Diagnose Demenz: Was nun?

Informationen für Betroffene und Angehörige

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Weltweit leiden Millionen von Menschen an Alzheimer – mit steigender Tendenz. Erkenntnisse einer medizinischen Studie machen jedoch Hoffnung auf eine neue Therapie.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
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Video verfügbar bis 01.09.2017, 19:00

Die Brille oder den Namen von Menschen zu vergessen, kann jedem passieren - doch Demenz geht weit über die übliche Vergesslichkeit hinaus. Diese Krankheit führt dazu, dass die Betroffenen alltägliche Abläufe nicht mehr koordinieren oder logische Zusammenhänge nicht mehr erkennen können. Es treten Orientierungsschwierigkeiten auf, oft verändert sich auch die Persönlichkeit. Wie können Betroffene und Angehörige eine Demenzerkrankung frühzeitig erkennen?

Die Demenz zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen im Alter. Demenz ist der medizinische Oberbegriff für einen fortschreitenden Abbauprozess im Gehirn. Diesem Prozess können viele Ursachen zugrunde liegen, wobei die Alzheimer-Krankheit die häufigste ist.

Wer den dringenden Verdacht hegt, selbst dement zu sein oder deutliche Anzeichen bei einem Angehörigen entdeckt, sollte zunächst den Hausarzt konsultieren. Für eine sichere Diagnose ist anschließend der Spezialist gefragt. Dafür sollte entweder ein Neurologe oder eine Gedächtnissprechstunde in einer Fachklinik aufgesucht werden.

Mit "Uhrentest" zur Diagnose

Die Untersuchung beginnt mit einem ausführlichen Gespräch mit dem Betroffenen und dessen Angehörigen. Anschließend nimmt der Arzt Blut ab und untersucht den Patienten neurologisch. Zentraler Bestandteil ist in der Regel der so genannte "Uhrentest", bei dem eine vorgegebene Uhrzeit mit großem und kleinem Zeiger gezeichnet werden muss. Dazu kommen Tests, die das Kurzzeitgedächtnis überprüfen. Mithilfe von bildgebenden Verfahren wie Computer oder Kernspintomographie kann der Arzt Schrumpfungen bestimmter Hirnbereiche erkennen. Ein EKG überprüft die Herzfunktion.

Die Ärzte müssen ausschließen, dass hinter dem auffälligen Verlust an Geisteskraft und der wachsenden Unfähigkeit, den Alltag zu bewältigen, andere Krankheiten als eine Demenz stecken. Dazu zählen Parkinson, Schlaganfall oder Hirntumor. Möglicherweise sind aber auch Medikamente, Alkohol, Drogen oder eine Depression für den Gedächtnisverlust verantwortlich. Der Demenzforscher David Prvulovic von der Uniklinik in Frankfurt gibt Antworten, woran man eine Demenzerkrankung erkennt und wo Angehörige Hilfe bekommen.

Impfung gegen Alzheimer denkbar

Die heute verfügbaren Medikamente können die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf verzögern. Antidementiva können den geistigen Verfall verlangsamen. Weltweit laufen momentan über 120 Arzneimittelstudien - Hoffnung auf schnelle Lösungen gibt es aber nicht.

Mindestens zehn Jahre dauert es bis zur Zulassung neuer Medikamente. Ein großer Hoffnungsträger ist die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Alzheimer. Weitere Ansätze sind klassische Pharmawirkstoffe, Stammzellen oder auch Gentherapie. Das ehrgeizige Ziel der Forscher ist es, Demenzen nicht nur aufzuhalten, sondern bereits vorhandene Schäden zu reparieren oder einzugreifen, bevor krankhafte Prozesse im Gehirn entstehen.

Bewegung hilft

Viele Therapien beschäftigen sich mit den auftretenden Defiziten in den frühen Phasen einer Demenz. Die Forschung und Erprobung neuer präventiver Behandlungsansätze läuft auf Hochtouren – so auch am Forschungszentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DNZE) in Magdeburg.

Dort haben Ärzte herausgefunden, dass durch ein kombiniertes Gedächtnis- und Bewegungstraining auf einem Laufband im Gehirn wieder neue Nervenzellen wachsen können. Das heißt also: körperliche und geistige Betätigungen verlangsamen den Verlauf einer Demenz.

Auch Betreuer im Fokus

Mehr als zwei Drittel der Betroffenen werden zu Hause von ihren Angehörigen meist rund um die Uhr versorgt. Viele von ihnen sind mit der Pflege überfordert und werden selbst krank. Die meisten Pflegenden zählen zur Sandwich-Generation, die sowohl Kindererziehung wie auch die Pflege der Alten bewältigen muss.

In Deutschland haben sich Gesundheitspolitiker lange auf das so genannte "Töchterpflegepotenzial" verlassen. 80 Prozent der Pflegenden sind weiblich. Mehr Verständnis und Lebensqualität für Betroffene und deren Angehörige ist ein erklärtes Ziel aller Interessensvertreter und Politiker. Die "Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz" ist bundesweit eine wichtige Anlaufstelle. Der Verein ist in allen Regionen Deutschlands vertreten.

Mit anderen austauschen

Neben Selbsthilfegruppen bietet das Internet zahlreiche Foren, in denen sich Angehörige austauschen und Rat holen können. Verhaltenstherapien sind ebenfalls ein Angebot, die Probleme, die bei der Pflege auftauchen, zu bewältigen.

Juristen raten dazu, Fragen wie die nach der Vorsorgevollmacht, Haftpflicht, Patientenverfügung und dem Testament frühzeitig zu klären. Spätestens, wenn ein Demenzkranker geschäftsunfähig wird, muss eine juristische Vertretung für ihn bestimmt werden.

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