Total erschöpft und ausgebrannt

Burnout-Syndrom über Jahre oft unerkannt

Verbraucher | Volle Kanne - Total erschöpft und ausgebrannt

Miriam Meckel war im wahren Leben betroffen - Marie Bäumer hat sich der Krankheit als Schauspielerin genähert: Dr. Christoph Specht über Burnout.

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15 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.04.2017, 14:00

Müde, lustlos und ohne Motivation - eine Situation, die viele kennen. Doch was ist, wenn der Zustand nicht mehr nachlässt, wenn der Körper immer schwächer wird? Das als Krankheit bekannte Burnout-Syndrom kann fast jeden treffen. Meist führt konstanter Stress in Kombination mit überzogenen Leistungserwartungen und dem Verlust der Fähigkeit sich zu erholen zu einem Burnout-Syndrom. Die meisten Betroffenen stehen kurz vor dem totalen körperlichen und seelischen Zusammenbruch.

Früher brachte man die negativen Folgen beruflicher Überbelastung mit einem Burnout in Verbindung. Heute aber weiß man, dass es sich um ein komplexes Beschwerdebild handelt, das jeden treffen kann. Als Auslöser werden unter anderem zahlreiche, individuelle Stress-Faktoren diskutiert. Dazu gehören zu hohe Erwartungen an sich selbst, Leistungsdruck, schlechtes Verhältnis zu Vorgesetzten, aber auch zwischenmenschliche Beziehungskonflikte. Zudem können eine lang anhaltende Arbeitsüberforderung, ein zu hohes Arbeitspensum, schlechte Arbeitsbedingungen und Zeitdruck ein Burnout begünstigen.

Die Folge ist eine geistige, emotionale und körperliche Erschöpfung. Häufig sind Menschen betroffen, die sich sehr engagieren, hoch motiviert und perfektionistisch sind. Die Betroffenen haben das Gefühl, dass sie den an sie herangetragenen Ansprüchen nicht mehr entsprechen können. Sie glauben zu versagen oder der Situation nicht mehr gewachsen zu sein.

Die Energie schwindet

Die Beschwerden sind höchst unterschiedlich. Dazu gehören plötzlicher Energieverlust, anhaltende Leistungsschwäche, chronische Müdigkeit und Konzentrationsstörungen sowie Angstzustände, Depressionen und Schlafprobleme. Auch körperliche, meist psychosomatisch bedingte Symptome wie Kopfschmerzen, Atemnot, Herz-Kreislauf-Probleme und Magen-Darm-Störungen können auftreten.

Experten teilen das Burnout-Syndrom in drei Phasen ein: Der Beginn ist von Überaktivität und Erschöpfung gekennzeichnet. Betroffene arbeiten oft rund um die Uhr. Es folgt ein tiefer Erschöpfungszustand. Die Betroffenen schaffen es nicht mehr, ausreichend zu regenerieren. In der letzten Phase geht die Leistung zurück. Durch die fehlende Produktivität bleiben Erfolge aus, das Selbstbewusstsein schwindet. Die Betroffenen ziehen sich zurück, melden sich dauerhaft krank oder kündigen.

Stadium bestimmt Therapie

Bei einem leichten Burnout helfen meist schon einfache Mittel wie das Schaffen eines Ausgleichs zum Berufsleben (durch Hobbys, soziale Kontakte und den Freundeskreis). Weitere Möglichkeiten sind Entspannungsübungen, regelmäßige körperliche Aktivität, ausreichend Schlaf, physikalische Behandlungsmaßnahmen und Urlaub ohne Freizeitstress.

Im fortgeschrittenen Stadium benötigen die Betroffenen professionelle Hilfe, oft verbunden mit einer Auszeit in einer spezialisierten Klinik. Dafür ist jedoch ein psychologisches Gutachten erforderlich, damit die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Mit Hilfe verhaltens- und psychotherapeutischer Ansätze lernen die Betroffenen, ihre übersteigerten Erwartungen an sich selbst und die damit verbundene Überforderung zu durchbrechen.

Zeit nehmen

Wichtig ist, dass sich eine solche Behandlung über einen längeren Zeitraum erstreckt. Diese Zeit ist nötig, um Stressquellen aufzudecken und erfolgreich dauerhafte Stressverarbeitungsstrategien zu entwickeln. Im Mittelpunkt der Therapie steht zudem die Frage nach den eigenen Grenzen. Das Formulieren realistischer Ziele, Zeitmanagement und positives Denken sind weitere Bestandteile der Therapie.

Ziel ist es, die eigenen Lebensgewohnheiten zu verändern, die Selbsteinschätzung zu korrigieren und den Umgang mit der als belastend empfundenen Situation zu erlernen. Dazu gehört auch die Überprüfung der Arbeit und des Arbeitsumfeldes. Die Arbeitsgestaltung muss unter Umständen an realisierbare Anforderungen angepasst werden.

Was bringen Stress-Präventionsseminare?

Mit Resilienz wird die psychische Widerstandskraft bezeichnet, die man Stress entgegensetzt. Resilienz kann angeboren oder im frühesten Kindesalter erlernt sein. Manche Menschen haben eine stärkere Widerstandskraft im Umgang mit Stresssituationen als andere, aber auch sie können diese bei Dauerstress einbüßen. Auch als Erwachsener kann man eine größere Gelassenheit im Umgang mit Stresssituationen lernen. Hier können Anti-Stress-Seminare helfen.

In vielen Seminaren wird man zu Anfang meist über einen Fragebogen gebeten, sich selbst einzuschätzen. Bereits hier erleben Gestresste einen Aha-Effekt. Im Zusammensein mit anderen Betroffenen finden Gestresste die Bestätigung, dass sie nicht alleine mit ihrem Problem sind. Es werden Stress-Vermeidungsstrategien vermittelt. Dazu gehört: nicht mehr ständig aufs Handy und in die E-Mails schauen, nicht mehr ständig erreichbar sein. Wichtig ist auch, die innere Einstellung zu ändern. Letzteres ist meist ein langfristiger Prozess. Deshalb gehen Anti-Stress-Seminare auch über mehrere Wochen und werden zum Großteil von den Kassen übernommen.

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