Flug gebucht, direkt gezahlt

Bei Buchung darf kompletter Flugpreis verlangt werden

Verbraucher | Volle Kanne - Flug gebucht, direkt gezahlt

Der Bundesgerichtshof hat bestätigt, dass Airlines von ihren Kunden verlangen dürfen, einen gebuchten Flug sofort und vollständig zu bezahlen, unabhängig von der Höhe des Preises und des Flugtermins.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.02.2017, 09:39

Fluggesellschaften dürfen verlangen, dass Kunden einen gebuchten Flug sofort und vollständig bezahlen – unabhängig von der Höhe des Preises und dem zeitlichen Abstand der Buchung zum Flugtermin. Dies hat der Bundesgerichtshof am Dienstag entschieden und damit Klagen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen abgewiesen. Für die Kunden bedeutet dies: Alles bleibt beim Alten. Reiserechtsexperte Kay P. Rodegra erklärt die Details.

Der Blick ins Internet und ein Vergleich der Angebotspreise sind gängiges Prozedere bei so gut wie jedem, der verreisen will: Flüge werden heutzutage bevorzugt im Internet gebucht, schließlich überschlagen sich gerade hier die verschiedenen Vergleichsportale sowie die Fluggesellschaften selbst mit Niedrigpreis-Angeboten. Vor allem Frühbucher werden mit Schnäppchen gelockt. Da kann es durchaus vorkommen, dass der Zeitpunkt der Buchung und der Reisetermin weit auseinander liegen.

Keine großen Nachteile

Üblich ist, dass der volle Flugpreis direkt bei der Buchung fällig wird. Dies war der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ein Dorn im Auge, weshalb sie gegen die Fluggesellschaften Lufthansa und Condor sowie das Buchungsportal von TUIfly klagte. Das Argument: Das Insolvenzrisiko werde auf den Kunden abgewälzt. Gehe nämlich die Fluggesellschaft zwischen Buchungs- und Reisetermin pleite, gebe es mit Sicherheit kein Geld zurück. Zudem verliere der Kunde das Druckmittel, Geld zurückzubehalten, sollte die Fluggesellschaft versprochene Leistungen nicht erbringen. Hinzu komme, dass dem Kunden durch die sofortige Fälligkeit des gesamten Betrags ein Zinsnachteil entstehe, so die Verbraucherschützer.

Der Bundesgerichtshof (BGH) wies die Klage mit der Begründung zurück, dass die vollständige Zahlung bei Buchung weltweit üblich sei und zudem den Standards des internationalen Luftfahrtverbandes IATA entspreche. Die Nachteile für die Kunden seien nicht von derart großem Gewicht, dass eine abweichende Praxis verlangt werden könne. Zudem seien Flüge bei einer frühen Buchung meist erheblich preiswerter als bei kurzfristiger Buchung. Hinzu komme, dass Passagiere Anspruch auf Entschädigung haben, wenn sich ihr Flug stark verspäte oder ganz ausfalle, so die Richter. Sie betonten, dass das Risiko einer Insolvenz bei Fluggesellschaften durch die staatliche Aufsicht deutlich verringert sei. Die BGH-Rechtsprechung zu Reiseverträgen sei daher nicht übertragbar.

Andere Regelungen bei Reiseverträgen

Bei Reiseverträgen, etwa bei Buchung einer Pauschalreise, seien die Regelungen verbraucherfreundlicher, so Kay P. Rodegra, Anwalt für Reiserecht. „Will der Reiseveranstalter eine Anzahlung haben, muss er das mit dem Kunden vereinbaren und darf nicht zu viel fordern.“ Sei der Reisebeginn länger als 30 Tage hin, dürfe der Veranstalter bei der Buchung in der Regel nur 20 Prozent des Reisepreises verlangen. Frühestens 30 Tage vor dem Reisetermin dürfe er dann den Restreisepreis verlangen, müsse aber auch die Reisepapiere (etwa einen Hotelvoucher) übergeben, so Rodegra.

Meldet ein Reiseveranstalter Insolvenz an, ist der Kunde geschützt, denn der Reiseveranstalter muss gegen den Fall einer Insolvenz abgesichert sein. „Dafür muss er einen Nachweis erbringen und dem Kunden einen sogenannten Sicherungsschein übergeben. „Im Insolvenzfall erstattet die Insolvenzversicherung den Reisepreis“, sagt Rodegra. Solange der Kunde vor der Reise den Sicherungsschein nicht in der Hand halte, müsse er keinen Cent an den Reiseveranstalter bezahlen, auch keine Anzahlung, ergänzt er. Bei einer Fluggesellschaft ist die Regelung unvorteilhafter für den Kunden: „Geht die Airline pleite, muss man versuchen, sein Geld vom Insolvenzverwalter wieder zu bekommen. Das ist aber eher fraglich“, so der Reiserechtsexperte.

Alles bleibt beim Alten

Die beklagten Unternehmen begrüßten die Entscheidung der Richter. Eine Bezahlung Zug um Zug sei in der Luftfahrt nicht üblich, weil die Kosten für Flugzeuge, Treibstoff, Personal oder Start- und Landerechte frühzeitig entstünden. Für Kunden bleibt demnach alles beim Alten: Ist in den allgemeinen Geschäftsbedingungen verankert, dass der volle Flugpreis bei der Buchung fällig wird, muss dieser auch sofort bezahlt werden. „Das ist meistens so, da die Regeln zur Vorauskasse in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Airline stehen und man sie als Verbraucher in der Regel, gerade bei Internetbuchungen, anerkennt. Ohne den entsprechenden Klick ist eine Buchung gar nicht möglich“, sagt Kay P. Rodegra.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft sieht in der vom BGH jetzt bestätigten Praxis sogar einen Vorteil für Verbraucher, weil die Unternehmen somit Planungssicherheit für effizientes Arbeiten hätten. Die dadurch erreichten hohen Auslastungen wirkten sich positiv für die Fluggesellschaften aus, Kunden könnten wiederum von Frühbucherrabatten profitieren.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet