Diagnose gebrochenes Herz

Stresshormone führen zu verengten Gefäßen

Verbraucher | Volle Kanne - Diagnose gebrochenes Herz

"Du hast mein Herz gebrochen!" - was viele Verlassene zu ihren Ex-Partnern sagen, kann aus medizinischer Sicht einen ernsten Hintergrund haben: Denn das "Broken Heart Syndrom" gibt es wirklich.

Beitragslänge:
5 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.01.2017, 14:00

Aus dem Volksmund kennt man die Redewendung "ein gebrochenes Herz haben". Tatsächlich ist das medizinisch möglich. Ursache ist eine vermehrte Ausschüttung von bestimmten Hormonen, die die Form der linken Herzkammer verändern. Mit Medikamenten und einem langfristigen Therapieplan kann den Betroffenen geholfen werden.

In der Medizin ist das Broken-Heart-Syndrom eine Erkrankung, die erstmals in den 90er-Jahren als eigene Krankheit beschrieben wurde. Die Symptome gleichen denen eines Herzinfarktes: plötzlich beginnende heftige Brustschmerzen und Atemnot. Bis zu zwei Prozent aller Herzinfarktverdachtsfälle leiden aber nicht unter einem verstopften Herzkranzgefäß – sondern am Broken-Heart-Syndrom.

Große Verwechslungsgefahr

Zunächst weisen alle Anzeichen auf einen echten Infarkt hin: Sogar im Elektrokardiogramm kann die Erkrankung wie ein Herzinfarkt aussehen. Das EKG zeigt die dafür typischen Infarktzacken an. Im ersten Augenblick ist das Broken-Heart-Syndrom daher auch für Kardiologen kaum von einem richtigen Herzinfarkt zu unterscheiden. Erst über eine Herzkatheteruntersuchung wird der Unterschied zum Infarkt deutlich. Die Herzkranzgefäße erweisen sich als frei von Verstopfungen und werden weiterhin durchblutet – weder eine Verengung der Gefäße noch ein Verschluss liegen vor.

Junge Frau wird auf Belastungs-EKG vorbereitet
Junge Frau wird auf Belastungs-EKG vorbereitet. Quelle: imago

Stattdessen zeigen sich andere Auffälligkeiten: Die linke Herzkammer zeigt eine Verformung, die Herzspitze ist aufgebläht und bauchig erweitert, der Ausflusstrakt in die Hauptschlagader dagegen stark verengt. Das Herz ist so nicht mehr in der Lage, genügend Blut durch die Schlagadern in den Körper zu pumpen. Dieses Erscheinungsbild erinnerte japanische Ärzte, die die Erkrankung Anfang der 90er-Jahre zuerst beobachteten, an eine Tintenfischfalle – japanisch Tako Tsubo. Daher hat die Erkrankung auch den Namen Tako-Tsubo-Kardiomyopathie erhalten.

Herz im Stress

Bei der Tako-Tsubo-Kardiomyopathie findet eine Überlandung von Stresshormonen statt. Diese Stresshormone sind ungünstig für das Bewegungsverhalten des Herzens. Aus diesem Grund wird den Patienten nach einem solchen Ereignis empfohlen, einen sogenannten Beta-Blocker einzunehmen.

Der Gehalt an Stresshormonen im Blut bei diesem Ereignis ist ungefähr drei bis sechs Mal höher als bei einem Herzinfarkt. Während der Beta-Blocker beim Herzinfarkt begleitend gegeben wird, kann bei der Tako-Tsubo-Kardiomyopathie darauf keinesfalls verzichtet werden. Der Beta-Blocker schützt das Herz vor den Stresshormonen. Experten raten den Betroffenen außerdem zu körperlicher Bewegung, da Sport den Stress-Level insgesamt abbauen kann. Außerdem empfehlen Kardiologen Betroffenen, sich in psycho-therapeutische Behandlung zu begeben. Dort sollen Mechanismen entwickelt und erlernt werden, die den Stress-Level abbauen.

Warum bricht das Herz?

Die Ursachen für das Broken-Heart-Syndrom sind noch nicht genau bekannt. Unklar ist auch, warum bei manchen Frauen das Ereignis auftritt, bei anderen wiederum nicht. Eines ist jedoch sicher: Es hängt immer damit zusammen, wie gut man mit Stress umgehen kann.

Durch Untersuchungen an menschlichen Herzmuskeln wissen Experten, dass bereits nach einem halben Jahr die durch die Krankheit ausgelösten Veränderungen größtenteils komplett verschwunden sind. Das ist ein Phänomen, welches dem Einfluss der Stresshormone zugeschrieben wird. Da diese sich innerhalb dieser Phase abbauen, und dann die Erholungsprozesse am Herzen selbst stattfinden können. Trotzdem: Ein negativer Einfluss der Stresshormone verbleibt. Bei einigen Patienten konnte ein Wiederauftreten der Krankheit innerhalb von vier Jahren beobachtet werden.

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