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Biomarker-Test wird Kassenleistung

Braucht eine Brustkrebspatientin nach der Operation eine Chemotherapie? Die Antwort darauf liefert ein sogenannter Biomarker-Test. Bisher mussten Patientinnen die Kosten für einen solchen Test selbst zahlen. Ab sofort ist ein bestimmter Test Kassenleist...

Beitragslänge:
15 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.09.2020

Brustkrebs ist weltweit die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 70.000 Frauen neu daran. Fast drei von zehn betroffenen Frauen sind jünger als 55 Jahre, wenn sie die Diagnose erhalten.
Je früher Brustkrebs erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Was ist ein Biomarker-Test?

In vielen Fällen ist eine Chemotherapie ein wichtiges Mittel im Kampf gegen den Brustkrebs. Studien zeigen aber, dass nicht alle Frauen gleichermaßen von einer Chemotherapie profitieren. Sie setzen sich womöglich unnötig einer schweren Belastung mit erheblichen Nebenwirkungen aus.

Biomarkerbasierte Tests, auch Genexpressionstests genannt, können bei Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium helfen, das Rückfallrisiko besser einzuschätzen. Und sie sollen zeigen, ob eine Patientin zusätzlich zu einer Antihormonbehandlung auch eine Chemotherapie braucht oder nicht. Bislang mussten Brustkrebspatientinnen solche Tests selbst zahlen. Jetzt aber werden die Kosten für einen dieser Tests, den Oncotype DX, von den Krankenkassen übernommen.

Nutzen und Risiken der Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie werden der Brustkrebspatientin sogenannte Zytostatika verabreicht. Dabei handelt es sich um Zellgifte, die das Wachstum der Krebszellen hemmen sollen.

Rückfallrisiko oft im mittleren Bereich

Wird Brustkrebs in einem frühem Stadium entdeckt, kann der Tumor meist operativ vollständig entfernt werden. In der Regel wird dabei versucht, brustherhaltend zu operieren. Dennoch ist es möglich, dass der Krebs wieder zurückkehrt. Die Höhe des Rückfallrisikos ist ausschlaggebend für die weitere Behandlung. Deshalb wird bei jeder Brustkrebspatientin das Rückfallrisiko nach einer Operation routinemäßig bestimmt. Dafür werden verschiedene „klinische“ Kriterien wie Alter der Frau, Tumorgröße, Tumorzellvermehrung (Ki67-Wert), Aggressivität des Tumors, Anzahl der befallenen Lymphknoten, sowie die Hormonempfindlichkeit und der Wachstumsfaktor des Tumors ausgewertet. Ärzte können dann abschätzen, ob eine Frau ein niedriges, mittleres oder hohes Rückfallrisiko hat.

Ist das ermittelte Rückfallrisiko niedrig, können Ärzte von einer Chemotherapie abraten, ist es hoch, empfehlen sie eine Chemotherapie, um die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall zu senken. Häufiger liegt das Rückfallrisiko von Brustkrebspatientinnen jedoch in einem mittleren Risikobereich. Hier fällt Medizinern die Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie allein anhand der klinischen Kriterien deutlich schwerer.

Biomarker-Test hilft bei Vermeidung unnötiger Chemotherapien

Biomarker- oder Genexpressionstests können helfen, das Rückfallrisiko besser einzuschätzen. Und sie können zeigen, ob eine Patientin eine Chemotherapie braucht oder nicht. Die Tests untersuchen die Aktivität bestimmter Gene in den Krebszellen. Sie werden anhand einer kleinen Gewebeprobe des Tumors, das während einer Biopsie oder der Operation entnommen wurde, durchgeführt.

„Wir wussten schon immer, dass nicht alle von einer Chemotherapie profitieren. Wir haben also so ein statistisches Restrisiko behandelt und dann war es natürlich sehr wichtig, dieses Restrisiko möglichst genau zu definieren. Das machen viele der neuen genomischen Tests sehr gut reproduzierbar und sehr präzise. Und dann ist man im nächsten Schritt dazu übergegangen zu sagen, 'wenn ich diesen Test jetzt einsetze, wie viele Leute brauchen dann tatsächlich noch Chemo und bei wie vielen kann ich es weglassen, ohne dass sie ein Sicherheitsrisiko haben'.“
Prof. Dr. Ulrike Nitz, Brustkrebsspezilistin
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Nutzen des Oncotype DX in Studie nachgewiesen

Verschiedene dieser Tests sind in Deutschland schon seit Jahren auf dem Markt. Einige von ihnen wie MammaPrint, EndoPredict, Prosigna und Oncotype DX wurden bzw. werden im Rahmen von Studien untersucht. Kritiker zweifelten dennoch an ihrem Nutzen. Es fehlte ihnen bislang an qualitativ hochwertigen Studienergebnissen.

Eine große, aktuelle Studie (TAILORx) aus den USA konnte diese Zweifel 2018 zumindest für einen der verfügbaren Tests ausräumen. Der Oncotype DX bestimmt die Aktivität von 21 Genen im Tumorgewebe. Das Ergebnis liefert einen Wert zwischen Null und 100.

Als sicher gilt: Frauen mit einem Wert über 25 brauchen eine Chemotherapie, Frauen mit einem Wert unter 10 dagegen nicht. Die meisten Betroffenen fallen aber in einen Bereich zwischen diese beiden Werte. Hier lieferte die Studie gesicherte Erkenntnisse, dass auch diese Frauen keine Chemotherapie brauchen.

Das ist eigentlich die interessanteste Gruppe, weil es so viele Frauen betrifft. In Deutschland würde man sagen, das sind etwa 20.000 bis 25.000 Frauen, die jährlich in diese Gruppe fallen würden. Und da ist randomisiert worden, d.h. der Zufall hat entschieden, ob eine Chemo durchgeführt wurde oder nicht. Die 10-Jahres-Daten zeigen, dass die Patienten, die Chemo bekommen haben und jene, die keine Chemotherapie bekommen haben, eine identische Überlebensrate haben.“
Prof. Ulrike Nitz, Brustzentrum Niederrhein

Test wird Kassenleistung bei bestimmten Brustkrebsformen

Im Juni 2019 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entschieden, dass der Oncotype DX Test in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wird. Frauen mit einer bestimmten Form von Brustkrebs bekommen den Test also künftig von der Krankenkasse bezahlt. Voraussetzung ist, dass der Tumor empfindlich für Hormone wie Östrogen oder Progesteron ist und keine Andockstellen für Wachstumsfaktoren aufweist. Der Test ist seit 2009 in Deutschland erhältlich. Die Kosten, die bislang privat getragen werden mussten, belaufen sich auf etwa 3000 Euro.

Für die anderen Biomarker-Tests gilt weiterhin: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten standardmäßig nicht. Es gibt aber Ausnahmen. Betroffene sollten bei ihrer Krankenkasse nachfragen, ob sie die Kosten für einen bestimmten Test übernimmt. Die Tests sind unterschiedlich teuer. Die Kosten können bis zu 3500 Euro betragen.

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