorgesehen. Doch auch dann kann der Chef immer noch Nein sagen, wenn die betrieblichen Erfordernisse dagegen sprechen.

Neben dem größeren Erfahrungsschatz ist die gesteigerte Zufriedenheit und Motivation, die aus einer solchen Auszeit resultiert, mit Sicherheit das schlagkräftigste Argument, das man gegenüber seinem Chef anbringen kann.

Versicherung während der Auszeit

Nutzt der Mitarbeiter das Gehaltssplitting oder Arbeitszeitkonten für sein Sabbatjahr, bleibt er über das Unternehmen versichert. Nimmt er dagegen unbezahlten Urlaub, muss er sich selbst um seine Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern. Allerdings fallen die Beiträge für freiwillig Versicherte oft niedriger aus, wenn in der freien Zeit keine Einkünfte erzielt werden. Wer ins Ausland reist, ist als Privatversicherter in der Regel ausreichend geschützt. Kassenmitglieder dagegen sollten zuvor den Versicherungsumfang genau klären und ihren Schutz gegebenenfalls durch eine Auslandsreise-Krankenpolice ergänzen.

Bestimmte Kosten wie Miete, Telefon usw. laufen auch während der Abwesenheit weiter. Hier ließe sich eventuell einsparen, indem man die Wohnung untervermietet – sofern der Vermieter das zulässt –, Versicherungen ruhen lässt, die man nicht unbedingt braucht oder das Telefon stilllegt.

Die Rückkehr

Ebenfalls eingeplant werden sollte die Zeit, um wieder im Alltag anzukommen. Was die berufliche Seite angeht: Über spezielle Verträge können die Parteien vor Antritt des Sabbatjahres genau regeln, unter welchen Konditionen die Arbeit nach der Unterbrechung wieder aufgenommen wird. Wichtig ist dabei, einen Anspruch auf den alten Arbeitsplatz zu vereinbaren. Möglich ist darüber hinaus die Regelung eines Kündigungsverzichts während der Abwesenheit. Und wer seine Auszeit über sein Arbeitszeitkonto finanziert, sollte zudem auf eine Insolvenzsicherung des Kontos bestehen.

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