Ehrenamtliches Engagement

Praktische Hilfe bevorzugt

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Das Ehrenamt ist eine wichtige Stütze der Gesellschaft. Die Politologin Prof. Dr. Annette Zimmer erklärt, in welchen Bereichen Bürger sich ehrenamtlich engagieren – und in welchen eher nicht.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.10.2017, 14:00

Die Politologin Prof. Dr. Annette Zimmer erklärt, in welchen Bereichen Bürger sich ehrenamtlich engagieren – und in welchen eher nicht.

Eines der Merkmale einer funktionierenden Zivilgesellschaft ist weit verbreitetes ehrenamtliches Engagement. Prof. Dr. Annette Zimmer, Politologin an der Universität Münster, sieht Deutschland in dieser Hinsicht gut aufgestellt: „Ob Flüchtlinge oder Hochwasser – die Ehrenamtlichen sind sehr schnell am Start, teilweise schneller als staatliche Hilfe.“ Und das sei definitiv eine Bereicherung: „Ohne Engagement wären unsere Gesellschaft und unser Land viel ärmer und ungemütlicher.“ Wobei, je nach Perspektive beziehungsweise Profession, unterschiedliche Vorteile genannt würden: Förderung des Zusammenhalts der Gesellschaft (Soziologie), Stärkung des Dienstleistungssektors (Ökonomie), Schaffung von Orten des Lernens (Pädagogik), positive Beeinflussung der Meinungsbildung (Politik).

Speziell im Bereich der Politik seien die Ehrenamtlichen jedoch auf dem Rückzug: „Die Leute wollen Handfestes tun und Ergebnisse sehen. Das ist in der Politik beziehungsweise Lokalpolitik weniger zu haben. Hier werden Entscheidungen eher in Gremien getroffen.“ Deshalb gebe es eine Entkoppelung von politischem und sozialem Engagement: „Die bevorzugten Tätigkeitsbereiche sind der Sport und die Vielfalt der Freizeitaktivitäten.“

Mehr Männer als Frauen

Früher hätten sich Männer häufiger als Frauen engagiert, vor allem gut ausgebildete Frauen hätten aber mittlerweile aufgeholt. Allerdings gebe es bei jungen Frauen wiederum einen Rückgang, da diese sich verstärkt in die Familien zurückziehen würden. Für beide Geschlechter aber gelte: „Bildungsniveau und Einkommen sind die entscheidenden Trigger.“

Defizite bei der Unterstützung der Engagierten sieht Prof. Zimmer speziell in der Flüchtlingshilfe: „Die Ehrenamtlichen sind da, aber die Koordinierung ist schlecht. In den Verwaltungen gibt es wenig und altes Personal. Das verschärft sich, je ärmer die Kommunen sind.“ Die Folge seien Überforderung und Frust – auch bei den Ehrenamtlichen.

Hilfe vor Ort oder online

Rat und Hilfe für Ehrenamtliche gibt es zum einen häufig direkt vor Ort, beispielsweise bei Freiwilligenzentralen oder Bürgerstiftungen, und zum anderen online, beispielsweise beim Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement ( BBE ).

Für interessierte Engagierte gebe es auch die Möglichkeit aus ihrem Ehrenamt eine Erwerbstätigkeit zu machen – so gebe es mittlerweile mehrere Studiengänge, die für den gemeinnützigen Bereich qualifizieren: „Der älteste ist der berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengang Nonprofit-Management and Governance an der Universität Münster, der mit dem Master of Nonprofit-Administration abschließt.“

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