AGB lesen und Fristen beachten

Rund um die Kündigung von Fitnessstudioverträgen

Verbraucher | Volle Kanne - AGB lesen und Fristen beachten

Der Bundesgerichtshof hat geurteilt: Ein bloßer Wohnsitzwechsel rechtfertigt nicht die außerordentliche Kündigung eines Fitnessstudiovertrags. Verbraucherschützer Jürgen Schröder erklärt die Details.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.05.2017, 14:00

Die Fitnessbranche boomt: Millionen Deutsche trainieren in Fitnessstudios. Doch nicht überall kommt der Kunde auf seine Kosten: zu voll, zu dreckig, zu lange Verträge – so lauten die häufigsten Beschwerden. Um Ärger von vorneherein zu vermeiden, sollte man die Vertragsbedingungen genau prüfen.

Mehr als die Hälfte der Neueinsteiger bricht innerhalb der ersten sechs Monate das Training ab. Wer dann vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen möchte, hat schlechte Karten. „Die Verträge müssen eingehalten werden, eine ordentliche Kündigung während der Vertragszeit ist nicht möglich“, erklärt Jürgen Schröder von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Unter bestimmten Bedingungen hat der Kunde aber ein Recht auf eine außerordentliche Kündigung. „Diese ist zum Beispiel möglich, wenn es dem Vertragspartner unter Abwägung aller Umstände nicht zugemutet werden kann, an dem Vertrag festzuhalten, etwa bei dauerhaften Erkrankungen.“ Allerdings dürfe das Studio in diesen Fällen ein ärztliches Attest (aber kein amtsärztliches!) als Nachweis verlangen, sagt Schröder und ergänzt: „Der Arzt braucht nur die dauerhafte Sportunfähigkeit als solche zu attestieren – über die konkrete Erkrankung muss er keine Angaben machen.“ Waren die Beschwerden aber schon vor Unterzeichnung des Vertrags bekannt, liege kein wichtiger Grund vor – es sei denn, der Gesundheitszustand habe sich wesentlich verschlimmert, führt der Experte aus.

Aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs

Kann man den Vertrag mit einem Fitnessstudio außerordentlich kündigen, wenn man aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt umziehen muss? Der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte, dass ein bloßer Wohnsitzwechsel im Gegensatz zu einer ernsten Krankheit keine außerordentliche Kündigung rechtfertige (Urteil vom 04.05.2016; Az. XII ZR 62/15).

Im konkreten Fall ging es um einen Zeitsoldaten, der berufsbedingt umziehen musste und deswegen kurzerhand seinen langfristigen Fitnessstudiovertrag kündigte. Das Studio verklagte den Mann auf Zahlung der fälligen Gebühren von insgesamt rund 720 Euro. Die Klage war vor dem Amtsgericht erfolglos, das Landgericht Hannover gab der Klage hingegen statt. Dagegen wandte sich der Beklagte mit der Revision an den BGH. Angesichts von knapp zehn Millionen Fitnessverträgen in Deutschland wollten der Marine-Soldat und sein Anwalt diese Frage grundsätzlich geklärt wissen. Wegen der jüngsten Entscheidung des BGHs empfiehlt Schröder, mit dem Fitnessstudio vor Vertragsabschluss ein Kündigungsrecht wegen Umzugs zu vereinbaren. Außerdem rät er davon ab, Verträge abzuschließen, deren Laufzeit länger als ein Jahr ist.

Kündigung und Laufzeit

Eine Kündigung sollte grundsätzlich per Einschreiben mit Rückschein geschickt werden. Am besten lässt man sich den Empfang auf einem Exemplar des Schreibens quittieren. „Eine Kündigung aus wichtigem Grund ist grundsätzlich nicht an eine Frist gebunden“, sagt der Experte. Die Fristen für eine ordentliche Kündigung solle man dem jeweiligen Vertrag entnehmen – üblich seien Zeiträume zwischen 14 Tagen und drei Monaten. Wird in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Kündigung per Einschreiben verlangt oder werden die gesetzlichen Kündigungsfristen nicht beachtet, ist die Klausel ungültig. Das Fitnessstudio darf keine Kündigungsgebühr verlangen.

Ein Workout-Kurs im Fitnessstudio
Überlegen Sie vorher, worauf es Ihnen ankommt. Brauchen Sie Fitnesskurse?

Die meisten Fitnessstudioverträge werden zunächst für eine bestimmte Grundlaufzeit abgeschlossen. Einem Urteil des BGH zufolge wird eine Grundlaufzeit von 24 Monaten grundsätzlich als zulässig angesehen (Urteil vom 08.02.2012; Az. XII ZR 42/10). Wird die Kündigungsfrist versäumt, verlängert sich der Vertrag meist automatisch. Auch hierzu gab es schon ein BGH-Urteil: Demnach ist eine Verlängerung um sechs Monate bei einem Monatsbeitrag von 50 Euro zulässig (Urteil vom 04.12.1996; Az. XII ZR 193/95).

Um ihre Kunden zu binden, bieten die meisten Studios Verträge mit längeren Laufzeiten an. Bei Verträgen mit einer Laufzeit von 24 Monaten ist der monatliche Beitrag oft niedriger als bei Einjahresverträgen. „Je länger die Laufzeit des Vertrages ist, desto genauer sollte man prüfen, ob sich das auch wirklich lohnt“, rät Schröder. Vor Vertragsabschluss sollte man die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gründlich durchlesen. „Der Kunde sollte darauf bestehen, dass gegebenenfalls zusätzliche mündliche Vereinbarungen in dem Vertrag schriftlich fixiert werden“, so der Experte.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet