Die Krebskriegerin

Susanna bekam mit 28 Jahren die Diagnose unheilbarer Darmkrebs. Sie begann eine Immuntherapie und ihr Zustand ist heute mit 32 Jahren stabil. Als Bloggerin macht sie junge Leute auf die Krankheit aufmerksam.

Videolänge:
9 min
Datum:
03.02.2021
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.02.2022

Darmkrebs zählt zu den Krebsformen, die sehr viele Menschen betreffen. In Deutschland gibt es jährlich mehr als 60.000 Neuerkrankungen, wobei Darmkrebs bei Frauen die zweithäufigste und bei Männern die dritthäufigste Krebsart darstellt. Dabei ist Darmkrebs unter anderem eine Folge des westlichen Lebensstils mit einer zu fettreichen, ballaststoffarmen und fleischlastigen Ernährung in Verbindung mit zu wenig Bewegung, Übergewicht, Alkohol und Nikotin.

Symptome

Darmkrebs entwickelt sich in der Regel schleichend und wird daher oft zu spät bemerkt. Erst wenn der bösartige Tumor bereits eine gewisse Größe erreicht und im schlimmsten Fall schon in andere Organe gestreut hat, gibt es Anzeichen wie Blut im Stuhlgang. Typisches Warnzeichen für einen bösartigen Tumor im Dick- oder Mastdarm ist der dauernde Wechsel von Verstopfung zu Durchfall (paradoxe Diarrhoe). Dieses Phänomen entsteht, weil der Tumor den Darmdurchgang quasi blockiert, sich der Stuhl vor dem Tumor staut und dann durch Bakterien zersetzt als Durchfall ausgeschieden wird.

Das wohl bekannteste Symptom für Darmkrebs sind Blutbeimengungen im Stuhl, die unter Umständen sogar mit bloßem Auge zu erkennen sind. Ist das Blut hellrot, kann das auf Krebs im Enddarm hindeuten, dunkelrotes Blut möglicherweise auf einen Tumor am Anfang des Dickdarms. Kommt es zu Blutungen im oberen Verdauungstrakt (Zwölffingerdarm oder Magen), kommt es zu einem fast schwarzen Stuhlgang (Teerstuhl). Viele Betroffene haben aber so geringe Mengen Blut im Stuhl, dass es nicht erkannt wird. Dieses ‚okkulte Blut‘ wird in der Darmkrebsvorsorge mit bestimmten Tests (Hämoccult-Test, immunologischer Stuhltest i-FOBT) nachgewiesen. Obwohl die meisten Darmkrebspatienten wegen der Blutungsneigung der Tumoren Blut im Stuhl haben, muss Blut beim Toilettengang nicht immer gleich ein Hinweis auf Darmkrebs sein. Oft kommt es zu harmloseren Blutungen infolge von Hämorrhoiden, Verletzungen am After oder aufgrund einer Darminfektion oder –entzündung.

Weitere Symptome von Darmkrebs sind extreme Müdigkeit, Blutarmut, ein starker ungewollter Gewichtsverlust, manchmal Fieber und unter Umständen krampfartige Bauchschmerzen. Verschließt der Tumor den Darm, kann es zum gefährlichen Darmverschluss kommen.

Volle Kanne - Krebs kennt keinen Lockdown 

Untersuchungen zur Früherkennung oder Abklärung sollten trotz der Pandemie nicht aufgeschoben werden.

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12 min · Verbraucher

Metastasen

Je länger der Darmkrebs unerkannt bleibt, desto größer wird das Risiko, dass der Krebs in anderen Organen Tochtergeschwülste (Metastasen) bildet, zum Beispiel in Lymphknoten, Lunge und Leber.

Therapie

Betrifft der Krebs das Ende des Dickdarms, handelt es sich um ein den End- oder Mastdarm betreffendes Rektumkarzinom. Dieses wird in der Regel operativ entfernt. Unter Umständen wird dann ein künstlicher Darmausgang (Stoma) erforderlich. Ist der Darmkrebs bereits fortgeschritten, wird zusätzlich zur Operation eine Chemotherapie gemacht (neo- adjuvante Chemotherapie), die möglicherweise bereits gestreute Krebszellen abtöten, bzw. den Tumor vor der OP erstmal verkleinern soll.

In manchen Fällen kommt auch eine Strahlentherapie infrage: Zum Beispiel bei Mastdarmkrebs ab dem Stadium II. Damit soll der Tumor schon vor einer Operation verkleinert oder nach einer OP möglicherweise noch im Körper verbliebene Krebszellen zerstört werden. Oft wird die Strahlentherapie mit einer Chemotherapie kombiniert (Radiochemotherapie). Laut wissenschaftlicher Untersuchungen steigen die Heilungschanchen beim Mastdarmkrebs durch die Bestrahlung deutlich an, und die Überlebenszeit wird verlängert.


Für manche Patienten mit progressivem Darmkrebs kommt außerdem eine Immuntherapie infrage. Ziel ist es dabei, die körpereigenen Abwehrzellen so umzuprogrammieren, dass sie die Krebszellen enttarnen, erkennen und vernichten können. Dabei sollen sich spezielle Antikörper gegen spezifische Merkmale des Tumors richten. Damit die Immuntherapie greift, muss der Tumor diese spezifischen Merkmale aufweisen. Ob das der Fall ist, wird mit einem molekularpathologischen Testverfahren herausgefunden, bei dem das Erbgut des Darmkrebses auf typische Genveränderungen hin untersucht wird (z.B. Mikrosatellitenstatus). Bei Darmkrebs werden in der Immuntherapie zum Beispiel EGF-Rezeptor-Antikörper (wie Panitumab oder Cetuximab) eingesetzt, die die Rezeptoren für den sogenannten epidermalen Wachstumsfaktor (epidermal growth factor = EGF) blockieren, wodurch das Tumorwachstum gebremst wird. Bei einer anderen Form der Immuntherapie wird die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen unterbunden (vascular endothelial growtz factor VEGF- Antikörper, z.B. Bevacizumab).

Risikofaktoren

Außer den oben genannten Risikofaktoren, die auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen sind, spielt die genetische Veranlagung eine große Rolle. Liegt Darmkrebs in der Familie, haben Kinder oder Geschwister ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, auch an Darmkrebs zu erkranken. Zudem bilden sich circa 90 Prozent der Dickdarmkarzinome nach dem 50. Lebensjahr, und über die Hälfte der Darmkrebsbetroffenen ist älter als 70. Auch chronische entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, aber auch Diabetes mellitus Typ 2 können das Darmkrebsrisiko erhöhen. Auch aus zunächst gutartigen Darmpolypen (Adenomen) kann Darmkrebs entstehen (Adenokarzinome). Bis die zunächst harmlosen Wucherungen der Darmschleimhaut zu bösartigen Adenokarzinomen mutieren, dauert es meist mehrere Jahre.

Diagnose und Vorsorge

Mediziner raten zu einer sorgfältigen Selbstbeobachtung und regelmäßigen Stuhluntersuchungen. Insbesondere ab dem 50. Lebensjahr wird zu einer gezielten Vorsorge im Sinne der Früherkennung von Darmkrebs geraten. Die aussagekräftigste Untersuchung ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Dabei wird ein Endoskop in den Darm eingeführt, über das auffällige Darmpolypen sofort entfernt und Gewebeproben entnommen werden können. Hinweise auf einen Darmkrebs-Rückfall (Rezidiv) geben auch Substanzen, die bei Krebs verstärkt im Blut nachzuweisen sind (so genannte Tumormarker). Bei Darmkrebs kann das carcinoembryonale Antigen (CEA) im Blut erhöht sein. Die Beobachtung des CEA-Spiegels hilft Medizinern, den Krankheitsverlauf und Therapieerfolg bei Patienten abzuschätzen.

Prognose

Die Prognose bei Darmkrebs hängt vom Erkrankungsstadium ab. Während Darmkrebs im frühen Stadium ohne Metastasenbildung als heilbar gilt, kann fortgeschrittener Darmkrebs unter Umständen nur noch palliativ (also krankheitsbegleitend, den Krankheitsfortschritt verzögernd und Beschwerden lindernd, ohne den Tod verhindern zu können) behandelt werden. Umso wichtiger ist eine rechtzeitige, regelmäßige Darmkrebs-Vorsorge (Stuhluntersuchungen auf okkultes Blut und Darmspiegelung), die bei Männern ab dem 50. Lebensjahr, bei Frauen ab dem 55. Lebensjahr, von den Krankenkassen übernommen wird.

Weitere Informationen

Informationen rund um das Thema Darmkrebs und Darmkrebsvorsorge bietet die Felix-Burda-Stiftung.

Wichtige Therapie-Leitlinien hat die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten veröffentlicht, beispielsweise die Leitlinie ‚Kolorektales Karzinom‘ (2019), die Patientenleitlinie 'Darmkrebs im frühen Stadium‘ (2017) oder die Patientenleitlinie ‚Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium‘ (2017).

Selbsthilfegruppen finden Betroffene bei Deutsche ILCO e.V. (bundesweit organisierte Selbsthilfevereinigung von Stomaträgern und Menschen mit Darmkrebs) oder über die Deutsche Krebshilfe.

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