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Kaum Azubis im Handwerk mehr - was nun?

Einschätzungen von Markus Bredenbröcker, Kreishandwerkerschaft Essen

Handwerker sind gefragt, die Betriebe brummen. Ob Fliesen legen, ein verstopftes Abflussrohr reparieren oder ein neues Dach montieren – fast jeder benötigt irgendwann einmal Hilfe von einem Handwerker. Problem: Die Berufe will kaum mehr jemand lernen.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.03.2020

Markus Bredenbröcker ist Ausbildungsbeauftragter der Kreishandwerkerschaft Essen und beobachtet den größer werdenden Azubi-Mangel schon länger. Genauer gesagt seit 2012. „Da hat das angefangen. In den letzten fünf bis sechs Jahren hat es einen krassen Einbruch gegeben.“ Zwar habe sich die Lage durch den Zuzug von Flüchtlingen leicht stabilisiert – doch Zahlen der Agentur für Arbeit zeigen: Sind im Erfassungszeitraum 2004/2005 bundesweit noch 740.000 Bewerber auf 470.000 Ausbildungsstellen gekommen, so waren es im Jahr 2017/2018 nur rund 530.000 Bewerber auf 560.000 Stellen.

Studium ist für viele junge Leute das Nonplusultra

Gut gehe es den sogenannten SHK-Berufen, also Sanitär, Heizung und Klima sowie dem Gesundheitsgewerbe, erklärt Bredenbröcker. Problembranchen seien der Lebensmittelbereich, also etwa Fleischer, Bäcker oder Konditoren, und das Bauwesen.

Das habe viele verschiedene Gründe. „In den letzten zehn Jahren hat sich die ganze Sache verschärft, weil immer mehr Schüler aufs Gymnasium oder mindestens auf die Realschule gehen“, so Markus Bredenbröcker. Sie besuchten dann lieber Berufskollegs oder Fachhochschulen, statt eine Ausbildung zu beginnen. Aber auch die Einstellung der Jugendlichen und ihrer Eltern sei ein Problem. „Wir verlieren viele Jugendliche, weil sie studieren wollen. Das kommt auch aus den Elternhäusern, dass die etwas Besseres für ihre Kinder möchten. Studium ist heute das Nonplusultra.“ Und das, obwohl man etwa in der Baubranche im ersten Ausbildungsjahr schon 1200 Euro verdienen könne. „Aber es ist halt körperliche Arbeit.“

Experte empfiehlt Jugendlichen Praktika

Die Ausbildungsbetriebe müssen sich also etwas einfallen lassen, um den Azubi-Mangel im Handwerk zu stoppen. Speed-Datings zwischen Betrieb und Bewerber sowie Praktika seien gute Möglichkeiten, auf die Berufe und die Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Wie Markus Bredenbröcker von der Kreishandwerkerschaft Essen weiß, brächen 30 Prozent aller Studierenden ihr Studium ab. Genau diese Gruppe müsse man erreichen und für einen Ausbildungsberuf begeistern.

Jugendlichen rät der Experte, einfach mal ein Praktikum in einem Betrieb zu machen. Auch wenn die theoretischen Anforderungen gestiegen seien und eine relativ hohe Eigenständigkeit gefordert werden – eine Handwerkerausbildung sei eine Investition in die Zukunft. „Handwerk hat wieder goldenen Boden.“

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