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Depressionen durch Langzeitarbeitslosigkeit

Verbraucher | Volle Kanne - Depressionen durch Langzeitarbeitslosigkeit

In Deutschland sind hunderttausende Menschen langzeitarbeitslos. Das größte Vermittlungshemmnis sind psychische Erkrankungen, so die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Ein Teufelskreis?

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.08.2019, 09:05

Etwa 900.000 Langzeitarbeitslose gibt es in Deutschland. Am schwersten wieder in die Arbeit zu finden, haben es die über 50-Jährigen. Oft sind es Selbstzweifel, die dann zu einer Depression führen können. In Leipzig gibt es ein Projekt, das Universität und Jobcenter gemeinsam durchführen: Dabei vermitteln Psychologen Betroffenen mit einer Depression eine für sie individuell geeignete Therapie. Von 1350 Menschen über 50 Jahre konnten etwa 30 Prozent wieder ins Berufsleben integriert werden. Aber warum werden Langzeitarbeitslose eigentlich depressiv und ab wann spricht man überhaupt von einer Depression?

Depression - eine Volkskrankheit

Die Depression gehört zu den am meisten unterschätzten Erkrankungen. Die Statistiken lassen auf eine ernstzunehmende Krankheit schließen. Denn jeder fünfte Bundesbürger erkrankt einmal im Leben an einer Depression. In Deutschland sind es pro Jahr 5,3 Millionen Menschen.

Jährlich geschehen ca. 150.000 Suizidversuche, von denen eine große Mehrheit auf behandlungsbedürftige Depressionen zurückzuführen sind. Nur die wenigsten Betroffenen erfahren eine optimale Behandlung.

Woran erkennt man eine Depression?

Klassische Hauptsymptome für eine Depression sind neben einer gedrückten Grundstimmung zusätzlich Antriebsstörungen, die Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen, auch Freude kann nicht mehr empfunden werden.

Zusatzsymptome können Konzentrationsstörungen, Minderwertigkeitsgefühle, Angst und Beklemmung sein, bis hin zu körperlichen Missempfindungen, Schlafstörungen und Appetitmangel. Viele Betroffene leiden zusätzlich noch an weiteren körperlichen Beschwerden wie Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen. Durch die unterschiedlichen Ausprägungen dieser zahlreichen Symptome wird eine Diagnose erschwert.

Treffen mindestens zwei der Hauptsymptome und mindestens zwei der Zusatzsymptome zu, und das über mehr als zwei Wochen hinaus, kann eine Depression vorliegen.

Warum trifft es Langzeitarbeitslose?

Die Entstehung einer Depression hat mehrere Ursachen. Es gibt neurobiologische sowie psychosoziale Aspekte. Neben körperlichen Gründen wie einem gestörten Gehirnstoffwechsel oder schlicht einer genetischen Veranlagung, können auch äußere Einflüsse, wie der Tod eines Familienmitglieds, chronische Überlastung oder auch der Verlust des Arbeitsplatzes eine Depression auslösen. Letzteres kann den Beginn eines Teufelskreises bedeuten. Mit einer psychischen Erkrankung findet es sich schwer zurück in den Job. Laut einer Studie der Uni Leipzig sind sogar zwei Drittel der Langzeitarbeitslosen psychisch erkrankt - die meisten werden jedoch nicht behandelt.

Mann geht ins Jobcenter
Der erneute Gang ins Jobcenter - für viele Langzeitarbeitslose eine belastende Situation.
Quelle: imago / Revierfoto

Die Regierung will Langzeitsarbeitslosen nun gezielt wieder eine Perspektive auf dem Markt eröffnen. Dabei spielen behandlungsbedürftige psychische Erkrankungen eine wichtige Rolle. Ein psychosoziales Coaching könne laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe dabei als Interventionskonzept dienen. Seit dem Jahr 2006 in verschiedenen Städten erprobt, werden bei diesem Konzept Psychologen eingesetzt, die Betroffenen in einer Lotsenfunktion den Weg zu einer regulären Behandlung ebnen sollen.

Psychosoziales Coaching - Bringt es Betroffene in den Job zurück?

Die Teilnahme an dem Projekt ist freiwillig. Betroffene treffen sich im Jobcenter mit einem Psychologen oder Arzt. Dieser prüft im Erstgespräch, ob eine psychische Erkrankung vorliegt und wenn ja, ob sie bereits richtig behandelt wird. Der Betroffene erhält Informationen über seine Krankheit sowie die nötige Unterstützung auf seinem Weg zu einer adäquaten Behandlung. Zusätzlich werden dem Betroffenen Gruppenprogramme angeboten, zum Beispiel zur Stressbewältigung oder ein Kommunikationstraining.

Die Studie der Uni Leipzig konnte nachweisen, dass über 30 Prozent der Teilnehmer am Psychosozialen Coaching im Anschluss daran wieder eine Arbeit aufgenommen haben. „Bei Menschen, die so lange arbeitslos waren, eine ausgezeichnete Vermittlungsrate“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Was allerdings noch fehle, sei eine bundesweite flächendeckende Finanzierung der Maßnahme.

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