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DDS-Zwillinge bereichern einander

"Diskordante Down-Syndrom-Zwillinge" sind Zwillingspaare, bei denen ein Kind das Down-Syndrom hat, das andere nicht. Solche ungleichen Zwillingspaare können durchaus voneinenader profitieren, wie man an Rebecca und Dominic Tonlorenzi sehen kann.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.11.2020

Immer häufiger kommt es bei Zwillingspaaren vor, dass ein Zwilling das Down-Syndrom (Trisomie 21) hat und der andere nicht. Forscher nennen diese besonderen Zwillingspaare "Diskordante Down-Syndrom-Zwillinge", kurz: DDS-Zwillinge. Das Wort "diskordant" geht auf das lateinische "discordare" zurück und bedeutet "uneinig sein". Den Begriff nutzen Humangenetiker, um die Verschiedenheit von Zwillingen auf quantitativ oder qualitativ erfassbare Eigenschaften oder Merkmale zu benennen.

Systematische Untersuchung der Zwillingspaare

Forscher der Universität des Saarlandes haben im Jahr 2015 weltweit erstmals eine systematische Untersuchung dazu durchgeführt. Die Fragen: Was bedeutet diese besondere Konstellation für die Zwillinge, was für ihre Eltern? Behindern sich die Kinder gegenseitig in ihrer Entwicklung oder profitieren sie vielleicht sogar voneinander? Wie können zwei so ungleiche Zwillinge optimal gefördert werden? Bekommt das Kind mit Down-Syndrom mehr Aufmerksamkeit? Und wenn ja, ist das ungerecht? Und: Wie kommen die Eltern klar, sind sie überfordert oder ist es eine Bereicherung?

46 betroffene Familien in Deutschland wurden aus psychologischer, ethischer und medizinischer Sicht intensiv beobachtet und untersucht. Bei den Besuchen befragten Forscher Eltern und Kinder einzeln, spielten mit ihnen, machten einen Intelligenztest, untersuchten die soziale Entwicklung der Kinder und befragten die Eltern zu Verhaltensauffälligkeiten und zu ihrer Lebensqualität. Als Kontrollgruppe dienten 36 Zwillingspaare ohne Down-Syndrom, die die Projektmitarbeiter ebenfalls besuchten.

Beide Geschwister profitieren

DDS-Zwillinge gibt es - wie die in der Kontrollgruppe normaler Zwillinge - in allen Konstellationen: Jungenpaare, Mädchenpaare, aber auch gemischte Paare, bei denen entweder der Junge oder das Mädchen Down-Syndrom hat. Zahlreiche Eltern hatten vor der Studie in den Gesprächen die Sorge geäußert, dass der Zwilling ohne Down-Syndrom möglicherweise zu kurz komme und nicht sein volles intellektuelles Potenzial entwickele. Das sei unbegründet, so ein weiteres Ergebnis der Forscher: Die Zwillinge ohne Down-Syndrom unterscheiden sich weder in der kognitiven Begabung, noch in ihrem Verhalten von anderen Zwillingen ohne beeinträchtigtes Geschwisterkind.

Es gibt sogar Hinweise darauf, dass der Zwilling ohne Trisomie 21 im Sinne von Toleranz, Empathie und Rücksichtnahme von dem Geschwisterkind mit Down-Syndrom profitiert. Die Beziehung zwischen DDS-Zwillingen sei keine Einbahnstraße, hat die Studie zudem festgestellt. Beide Kinder profitieren voneinander. "Man könnte denken, dass das Normalo-Kind immer die Führungsrolle übernimmt. Aber wie bei anderen Zwillingen auch, gibt es oft eine Arbeitsteilung: Der eine ist der Innen-, der andere der Außenminister", sagt der Humangenetiker Wolfram Henn. "Kinder mit Down-Syndrom sind häufig sehr kontaktfreudig, sie gehen locker und lustig auf andere zu."

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