Bluttest statt Gewebeprobe

„Liquid Biopsy“ findet Gene des Tumors im Blut

Verbraucher | Volle Kanne - Bluttest statt Gewebeprobe

Isabel Hillbrandt kämpft gegen Darmkrebs. Ihre Ärzte setzen dabei auf neueste Strategien, unter anderem einen Bluttest, der schmerzhafte Biopsien erspart und eine präzise Chemotherapie ermöglicht.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.02.2017, 09:30

Mehr Augenmerk auf die Vorbeugung, eine immer präziser werdende Diagnostik, maßgeschneiderte Behandlungsstrategien und Therapieentscheidungen, die gemeinsam mit den Patienten getroffen werden: All das soll künftig den erfolgreichen Kampf gegen den Krebs ausmachen. Zumindest, wenn man zum Deutschen Krebskongress blickt, der in Berlin unter dem Motto „Krebsmedizin heute: präventiv, personalisiert, präzise und partizipativ“ stattfindet. Ein Thema dort ist die flüssige Biopsie.

Die Liquid Biopsy, flüssige Biopsie, ist ein Beispiel für die neue, individualisierte Krebsmedizin. Mit diesem einfach anmutenden Bluttest können selbst kleinste Spuren vom Genmaterial eines Tumors im Blut erkannt werden.

Die so gewonnenen Proben liefern den behandelnden Ärzten wertvolle Informationen zu den Eigenschaften des Tumorgewebes und helfen dabei, wichtige Fragen zu beantworten: Haben die Chirurgen einen Krebsherd wirklich vollständig entfernt? Schlagen Bestrahlung oder Medikamente an? Bildet der Krebs Resistenzen? Viele dieser Informationen ließen sich bislang nur durch eine Biopsie, eine Gewebeprobe des Tumors, beantworten, die man im Rahmen eines operativen Eingriffs gewonnen hatte.

Verbesserte Therapieplanung bei Darmkrebs

Am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum setzt man das Verfahren seit Dezember 2015 ein, um bei Patienten mit Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium die medikamentöse Behandlung zu optimieren. Über den neuen Bluttest wird der Mutationsstatus des so genannten RAS-Gens des Tumors bestimmt.

Dieses Gen spielt eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Wachstums der Krebszellen. Damit ist es ein Anknüpfungspunkt für zielgerichtete Medikamente, die sogenannten EGFR (Epidermal Growth Factor–Rezeptor)-Antikörper, die während der Chemotherapie verabreicht werden.

Frühe Hinweise bei laufender Therapie

Die Bestimmung des Mutationsstatus aus dem Blut wird in Bochum derzeit in klinischen Studien bei Patienten während der laufenden Therapie erprobt. Erste Ergebnisse zeigen, dass die RAS-Mutationen vor allem während der Behandlung mit sogenannten EGFR (Epidermal Growth Factor–Rezeptor)-Antikörpern neu auftreten können. Während der Behandlung kann das Tumorgewebe also seine Eigenschaften verändern und spricht dann auf die bislang verabreichten Medikamente nicht mehr an.

Durch den neuen Bluttest hoffen die Experten, künftig rechtzeitig einen Hinweis auf diese Veränderung zu bekommen, damit sie die Therapie an das veränderte Tumorprofil so schnell wie möglich anpassen können. Auf diese Weise könnten den Patienten dann Nebenwirkungen durch teure Medikamente, die ihre Wirksamkeit verloren haben, erspart bleiben.

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