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Diabetes und Depression

Experten gehen davon aus, dass jeder zehnte Diabetiker eine schwere Depression entwickelt. Vor allem für junge Menschen ist es schwer, die Probleme, die mit einer Diabetes einhergehen, zusammen mit den Problemen des Erwachsenwerdens zu bewältigen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.11.2020

Zwischen der chronischen Erkrankung Diabetes mellitus (laienhaft "Zuckerkrankheit") und Depressionen besteht nachweislich ein enger Zusammenhang. Bekannt ist, dass etwa ein Viertel aller von Diabetes betroffenen Menschen über depressive Verstimmungen klagen. Häufig handelt es sich jedoch nicht nur um ein vorübergehendes Stimmungstief, sondern um eine manifeste Depression, die behandlungsbedürftig ist.
Experten gehen davon aus, dass jeder zehnte Diabetiker sogar eine schwere Depression entwickelt. Betroffen sind vor allem auch junge Menschen, die mit der gleichzeitigen Anforderung des Erwachsenwerdens und der Krankheitsbewältigung eines Diabetes überfordert sind.

Was ist Diabetes mellitus?

Grundsätzlich bildet der Begriff "Diabetes" den Oberbegriff für Krankheitsbilder, bei denen die Aufnahme von Zucker (Glukose, Traubenzucker) in die Zellen nicht richtig funktioniert. Der Grund für diese Störung ist der Botenstoff Insulin, der normalerweise in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Das Insulin sorgt dafür, dass die Leber-, Fett-, und Muskelzellen Glukosemoleküle aufnehmen können. Sobald der Zuckerspiegel im Blut steigt – beispielsweise nach dem Verzehr süßer Speisen – signalisiert das Insulin den Zellen, dass sie Zucker aufnehmen müssen. Auf diese Weise erhält der Körper Energie und der Blutzuckerspiegel im Blut bleibt konstant.

Bei Diabetikern wird entweder zu wenig oder kein Insulin gebildet, oder es ist aufgrund bestimmter körperlicher Faktoren wirkungslos. Die Folge eines unbehandelten Diabetes ist ein zu hoher Blutzuckerspiegel, was unter anderem die Gefäße nachhaltig schädigt.

 Therapie erfordert Eigeninitiative

Eine Diabetes-Behandlung erfordert vom Patienten viel Disziplin und Eigeninitiative. Zuckerwerte im Blut müssen zu jeder Mahlzeit überprüft und ggf. Insulingaben entsprechend dosiert werden, um Zuckerentgleisungen im Blut (Über- und Unterzuckerungen) zu verhindern. Das bedeutet, dass Menschen mit Diabetes ihren Alltag der Krankheit anpassen müssen. Oder die Betroffenen müssen regelmäßig Medikamente nehmen oder einen Diätplan einhalten.

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Videolänge:
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Wechselwirkung zwischen Diabetes und Depressionen

Viele Diabetiker empfinden es als Belastung, dass der Diabetes den Tagesablauf bestimmt. Das Gefühl, den Anforderungen einer Diabetesbehandlung nicht ausreichend gerecht zu werden, kann zu depressiven Verstimmungen und sogar zu einer schweren Depression führen. Untersuchungen zeigen, dass die Depressionsneigung nach der Diagnose Diabetes und nach schweren Unterzuckerungen eklatant ansteigt - vor allem auch dann, wenn bereits akute Folgeerkrankungen auftreten. Allerdings ist nicht jede depressive Verstimmung gleich eine schwergradige Depression.

Typische Symptome einer Depression wie Antriebslosigkeit, Müdigkeit, verminderter Appetit oder sexuelle Unlust können auch die Folge eines schlecht eingestellten Blutzuckers sein. Um herauszufinden, worum es sich letztlich handelt, sollte bei anhaltenden psychischen Beschwerden in jedem Fall medizinische Hilfe aufgesucht werden.
Umgekehrt verdoppelt aber laut Statistiken auch eine anhaltende Depression das Risiko, Diabetes zu bekommen. So bilden depressive Menschen oft mehr von den Stresshormonen Adrenalin und Kortisol sowie entzündungsfördernde Botenstoffe, was wiederum den Glukosetransport beeinträchtigt.

Außerdem neigen depressive Menschen vermehrt zu Übergewicht infolge ungesunder Ernährung, mangelnder Bewegung oder Rauchen – alles Risikofaktoren für Diabetes. Hinzu kommt, dass Menschen mit bereits bestehendem Diabetes und einer Depression oft ihre Diabetestherapie vernachlässigen, was das Risiko für Folgeerscheinungen des zu hohen Blutzuckerspiegels erhöht (Gefäßschäden an Arterien, Augen, Nieren). Es kommt also zu einem gefährlichen Teufelskreis, wobei Diabetes die Depression verstärkt und umgekehrt.

Diagnose

Ärzte betonen, dass eine Depression bei Menschen mit Diabetes unbedingt ebenso konsequent therapiert werden sollte wie der Diabetes. Der erste Schritt ist es, zu erkennen, ob es sich um einen depressiven Gemütszustand oder eine richtige Depression handelt. Das kann am besten ein Psychiater, ein Psychologe oder ein Mediziner mit psychotherapeutischer Qualifikation im Gespräch oder durch Tests herausfinden.

Wer vorab einen Kurztest machen will, sollte sich folgende Fragen stellen: Leiden Sie mehr als zwei Wochen unter: Gedrückter Stimmung? Müdigkeit und/oder innerer Unruhe? Fehlendem Interesse an sonst als schön empfundenen Ereignissen? Konzentrationsproblemen? Fehlendem Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl? Schuldgefühlen und Selbstkritik? Schlafstörungen? Reduziertem Appetit? Zukunftsängsten? Verzweiflung und Todesgedanken? Bei mehreren positiven Antworten sollten Betroffene ärztliche Hilfe suchen.

Therapie

Ist eine Depression erkannt worden, gibt es etliche Behandlungsoptionen. Sehr effektiv ist eine Kombination von Gesprächstherapie mit Verhaltenstherapie (Ziel: Die Krankheit und den Umgang damit akzeptieren zu lernen) auf der Grundlage einer psychologisch fundierten Psychotherapie. Oft ist ein erster Schritt, sich klar zu machen, dass weder der Diabetes noch die Depression mit persönlichem Versagen zu tun hat.

Um Angstzustände zu lindern, kann die Gabe von Medikamenten sinnvoll sein. Da manche Antidepressiva Gewichtszunahme und Unterzuckerungen verursachen, wird der Arzt die Medikation sowohl auf den Diabetes als auch die Depression abstimmen und beispielsweise die von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft empfohlenen Antidepressiva vom Typ der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) verordnen.

Als große Erleichterung empfinden Betroffene auch moderne Blutzuckermessgeräte, mit deren Hilfe die Messung und Insulingaben über einen dauerhaft angebrachten Sensor erfolgen. 

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