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Süchtig nach Computerspielen

Viele Menschen spielen zur Entspannung, doch der Umgang mit Computerspielen birgt auch Gefahren – vor allem, wenn Kinder und Jugendliche unbegrenzten Zugang zu Online- und Computerspielen haben.

Beitragslänge:
11 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.09.2020

Lange hat man gebraucht, um die Gefahren des Spielens am Computer zu erforschen. Heute weiß man, dass zu viel oder zu langes Computerspielen krank machen kann – und dass das Risiko, eine Computerspielsucht zu entwickeln, steigt, je früher man mit den Spielen in Kontakt kommt. Im Jahr 2018 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Computerspielabhängigkeit offiziell als Erkrankung anerkannt, das Krankheitsbild lautet „Internet Gaming Disorder“.

Neun Diagnosekriterien

Die Zeit, die ein Jugendlicher am Computer verbringt, sei für sich genommen kein echtes Kriterium, um zu beurteilen, wie hoch die Gefahr ist, eine Computerspielsucht zu entwickeln, sagt Dr. Frank Fischer, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Es gibt neun Diagnosekriterien der Internet-Gaming Disorder, also der Computerspielstörung“, ergänzt er. „Wenn fünf davon in einem Zeitraum von zwölf Monaten erfüllt sind, spricht man von einer Erkrankung.“

Dazu gehören zum Beispiel der Kontrollverlust über die Zeit und den Umfang des Spielens, wenn die Eltern bezüglich des Spielens oder Spielverhaltens belogen werden, wenn soziale Kontakte und Freundschaften außerhalb des Spiels zugunsten von Online-Kontakten vernachlässigt werden. Auch wenn die Schule geschwänzt oder die Ausbildung durch das Spielverhalten gefährdet wird, sollten Eltern aufhorchen. Zudem können sich Entzugserscheinungen wie innere Unruhe, Gereiztheit und Aggressivität einstellen.

Rolle der Eltern wichtig

Viele Kinder kompensieren mit exzessivem Computerspiel ein Defizit, etwa ein mangelndes Selbstwertgefühl. Manche Kinder sind sozial eher ängstlich oder haben eine depressive Neigung. „Über das Spielen wollen sie ihre Ängste und Sorgen vergessen“, beschreibt der Experte.

Bei der Bewältigung dieser Probleme komme den Eltern eine entscheidende Rolle zu. Frank Fischer: „Eltern dürfen es sich nicht leicht machen, indem sie etwa dem Konflikt aus dem Weg gehen.“ Man müsse die Eltern stark für die Aufgabe machen, gemeinsam mit ihrem Kind Wege aus der Sucht zu finden.

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