Eltern-Kind-Therapie für Süchtige

Trotz Drogenabhängigkeit verantwortungsvoll erziehen

Verbraucher | Volle Kanne - Eltern-Kind-Therapie für Süchtige

Alkohol, Drogen, Online- oder Spielsucht: Auch die Kinder der Betroffenen leiden unter den psychischen Folgen - wie der 17-jährige Justin, der mit einem alkoholkranken Vater aufwuchs.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.10.2017, 14:00

Obwohl es bereits seit den 1980er-Jahren etliche Studien über sie gibt, gelten Kinder aus Suchtfamilien bis heute als „vergessene Kinder“. Denn oft rutschen sie durch die Maschen der bestehenden Hilfesysteme und werden nicht wahrgenommen. Eine Hilfsmöglichkeit für betroffene Familien ist eine Eltern-Kind-Therapie.

Kinder suchtkranker Eltern sind nach heutigem Kenntnisstand die größte bekannte Risikogruppe für eigene Suchtstörungen im fortgeschrittenen Alter. Vor allem die psychosozialen Folgen des Alkohol- und Drogenmissbrauches innerhalb der Familie wirken sich negativ auf ihre Entwicklung aus. Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für psychische Auffälligkeiten, beispielsweise Depressionen oder Angststörungen.

Um diesen Spätfolgen entgegenzuwirken, ist es laut Experten wichtig, die Aufmerksamkeit für Kinder aus suchtkranken Familien bei jenen zu erhöhen, die professionell mit Kindern arbeiten. Lehrpersonal an Schulen und Erzieherinnen an Kitas müssen geschult werden, um erste Anzeichen zu erkennen.

Hilflos in der Elternrolle

Viele drogenabhängige Eltern fühlen sich - neben der Bewältigung des Drogenverlangens - im Alltag mit der Erziehung überfordert. Sie sind unsicher im Umgang mit den Kindern und fürchten, als Eltern zu versagen. Oft haben sie eine unrealistische, idealisierte Vorstellung darüber, was eine „gute" Mutter (oder einen „guten“ Vater) ausmacht. Die Kinder wiederum werden oft von den drogenabhängigen Eltern funktionalisiert. Sie bekommen kaum Orientierung, das Bindungsverhalten ist gestört, Interaktionen verlaufen sehr kurz, nicht der Situation angemessen und nicht kindgerecht.

Die Kinder erleben die suchtbedingten Stimmungsschwankungen ihrer Eltern als unberechenbar und entbehren oftmals emotionale Zuverlässigkeit. Dies schränkt eine altersgemäße Entwicklung zu einer selbstbewussten, charakterfesten Persönlichkeit ein. Schon jüngere Kinder im Vorschulalter zeigen bereits Auffälligkeiten. Sie können sich nicht konzentrieren, sind sprunghaft, manchmal aggressiv oder auffallend still und introvertiert. Oft fehlt es an festen Bezugspersonen, sie werden viel herumgereicht, wechselweise von Nachbarn oder Großeltern betreut oder vorübergehend in Pflegefamilien untergebracht.

Hilfe zur Selbsthilfe

In den letzten zehn Jahren wurden verstärkt Konzepte, Hilfsangebote und Informationsmaterialien für betroffene Kinder entwickelt. Neben ambulanten Hilfen gibt es inzwischen auch vereinzelt stationäre Angebote von Fachkliniken – also Einrichtungen zur medizinischen Rehabilitation – für suchtkranke Familien. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Angebote für Kinder unter zehn Jahren. Sie gelten offiziell als Begleitpersonen ihrer Eltern und werden von einem Team aus Kinderkrankenschwestern und Erzieherinnen betreut und beobachtet. In Kita-Gruppen und geschützten Spielsituationen mit Erzieherinnen können sie Geborgenheit, eine normale Tagesstruktur und den sozialen Umgang mit anderen Kindern lernen.

Manche Einrichtungen bieten ein spezifisches Elterntraining an. Ziel ist neben der Förderung von Elternkompetenz die Entwicklung psychischer Sicherheit im Umgang mit den Kindern. Dabei wird in Rollenspielen, in Einzel- und Gruppenarbeit direkt Einfluss auf das Bindungsverhalten der Eltern genommen. Diese seltenen, stationären Angebote für Eltern und Kinder werden bisher jedoch nur vereinzelt von betroffenen Familien wahrgenommen. Denn die Voraussetzungen sind hoch: die suchtkranken Mütter oder Väter müssen einer stationären Suchtbehandlung mit allen Anforderungen zustimmen und sich gleichzeitig ihrer Elternrolle und -verantwortung stellen. In manchen Fällen ist eine solche Maßnahme aber der einzige Weg damit die Kinder nicht vom Jugendamt dauerhaft aus der Familie genommen werden.

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