Facebook frisst das Internet

Messenger bei Entwicklerkonferenz im Fokus

Verbraucher | Volle Kanne - Facebook frisst das Internet

Auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 hat das soziale Netzwerk seine Zukunftspläne vorgestellt. ZDF-Journalist Stephan Mündges ordnet die Projekte ein.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.04.2017, 14:00

Facebook veranstaltet seine Entwicklerkonferenz F8. Für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist das der alljährliche Termin, um grundsätzlich zu werden: Was ist für das soziale Netzwerk geplant? Welche neuen Technologien sollen bald massentauglich sein? Wie will Facebook seine Vorherrschaft im Internet weiter ausbauen? Bei der Antwort auf diese Fragen spielt Facebooks Messenger eine entscheidende Rolle.


Wenn Facebook zur Entwicklerkonferenz F8 lädt, blickt nicht nur die Internetgemeinde nach San Francisco. Facebook ist zum Internet im Internet geworden. Normale Nutzer, Regierungen, Unternehmen – sie alle nutzen und brauchen Facebook oder einen der Dienste des Unternehmens als Kommunikationsmittel.

Und genau diese Vormachtstellung will Facebook mit seinen Neuerungen, die auf der F8 vorgestellt werden, weiter festigen. Facebooks Fokus liegt dabei auf einer Weiterentwicklung des Messengers. Bislang tauschen Nutzer darüber vor allem schriftlich Nachrichten aus. Aber bereits im letzten Jahr wurden – hauptsächlich in den USA – einige neue Features eingeführt, so sind zum Beispiel Videoanrufe über den Messenger möglich, genauso wie das Senden und Empfangen von Geldbeträgen. In Zukunft sollen auch Unternehmen mit ihren Kunden über den Facebook Messenger kommunizieren: Ein Taxi rufen, einen Tisch im Restaurant reservieren, neue Schuhe bestellen – all das soll bald über den Facebook-Dienst abgewickelt werden können. Möglich machen das sogenannte Chatbots: Software, gesteuert von künstlicher Intelligenz, die mit den Nutzern reden und ihre Wünsche erfüllen kann.

Auch andere IT- und Internetfirmen arbeiten an dieser Art von Software. Microsoft zum Beispiel hat vor kurzem einen TwitterBot vorgestellt. Noch ist die Technologie nicht perfekt (Microsofts Bot wurde von Twitter-Nutzern dazu gebracht, rassistische und sexistische Tweets abzusetzen), aber es zeigt: das Rennen um die beste ChatBot-Technologie ist in vollem Gange.

Was hat Facebook davon?

Drei Dinge: Daten, Daten, Daten. Je mehr Kommunikation über Facebooks Dienste läuft, desto mehr weiß Facebook auch über seine Nutzer. Mit den angekündigten Neuerungen im Messenger erschließt sich Facebook neue Datenquellen. Ein Beispiel: Wenn ein Nutzer über Facebooks Messenger Klamotten bestellt, dann ist das eine neue Information über diesen Nutzer für Facebook. Und die lässt sich dann natürlich für personalisierte Werbung auswerten. Der Messenger ist nur eine Großbaustelle von Facebook. Es gibt noch ein paar mehr:


Geschlossenes System

Facebook baut mit all seinen verschiedenen Projekten ein möglichst umfangreiches, geschlossenes System auf, das mehr und mehr zum Fundament unserer digitalen Infrastruktur werden könnte. Und damit steigt die Abhängigkeit vom Unternehmen Facebook. Das kann nämlich entscheiden, welcher Nutzer welche Informationen zu sehen bekommt. Oder es könnte die Kommunikation zwischen unliebsamen Unternehmen und deren Kunden stören.

Die amerikanische Medienwissenschaftlerin Emily Bell brachte es vor kurzem auf den Punkt: „Wir geben die Kontrolle über wichtige Teile unseres öffentlichen und privaten Lebens in die Hände einiger weniger Leute, die nie gewählt wurden und nicht zur Verantwortung gezogen werden können.“

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