Smartphones in der Pausenhalle?

Diese Rechte haben Schüler

Verbraucher | Volle Kanne - Smartphones in der Pausenhalle?

Darf ein Lehrer die Smartphones seiner Schüler einfach beschlagnahmen, wenn diese den Unterricht stören? Welche Rechte und Pflichten haben Schüler überhaupt? Fachanwältin Gülay Tasli klärt auf.

Beitragslänge:
8 min
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Video verfügbar bis 12.09.2017, 14:00

Weil er seine Schüler daran gehindert haben soll, den Klassenraum zu verlassen, ist ein Lehrer in Kaarst vor einigen Monaten wegen Freiheitsberaubung angeklagt worden. Dass Auseinandersetzungen zwischen Schülern und Lehrern vor Gericht enden, ist zwar eher die Ausnahme – und doch gibt es oft Unklarheiten über Rechte und Pflichten.

„Die Stunde beende ich“ – Oft genug hören Schüler diesen Satz vom Lehrer, wenn der Schulgong ertönt und sie anfangen, ihre Sachen zusammenzuräumen. Tatsächlich darf der Lehrer die Stunde fortsetzen, wenn er nach Unterrichtsschluss noch fünf Minuten braucht, schreiben Dallan Sam, Fernando Rode und Rolf Tarneden in dem Ratgeber „Was Lehrer nicht dürfen“. Das ist aber eher eine Ausnahme. Generell gilt: Lehrer dürfen ein Kind nicht im Klassenraum einsperren. Wenn ein Schüler stört oder bestraft werden soll, kann der Lehrer ihn vom Unterricht ausschließen oder einen Tadel erteilen – Das Hindern am Verlassen des Raumes gilt als Freiheitsberaubung und ist strafbar.

Schülern muss auch während des Unterrichts gestattet werden, auf die Toilette zu gehen. Ansonsten könne der Lehrkraft Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen werden, so die Ratgeber-Autoren. Gleichwohl darf die Schule es verbieten, in der Pause das Schulgelände zu verlassen. „Die Schule hat eine Aufsichtspflicht. Aus versicherungsrechtlichen Gründen ist das Verlassen des Schulhofs also bedenklich“, sagt Gülay Tasli, Fachanwältin für Sozialrecht, die Schüler schon häufiger beim Rechtsstreit vertreten hat.

Ausschluss von der Klassenfahrt

Auch Strafarbeiten müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Einen Satz hundertmal abschreiben zu lassen, ist beispielsweise nicht erlaubt. „Diese Maßnahme hat keinen pädagogischen Wert“, so Tasli. Das bedeute, dass sie nur bestrafe und nicht zum Ziel habe, das Verhalten des Schülers positiv zu verändern.

„Schwierige Schüler“ dürfen zudem von Klassenfahrten ausgeschlossen werden, wenn sie sich pflichtwidrig verhalten haben. Tasli: „Das ist eine Ordnungsmaßnahme. Prügelei oder Notenfälschung können auf diese Weise geahndet werden.“

Noten anfechten

Mehrere Klassenarbeiten in der Woche stellen für viele Schüler eine Belastung dar. In einigen Bundesländern gibt es daher die Regelung, dass wöchentlich maximal drei Arbeiten geschrieben werden dürfen. Da für die Bildungspolitik die Landesregierungen verantwortlich sind, gibt es auch Bundesländer ohne diese Regelung – zum Beispiel Baden-Württemberg. Trotzdem: „Pro Tag darf nicht mehr als eine Arbeit geschrieben werden“, so Sam, Rode und Tarneden.

Aber dürfen Schüler ihre Noten auch anfechten? „Da muss man differenzieren. Die Note auf einem Versetzungszeugnis kann angefochten werden. Eine Note in der Klassenarbeit aber nicht“, weiß Rechtsanwältin Tasli und rät, eine enttäuschende Note immer mit dem Lehrer zu besprechen.

Smartphone erlaubt, aber nicht benutzen!

Ein allgemeines Handyverbot ist nicht rechtmäßig: „Schüler müssen auf dem Schulweg und danach beispielsweise für ihre Eltern erreichbar sein“, so Sam, Rode und Tarneden. „In Zeiten, in denen jeder ein Handy oder Smartphone hat, ist es nicht mehr zumutbar, Schüler in eine Telefonzelle zu schicken. Außerdem gibt es nahezu keine Telefonzellen mehr.“

Trotzdem dürfe die Schulordnung es untersagen, das Handy während des Unterrichts und in den Pausen zu benutzen: „Wenn der Schüler gegen die Schulordnung verstößt, darf der Lehrer das Handy wegnehmen – allerdings nur vorübergehend.“ Spätestens am Ende des Schultages muss er dem Schüler sein Smartphone zurückgeben.

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