Entzündung des Nierenbeckens

Hygiene, Sex und andere Ursachen

Verbraucher | Volle Kanne - Entzündung des Nierenbeckens

Wenn eine Blasenentzündung rechtzeitig erkannt wird, lässt sie sich schnell und einfach behandeln. Wenn die Erkrankung allerdings verschleppt wird, können auch die Nieren Schaden nehmen.

Beitragslänge:
4 min
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Video verfügbar bis 12.02.2017, 14:00

Starker Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen – und ein allgemeines Unwohlsein: Diese drei Symptome deuten oftmals auf eine Blasenentzündung hin. Allerdings können sie auch schon Anzeichen der Folgeerkrankung sein: einer Entzündung des Nierenbeckens. „Volle Kanne“ erklärt, wie es dazu kommen kann – und was dagegen hilft.

Eine Nierenbeckenentzündung, medizinisch als Pyelonephritis bezeichnet, entsteht meist als Folgeerkrankung aus einer aufsteigenden Blasenentzündung. Diese entwickelt sich, wenn Bakterien sich in der Blase, zum Beispiel an den Blasenwänden, einnisten und festsetzen. Der Patient verspürt nach einer Infektion einen vermehrten und schmerzhaften Harndrang.

Eine Blasenentzündung wird vom Allgemeinmediziner mit Antibiotika behandelt, die die Bakterien abtöten sollen. Wenn zu spät behandelt wird oder das Antibiotikum nicht anschlägt, können die Bakterien in die Niere aufsteigen und es kommt zu einer oberen Harnwegsinfektion, der Nierenbeckenentzündung. Frauen sind deutlich häufiger von Harnwegsinfektionen betroffen, weil sie, im Gegensatz zum Mann, eine kürzere Harnröhre haben, die das Aufsteigen für die Bakterien leichter macht.

Viele Wege zur Entzündung

Häufig sind Darmbakterien, meist der E. Coli-Stamm, für die Infektionen in Blase und Niere verantwortlich. Wenn die Abwehrkräfte geschwächt sind, können die Bakterien – zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr oder bei übermäßiger Intimhygiene – in die Harnröhre gelangen.

Andere Ursachen für eine Nierenbeckenentzündung können ein Reflux, also das Zurückfließen des Urins von der Blase in die Niere, Verengungen der Harnleiter, unter Umständen durch einen Tumor oder Abszess, Abwehr- und Immunschwächen des Körpers nach Operationen oder Hormonschwankungen wie nach der Menopause oder in der Schwangerschaft sein.

Symptome richtig deuten

Frau liegt krank im Bett
Fieber und Schüttelfrost sind bei einer Nierenbeckenentzündung möglich. Quelle: Imago

Ähnlich wie bei der Blasenentzündung empfinden Betroffene einen stark vermehrten Harndrang. Hinzu kommen krampfartige oder brennende Schmerzen beim Wasserlassen, sowie Abgeschlagenheit. Patienten, die an einer Nierenbeckenentzündung leiden, verspüren zusätzlich zu diesen Symptomen Rücken- oder Flankenschmerzen, haben hohes Fieber und Schüttelfrost. Treten diese zusätzlichen Beschwerden auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, um die Nierenbeckenentzündung so schnell wie möglich behandeln zu können.

Bei Verdacht auf einen Harnwegsinfekt wird eine Urinprobe untersucht. Mithilfe von Teststreifen wird überprüft, ob der pH-Wert des Urins im Normbereich, also zwischen fünf und sechs, liegt. In einer weiteren Untersuchung unter dem Mikroskop wird eine sogenannte Sedimentprobe des Urins auf Bakterien, Erythrozyten oder Leukozyten und Entzündungszeichen untersucht. Außerdem klopft der Mediziner den Rücken und die Flanken ab, um eine Schmerzempfindlichkeit an den Nieren zu überprüfen.

Entzündung behandeln

Mittel der Wahl bei fast allen bakteriellen Harnwegsinfektionen ist die Gabe von Antibiotika. Bei Blasenentzündungen kann je nach Ausprägung ein Breitband- oder Einmalantibiotikum helfen. Bei der Nierenbeckenentzündung kommt meist ein hochdosiertes Antibiotikum zum Einsatz. Die Medikamente werden dann intravenös und nicht oral gegeben, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Da die Flüssigkeitszufuhr und Auswaschung der Blase eine große Rolle spielt, kann in Betracht gezogen werden, eine intravenöse Flüssigkeitsgabe zu veranlassen.

Um einen Harnwegsinfekt zu vermeiden, sollte man deshalb schon im Alltag auf die richtige Trinkmenge achten. Empfohlen sind etwa zwei Liter täglich. Dann können Blase und Nieren gespült werden und Bakterien können sich nicht festsetzen. Außerdem sollte man die Nieren immer warm halten und vor Zugluft schützen. Denn der Körper kann nur dann mit den entsprechenden Abwehrmaßnahmen auf mögliche eingedrungene Bakterien reagieren, wenn die Abwehrkräfte nicht geschwächt sind. Dies kann zum Beispiel durch Unterkühlung passieren.

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