Crowdworking: Jobben mit Zukunft?

Arbeit aufteilen - den Lohn auch

Verbraucher | Volle Kanne - Crowdworking: Jobben mit Zukunft?

Kleine Jobs von zu Hause aus online erledigen: Das klingt praktisch und lukrativ. Arbeitsrechtler sehen sogenanntes Crowdworking allerdings kritsich. Jens Niehl erklärt warum.

Beitragslänge:
7 min
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Video verfügbar bis 18.10.2017, 09:05

Der Job ist kleiner als ein Minijob und ist für viele eine stete Quelle für Nebeneinkünfte geworden: Beim Crowdworking nimmt der Arbeiter Aufträge über das Internet an, die er sofort umsetzen kann. Online-Texte mit Schlagworten versehen, kleine Übersetzungen fertigen oder Fotos von bestimmten Gegenständen schießen – mit jeder einzelnen Tätigkeit verdient der Crowdworker Geld. Doch Gewerkschaften sehen das Prinzip kritisch: Es gefährde Arbeitsplätze, unterlaufe soziale Standards und mache Minijobber rechtlos.

Das Prinzip des Crowdworkings ist einfach: Die Auftraggeber – von Kleinbetrieben bis hin zu internationalen Großkonzernen – stückeln einen Job in mehrere Teile, von denen jeweils ein Arbeiter, Crowdworker genannt, einen Teil bearbeitet. „Crowd“ heißt auf Englisch „Masse“, „Menge“. Angeboten werden diese „Arbeits-Teilstücke“ auf Online-Portalen.

Die Angebotspalette reicht von eher anspruchslosen Tätigkeiten wie das Überprüfen der Plakatanbringung im öffentlichen Raum bis hin zu anspruchsvollen Jobs für Hochqualifizierte, etwa Unterstützung bei Produktdesign-Entwürfen oder bei der Entwicklung von Computerprogrammen.

Niedrigstlohn und schlechte Konditionen

Ein Vorteil des Crowdworkings, sowohl für die Unternehmen als auch für die Jobber, ist die dezentrale Organisation der Jobs: Sie können weltweit vergeben und überall in kurzer Zeit erledigt werden. Für die Unternehmen hat das den Vorteil, dass sie aus einem großen Pool an potenziellen Arbeitern schöpfen können. Oftmals ist es für sie sogar günstiger, einen Job an die Menge zu vergeben, als sich an wenige konkrete Spezialisten zu wenden.

Dies schlägt sich in der Regel allerdings auch auf den Verdienst der Crowdworker nieder: Oftmals arbeiten die Crowdworker zu schlechten Konditionen. Mindestlohn, Kündigungsschutz und Rentenbeiträge existieren oft nicht. „Nur wenn das Portal seinen Sitz in Deutschland hat, können die Nutzer auf ihre Rechte beharren“, sagt Jens Niehl, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Für hauptberufliche Crowdworker beträgt das monatliche Durchschnittseinkommen rund 1500 Euro, nebenberuflich Tätige verdienen damit im Schnitt circa 300 Euro.

Reguläre Jobs in Gefahr?

Auch auf den restlichen Arbeitsmarkt haben diese Beschäftigungsverhältnisse eine Auswirkung. So kann es künftig zu Streichungen von Arbeitsplätzen aus Budgetgründen kommen. Hinzu kommt, dass die Arbeiter in einem Feld internationaler Konkurrenz stehen – die billigere Arbeitskraft bekommt den Job. So haben etwa Arbeiter aus Europa oft das Nachsehen gegenüber Arbeitern aus asiatischen Ländern.

Gewerkschaften äußern sich ablehnend gegenüber diesen Beschäftigungsverhältnissen. Crowdworker haben überdies auch keine gewerkschaftliche Interessenvertretung. Zwar könnten durch das Crowdworking neue Dienste entstehen, allerdings bestünde die Gefahr, dass reguläre Arbeit zunehmend an günstige Crowdworker ausgelagert werde, so die Befürchtung der Gewerkschaften.

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