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Barrierefreier Garten

Hände bei der Gartenarbeit

Auch Gartenarbeit lässt sich barrierefrei gestalten. Unser Gartenexperte Elmar Mai hat Tipps für die Gestaltung und Pflege.

02.08.2018
02.08.2018
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Ein barrierefreier Garten ist eigentlich für alle ein Gewinn, wenn man ihn mit dem entsprechenden Bewusstsein gestaltet und nutzt. Gartenexperte Elmar Mai hat Tipps für die Gestaltung und Pflege.

Garten für Menschen im Rollstuhl

Hochbeet
Quelle: imago/Lindenthaler

Hochbeete bringen das „Objekt der Begierde“ auf Augenhöhe. So haben körperlich eingeschränkte Menschen einen sehr viel leichteren Zugang zu den Pflanzen. Dazu müssen die Beete für Rollstuhlfahrer unterfahrbar sein. Bei der Breite der Beete ist die Reichweite der Arme entscheidend, sie müssen also entsprechend schmal sein. Außerdem sollten sie für ein frontales Arbeiten, also ohne Verdrehung des Körpers, geeignet sein. Die Arbeitshöhe muss der Körperhaltung angepasst werden, also eine entspannte Armhaltung ermöglichen.

Hochbeete, sind nicht universell für alle Pflanzen geeignet. Gerade unterfahrbare Beete haben wenig Erdvolumen und sollten am besten für mediterrane Kräuter oder Steingarten - und Präriepflanzen genutzt werden. In jedem Fall muss man die Bewässerung im Auge behalten, je weniger Erdvolumen, desto sorgfältiger muss diese gewährleistet sein.

Gartenbepflanzung

Höhere Gehölze wie beispielsweise Obststräucher, Zwergobstbäume oder Ziergehölze sind stehend oder sitzend gut zu erreichen. Die Auswahl von Sorten mit schwankenden Wuchshöhen hängt von der Art der Behinderung ab. Bei Obststräuchern sollte man durchaus über Hochstämmchen nachdenken, sonst sind sie bei der Ernte oft schlecht erreichbar.

Generell gilt: Die Bepflanzung sollte in jedem Fall pflegeleicht sein. Alle Pflanzen, die Ausläufer treiben, zum Wuchern neigen oder ungehemmt groß werden, sollte man vermeiden. Von den meisten Stauden und Gehölzen gibt es oft ausgewählte Arten oder Sorten, die kleinbleibend, schwach wachsend und damit leichter zu pflegen sind.

Gartengeräte

Bei der Wahl geeigneter Gartengeräte spielen Ergonomie, geringes Gewicht, Stielverlängerungen und geringerer Kraftaufwand eine große Rolle. So können ein Unkrautkratzer, der an einem langen Stiel befestigt ist, oder eine Gartenschere mit extra langen Griffen und einer Festhaltevorrichtung für das Schnittgut auch bequem vom Rollstuhl aus bedient werden.

Bei der Unterbringung der Gartengeräte sind klare Strukturen ganz wichtig: Jede Tätigkeit im Garten sollte bewusst und nach einem sicheren System ausgeführt werden. Nach Abschluss der Gartenarbeit sollten alle Geräte wieder an einem festgelegten Platz verstaut werden. Ordnungssysteme sollten außerdem immer leicht erreichbar sein.

Garten für Sehbehinderte und Menschen mit Wahrnehmungsstörungen

Lavendelpflanze
Quelle: imago/Eibner

Für Menschen, die in ihrer Sehfähigkeit zwar eingeschränkt sind, aber zumindest noch grob Dinge erkennen können, sind große Blüten und helle Farben eine geeignete Wahl. Dabei sollten alle Sinne sollten angesprochen werden. Mediterrane Gewürzkräuter wie Thymian, Bohnenkraut oder Lavendel laden dazu ein, die Welt der Düfte zu erforschen. Außerdem eignen sich Duftstauden oder – gehölze, ein Klassiker sind die Duftrosen. Pflanzen mit interessanten Geschmäckern reizen im wahrsten Sinn des Wortes zum Reinbeißen.
Geeignet sind sogenannte Spaßkräuter wie Kaugummipflanze oder Lakritztagetes. Dabei aber unbedingt darauf achten, dass sich nicht etwa eine extrem scharfe Peperoni dazwischen mogelt. Dafür sind alle Beerenfrüchte willkommen und erlaubt: also Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren oder Johannisbeeren. Bei Brombeeren oder Stachelbeeren sollte man allerdings auf die Verletzungsgefahr achten, von beiden gibt es unbewehrte Sorten.

Die Pflanzen sollten eine große Strukturenvielfalt bieten: Also pflanzt man idealerweise zum Beispiel Pflanzen mit gröberer Blattstruktur neben Pflanzen mit flauschigen Blättern (Wolliger Ziest), stark skulpturierte Strukturen (Dickblatt-Gewächse) neben glatte, geschmeidige Formen oder Nadelblätter (Zwergkoniferen, Heidekraut) neben Pflanzen mit glatten Blattstruktur. Interessant sind auch Rosen ohne Dornen oder Bäume mit einer ertastbaren Rindenstruktur.

Barrieren und Verletzungsgefahr

Klare, logisch begreifbare Strukturen und ausreichend Platz helfen grundsätzlich bei der Orientierung im Garten. Blinden wird die Orientierung durch kleine Marken erleichtert, die aber so angelegt sein sollten, dass man nicht darüber stolpern kann. So helfen mit Kantensteinen eingefasste Beete, den Weg zu erkennen. Hindernisse in Kopfhöhe unbedingt vermeiden.

Licht und Wasser

Licht ist im Garten eine wichtige Hilfe zur Orientierung, solange man nicht vollständig erblindet ist. Die Beleuchtungskörper sollten immer blendfrei angebracht werden und besonders bei stärkerer Sehbehinderung nicht zu viel Kontrast aufweisen. Hier ist weniger oft mehr! Es können Lichtschranken, Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhren zum Einsatz kommen.

Wasser im Garten ist für alle eine Bereicherung. Brunnen oder erhöhte Wasserspiele bieten die Möglichkeit, sich abzukühlen. Wasser lockt aber auch Tiere an. So kann ein Teich mit einem plätschernden Wasserfall oder mit quakenden Fröschen ein besonderes Erlebnis sein oder auch das Geräusch von schwirrenden Libellen Glücksgefühle erzeugen. Natürlich besteht Sicherungspflicht: Ein bodenebener Teich bietet die Gefahr des Ertrinkens.

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