Mehr Mobilität mit E-Bikes

Pedelecs auf dem Prüfstand

Verbraucher | Volle Kanne - Mehr Mobilität mit E-Bikes

Fahrräder mit Elektroantrieb liegen voll im Trend. Stiftung Warentest hat 15 Pedelecs - Fahrräder, die von einem Elektromotor unterstützt werden - unter die Lupe genommen.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.06.2017, 05:00

Immer häufiger sieht man sie im Straßenverkehr: Berufspendler können mit einem Pedelec deutlich längere Strecken zurücklegen als mit dem normalen Rad – und ältere Menschen steigen dank Motorunterstützung wieder aufs Fahrrad, besonders in bergigen Regionen. Bei Stiftung Warentest standen 15 Pedelecs nun auf dem Prüfstand.

Pedelecs sind Elektrofahrräder, bei denen ein Elektromotor den Fahrradfahrer unterstützt. Ein reiner Motorbetrieb ist nicht vorgesehen. Der Radfahrer muss in jedem Fall auch selbst in die Pedale treten. Die Stärke der Unterstützung kann allerdings gewählt werden. Die Unterstützung funktioniert bis 25 km/h. Höhere Geschwindigkeiten sind nur mit Muskelkraft möglich.

Auch ohne Motor lassen sich die Elektroräder gut fahren, allerdings ist das Eigengewicht höher als bei normalen Fahrrädern. Stiftung Warentest hat 15 Pedelecs genauer unter die Lupe genommen, die Preisspanne liegt zwischen 900 und 3300 Euro.

Fahrverhalten und Sicherheit im Test

e-Bike
E-Bike Quelle: imago

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen das Fahrverhalten, die Fahrstabilität mit und ohne Gepäck, aber auch Komfort und Wendigkeit. Ein weiterer wichtiger Faktor war das Thema Sicherheit: Halten die Bauteile den Anforderungen stand, die sich durch das höhere Eigengewicht und die höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten ergeben? Zudem haben die Tester auch die Bremsleistungen auf nassem und trockenem Untergrund geprüft.

Das Ergebnis: durchwachsen. Sieben von fünfzehn Rädern wurden mit „gut“ bewertet, drei mit „befriedigend“. Fünfmal vergaben die Tester ein „mangelhaft“. Im Gesamtergebnis schloss das „Flyer B8.1“ am besten ab. Das Rad belegte bei der Fahruntersuchung, beim Test des Antriebs sowie der Handhabungsprüfung jeweils den ersten Platz. Bei Sicherheit und Haltbarkeit war es eines von fünf Rädern, die mit „gut“ bewertet wurden. Es ist allerdings mit 3300 Euro auch das teuerste Rad im Test. Ebenfalls positiv fielen das „Victoria e-Manufaktur 7.9“, das „Raleigh Dover Impulse 8 HS“ und das „Decathlon/Riverside City Nexus“ – mit 18000 Euro der Preis-Leistungs-Sieger im Test – auf. Die billigsten Räder von Aldi (900 Euro) und Fischer (1200 Euro) bekamen hingegen ein „mangelhaft“, wie übrigens auch drei weitere, deutlich teurere Räder.

Mangelnde Bremsleistung

Drei Fahrräder erreichten nicht die erforderliche Bremswirkung für ihr zulässiges Gesamtgewicht. „Die Räder kamen in unserem Test nicht rechtzeitig zum Stehen. Wir haben die Räder in Anlehnung an den Prüfgrundsatz für die Sicherheit von Pedelecs der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) getestet“, erklärt Dr. Axel Neisser von Stiftung Warentest.

Bei einem Rad brach im Dauertest die Sattelstütze, bei zwei anderen die Sattelklemmung. Mit dem Fahrverhalten waren die Tester überwiegend zufrieden. Lediglich bei der Fahrstabilität mit Gepäck gab es bei einigen Rädern Punktabzüge.


Tipps für den Kauf

Bevor Sie sich für ein Modell entscheiden, sollten Sie das Rad vorher Probe fahren. Wer Touren mit Gepäck plant, belädt das Pedelec am besten gleich bei der Testfahrt. Bremsen, Sattelstütze und auch der Gepäckträger sollten einen soliden und stabilen Eindruck machen.

Die Akkukapazität sollte zur Strecke passen, die sie in der Regel mit dem Pedelec fahren möchten. Dabei gilt es auch die Alterung des Akkus zu berücksichtigen: Je nach Nutzungsverhalten kann der Kapazitätsverlust nach 500 Ladezyklen 25 Prozent und mehr betragen. „Im Zweifelsfall sollte man eher zu einem größeren Akku greifen. Der Nachkauf eines größeren Akkus ist ungleich teurer als die Preisdifferenz zum nächstgrößeren Modell bei der Anschaffung“, rät Neisser.

Reichweite bis 100 Kilometer

Die Reichweite hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören zum Beispiel die gewählte Unterstützungsstufe, das Profil der Strecke, das Gewicht des Fahrers und des Gepäcks, der Straßenbelag oder der Reifenluftdruck. „In unserer Untersuchung haben wir alle Räder auf gleiche Art und Weise getestet. Die ermittelten Reichweiten lagen zwischen knapp 40 bis 100 Kilometer“, so der Tester.
Die Akkukapazität bestimmt ebenso die Reichweite. „Mit 400 Wh kamen unsere Prüfer etwa 60 km weit. Das sollte für viele Fälle reichen“, resümiert Neisser. Aufgeladen werden die Akkus an der normalen Steckdose. In der Regel lässt sich der Akku dafür entnehmen. Die Ladezeit für die meisten 400Wh-Akkus liegt bei etwa drei Stunden. Um möglichst lange Freude am Akku zu haben, sollte man ihn nicht bei Frost lagern oder laden. Extreme Temperaturschwankungen sollten ebenso vermieden werden wie Tiefenentladungen oder die Reinigung mit einem Hochdruckreiniger.

Das Gesamtgewicht beachten

Wer mit viel Gepäck unterwegs ist, muss Einbußen bei der Reichweite in Kauf nehmen. Auf das Fahrverhalten im normalen Straßenverkehr hat ein beladener Gepäckträger dagegen kaum Einfluss. „Wir fanden jedoch, dass bei einigen Rädern die Fahrstabilität in Stresssituationen, zum Beispiel bei schnellen Lenkbewegungen, wie sie bei Ausweichmanövern vorkommen, negativ beeinflusst wurde. Die Fahrstabilität dieser Räder kann man nur noch mit „ausreichend“ beschreiben“, so Neisser.

Bei der Frage, wie viel Gepäck Sie mitnehmen dürfen, müssen Sie das Gesamtgewicht des Fahrrads (inklusive Akku) und Ihr eigenes Gewicht vom zulässigen Gesamtgewicht (Herstellerangabe) abziehen. Bei einigen Rädern lag das Gesamtgewicht bei nur 120 oder 130 Kilogramm. Das kann schnell knapp werden. Darüber hinaus darf das Gepäckgewicht nicht die Belastungsgrenze des Gepäckträgers überschreiten. Diese liegt in der Regel bei 25 Kilogramm.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet