Weniger Lust auf Urlaub

BAT-Tourismusanalyse bescheinigt sinkende Reiselust

Verbraucher | Volle Kanne - Weniger Lust auf Urlaub

Terror- und Zukunftsängste lassen die Reiselust der Deutschen schrumpfen. Das ist das Ergebnis der aktuellen BAT-Tourismusanalyse. Tourismus-Experte Timo Förster ordnet die Ergebnisse ein.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.02.2017, 10:09

Die Deutschen gelten gemeinhin als Reiseweltmeister. Die Realität wird diesem Image offenbar immer weniger gerecht: Erstmals seit 2010 ist die Reiselust der Deutschen gesunken. Dies ergab eine repräsentative Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag der Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. Die Verunsicherung nach zahlreichen Terroranschlägen und schlechte Wirtschaftsprognosen werden als Gründe angeführt.

Offenbar wollen immer weniger Deutsche verreisen: 21 Prozent der Befragten gaben an, in diesem Jahr keine mindestens fünftägige Urlaubsreise zu planen. Im vergangenen Jahr waren es nur 19 Prozent. Offenbar haben die Unsicherheit und die Angst vor Terroranschlägen die Tourismusindustrie erreicht. Viele Bundesbürger stellen der Umfrage zufolge die Sicherheit am Urlaubsort infrage. Zudem zeigten zahlreiche Untersuchungsergebnisse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, dass die Zukunftsangst innerhalb der deutschen Bevölkerung grundsätzlich zunehme. So gaben aktuell 55 Prozent der Deutschen an, eher angstvoll in die Zukunft zu blicken. Insofern verwundere es nicht, dass erstmals seit der Finanzkrise die Reiseintensität der Deutschen rückläufig sei, so ein Fazit.

Aus der Tourismusanalyse, die zum Auftakt der Hamburger Reisemesse vorgestellt wurde, geht außerdem hervor, dass 42 Prozent der Befragten Urlaubspläne haben, 37 Prozent noch unentschlossen sind. Fast ein Viertel (24 Prozent) der Befragten mit festen Plänen will die schönste Zeit des Jahres im Inland verbringen, 38 Prozent planen eine Reise in ein europäisches Land, neun Prozent eine Fernreise. 29 Prozent hatten sich im Befragungszeitraum (Dezember 2015/Januar 2016) noch nicht entschieden. Für die Studie wurde ein repräsentativer Querschnitt der deutschen Bevölkerung – über 4000 Personen ab 14 Jahren – in persönlichen Interviews zum eigenen Reiseverhalten befragt.

Deutschland beliebtestes Reiseziel

Warum in die Ferne schweifen? Deutschland blieb auch 2015 mit Abstand das beliebteste Reiseziel der Deutschen. Allerdings ging der Anteil jener Reisender, die ihren Haupturlaub in Deutschland verbrachten, im Vergleich zum Vorjahr zurück. Einigen Bundesbürgern sei das wechselhafte Wetter im Sommer offenbar Grund genug gewesen, um auf sonnensichere Urlaubsziele auszuweichen, so die Begründung. Andere nutzten die geringen Benzin- und Kerosinkosten, um ins Ausland zu verreisen, während wieder andere deutsche Ziele eher für den Zweit- als für den Haupturlaub auswählten.

Sonne, Strand und Meer bleiben der Umfrage zufolge von zentraler Bedeutung für das Urlaubsglück. 2015 konnte sich bei den Auslandsreisezielen Spanien auf dem vordersten Platz behaupten und legte im Vergleich zum Jahr 2005 sogar noch zu (+ 3,6 Prozentpunkte); auf den Plätzen zwei und drei folgen Italien und die Türkei. Krisen – wie in der Vergangenheit in Griechenland oder aktuell in der Türkei – führten zwar zu einer kurzfristigen Verschiebung der Reiseströme, die grundsätzliche Beliebtheit und Attraktivität eines Urlaubsziels aber bleibe bestehen, so eine Schlussfolgerung der Umfrage. Gerade im Vergleich zu Fernreisen behielten die Urlaubsdestinationen von der Atlantikküste bis an den Bosporus und vom Mittelmeer bis zu den Schären ihre Popularität, vor allem weil sie durch eine kürzere Anreise, viele Stammgäste und eine vergleichbar hohe Urlaubsqualität punkteten.

Längere Reisedauer

International betrachtet war 2015 ein erfolgreiches Jahr für die Tourismusbranche. Laut Welttourismusorganisation waren 16 Prozent der Weltbevölkerung auf Reisen – und damit mehr als jemals zuvor. Auch Deutschland konnte sich über einen Zuwachs an internationalen Besuchern freuen, was die abnehmende eigene Reiseintensität mehr als kompensierte.

Ein Lichtblick im Reiseverhalten der Deutschen: Die Talsohle bei der Reisedauer scheint durchschritten – sie ist erstmals angestiegen. Dafür sind der Umfrage zufolge zwei Gründe hauptverantwortlich: Einerseits wirkten sich die überdurchschnittlich hohe Anzahl von Auslandsreisen auf die Reisedauer aus, denn mit der Reiseentfernung stieg gleichzeitig auch die Anzahl der Übernachtungen vor Ort. Zweitens scheinen viele Bundesbürger die besten Wochen des Jahres nicht noch weiter verkürzen zu wollen. Lieber sparen sie bei der Anreise oder der Unterkunft und schränken sich bei den Ausgaben im Urlaub ein. Weiterhin Bestand hatte in der vergangenen Reisesaison die Gleichung: Je weiter weg, desto länger der Aufenthalt – aber auch desto seltener wurde verreist.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet