Betreuung von Diabetes-Kindern

Umfeld muss über Krankheit Bescheid wissen

Verbraucher | Volle Kanne - Betreuung von Diabetes-Kindern

Kinder mit Diabetes Typ 1 müssen Insulin spritzen. Problematisch ist dabei die Betreuung. Wir haben eine Familie besucht, die ihren Kampf schon seit dreieinhalb Jahren kämpft.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.04.2017, 10:05

In Deutschland leben etwa 30.000 Kinder mit Diabetes Typ 1. Bei dieser Autoimmunerkrankung wird das körpereigene Hormon Insulin in der Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar nicht gebildet und muss gespritzt werden. Deshalb ist eine genaue Einweisung in den Umgang mit der Krankheit notwendig. Doch das stellt betroffene Familien in puncto Kinderbetreuung häufig vor ein Problem.

Erhält ein Kind die Diagnose Diabetes Typ 1, verändert dies den Lebensalltag und stellt sowohl die Patienten als auch ihre Angehörigen vor neue Herausforderungen. Da Insulin lebensnotwendig ist und den Blutzucker reguliert, brauchen solch chronisch kranke Patienten eine lebenslange Behandlung mit Insulin. Um nicht spritzen zu müssen, bekommen Kinder meist eine Insulinpumpe, die das Hormon ständig in kleinen Dosen an den Körper abgibt.

Die Krankheit ist nicht heilbar, und es ist nach wie vor nicht sicher geklärt, warum das Immunsystem Antikörper gegen die eigene Bauchspeicheldrüse bildet. Diabetes Typ 1 wird im Gegensatz zum Typ 2 nicht durch Ernährungsfehler ausgelöst. Als Ursachen stehen genetische Faktoren ebenso in Verdacht wie Umweltfaktoren sowie ein Vitamin-D-Mangel oder eine Kombination aus beidem. Bei etwa zehn Prozent der betroffenen Kinder leidet ein weiteres Familienmitglied an einem Diabetes Typ 1, weshalb es als vererbbar gilt.

Starker Durst und Heißhunger

Bei den ersten Krankheitsanzeichen eines Diabetes Typ 1 bei Kindern sind meist bereits mehr als 80 Prozent der Insulin produzierenden Betazellen zerstört. Daher können sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen entwickeln. Auffällig ist, dass betroffene Kinder plötzlich großen Durst entwickeln, mehrere Liter pro Tag trinken und ständig auf die Toilette müssen oder sich einnässen.
Auch ein Gewichtsverlust bei ständigem Heißhunger, starke Bauchschmerzen oder eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit können Anzeichen sein. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Atemluft nach Aceton – wie Nagellackentferner – riechen.

Untersuchung bei einem Diabetologen

Besteht bei einem Kind der Verdacht auf Diabetes, ist eine Untersuchung bei einem Facharzt für Kinderheilkunde oder einem Diabetologen notwendig. Neben Fragen zu möglichen Symptomen wird der Arzt das Kind untersuchen und eine Blutentnahme in nüchternem Zustand veranlassen. Dafür darf es mindestens acht Stunden nichts mehr gegessen und keine zuckerhaltigen Getränke zu sich genommen haben, damit der Nüchtern-Blutzuckerwert zuverlässig bestimmt werden kann.

Steht die Diagnose Diabetes Typ 1 im Raum, sollte die Blutzuckermessung durch eine weitere bestätigt werden, um Messfehler und Schwankungen auszuschließen. Daneben sind ein Antikörper-Suchtest sowie eine Urinuntersuchung auf Zucker sinnvoll.

Richtig mit der Krankheit umgehen

Bei einer Diabetes-Erkrankung müssen Eltern und Kinder speziell geschult werden, wie mit der Krankheit umzugehen ist. Sie müssen lernen, wie viel Insulin der Körper zu welcher Tageszeit benötigt, wie viele Kohlenhydrate verschiedene Lebensmittel enthalten und wie sich Essen und Bewegung auf den Insulinbedarf auswirken. Denn davon hängt ab, wann und wie viel Insulin gespritzt werden muss. Dosis und Zeitpunkt sind entscheidend, um lebensgefährliche Unterzuckerungen beziehungsweise zu hohe Blutzuckerspiegel zu verhindern.

Bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen kann heutzutage eine Insulinpumpe eingesetzt werden, die sich flexibel und schnell ansteuern lässt. Sie wird per Katheter mit dem Unterhautfettgewebe verbunden und kann in einem Bauchgurt getragen werden, so dass sie von außen kaum sichtbar ist.

Das Umfeld schulen

Um bei den ersten Anzeichen einer Unterzuckerung richtig reagieren zu können, müssen auch Betreuer in Kita, Kindergarten und Schule genau über den Diabetes und den Umgang damit Bescheid wissen. Das nötige Wissen dafür bekommt man in einer Diabetes-Schulung. Dort lernt man unter anderem, wie ein Diabetes-Tagebuch geführt wird, das den Verlauf der Krankheit abbildet. Diabetes-Teams beraten Eltern und Kindergärten sowie Schulen vor Ort, um Ängste zu nehmen und praktische Tipps zu geben. In ganz Deutschland gibt es Kinderkliniken mit kinderdiabetologischem Schwerpunkt oder Schwerpunktpraxen, die zum Teil auch Ansprechpartner für den Bereich Kita und Schule sind.

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