Grüne Däumlinge

Elmar Mai über Bonsais

Verbraucher | Volle Kanne - Grüne Däumlinge

Pflanzenexperte Elmar Mai gibt Tipps für die Pflege von Bonsais.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 09.02.2017, 10:11

Gießen und düngen, schneiden und drahten – Pflanzenexperte Elmar Mai erklärt, was man beachten sollte, wenn man Bonsais kultivieren möchte.

„Bonsai“ ist der japanische Ausdruck für „Baum in der Schale“. Vom Wuchs her sieht er wie ein normaler Baum aus, ist aber so klein, dass er in einen Topf passt. Diese Gartenkunst entspringt dem ostasiatischen Raum; ursprünglich aus China stammend, gelangte sie später nach Japan.

Fast jede verholzende Pflanze lässt sich zu einem Bonsai gestalten: Sowohl Laubbäume wie Birken, Buchen, Eichen, Linden oder Eschen als auch Nadelbäume wie Kiefern oder Lärchen sind dafür geeignet. Darüber hinaus bieten sich Straucharten wie Weißdorn, Haselnuss, Schlehe oder Wacholder an.

Humus, Sand und Lehm

Damit ein Bonsai gut gedeiht, sollte er in eine Mischung aus Humus, Sand und Lehm gepflanzt werden. Sand sorgt für eine gute Durchlüftung des Bodens und lässt überschüssiges Wasser abfließen. Außerdem gewährleistet Sand Strukturstabilität – der Topfballen behält seine Größe und wird nicht kleiner. Humus dient als Wasserspeicher, enthält nützliche Bodenorganismen und Mineralstoffe. Lehm ist ein Puffer, der Wasser und Nährstoffe bindet, die Wurzeln aber nicht im Nassen stehen lässt, darüber hinaus für Standfestigkeit sorgt. Es ist allerdings zu beachten, dass diese Mischung kaum Nährstoffe enthält: Eine gute Düngung ist also erforderlich.

Dabei sollte man auf spezielle Bonsaidünger zurückgreifen. Sie müssen extrem salzarm sein, da sonst die wenige Erde sehr schnell versalzt. Eine Versalzung ist an den weißen Rändern an der Schale oder auf der Erde selbst zu erkennen. In der Wachstumsphase vom Frühling bis zum Herbst sollte man einmal wöchentlich düngen. In dieser Zeit findet der Laubaustrieb statt, Stickstoff fördert das Wachstum. Im Winter sollte man laubwerfende Bonsais gar nicht und immergrüne Bonsais alle drei bis vier Wochen düngen.

Luftig aber nicht zugig

Bonsais sollten hell aber nicht in der prallen Sonne stehen. Der Platz sollte luftig aber nicht zugig sein. Da die Pflanzen dem Licht entgegen wachsen, ist es wichtig, sie regelmäßig zu drehen, damit sie nicht schief werden.

Falsches Gießen ist der Hauptgrund, warum viele Bonsais eingehen. Die Wurzeln trocknen in den flachen Schalen viel schneller aus als im Erdreich. Die Erde darf niemals ganz trocken werden, sollte aber auch nicht zu nass sein, da der Bonsai sonst fault. Ein Bonsai muss im Frühling, Sommer und Herbst normalerweise täglich gegossen werden. An heißen, windigen Sommertagen kann es sogar notwendig sein, mehrmals am Tag zu gießen. Freilandbonsais benötigen im Winter nur wenig Wasser. Zimmerbonsais müssen im Winter etwa einmal in der Woche gegossen werden. Kalkhaltiges Wasser ist für Bonsais ungeeignet: Da ihnen nur wenig Erde zur Verfügung steht, wirkt es sich besonders negativ aus.

Wurzeln und Stämme beschneiden

Bonsai-Kiefer
Kiefer im Bonsai-Format

Damit ein Bonsai klein bleibt, ist ein regelmäßiger Wurzelschnitt erforderlich. Man sollte bei jedem Umtopfen – also einmal im Jahr – die Wurzeln schneiden; vorzugsweise im Frühjahr, bevor die Pflanzen anfangen zu wachsen. Die Erde muss abgeklopft werden. Der Wurzelballen sollte von seinem Umfang her der Baumkrone entsprechen. Ist beim Bonsai eine kleine Baumkrone gewünscht, sollte auch der Wurzelballen dementsprechend klein geschnitten werden. Die Standfestigkeit muss jedoch gegeben sein. Wegen des Wurzelschnitts sind Bäume mit Pfahlwurzeln, zum Beispiel Tannen, als Bonsais ungeeignet, da das Abschneiden der Pfahlwurzeln schlecht für die Bäume ist.

Um die Form des Bonsais zu gestalten, muss man ihn zurückschneiden. Oft soll ein Bonsai nicht so akkurat wie andere Bäume beschnitten sein. So kann man zum Beispiel den Hauptstamm abschneiden, um Krümmungen und Verzweigungen von unten hervorzurufen. Man muss beim Schneiden vor allem auf die Knospen achten: So sollte der Ast jeweils knapp oberhalb der in die gewünschten Richtungen zeigenden Knospen abgeschnitten werden. Außerdem sollten die Äste nicht in den Vegetationsperioden der Pflanzen zurückgeschnitten werden. Der Zeitpunkt der Vegetationsperiode hängt von der Pflanze ab und liegt entweder im Frühling oder im Herbst.

Mit Draht gestalten

Ein Bonsai kann auch mit Draht gestaltet werden: Dicker Aluminiumdraht ist das schonendste Material für den Baum – er ist weich und schneidet nicht so leicht in die Rinde ein. Zum Drahten dickerer Äste wird aber auch häufig Kupfer- oder sogar Stahldraht verwendet, da manche Äste für eine Korrektur mit Aluminiumdraht bereits zu dick sind. Beim Drahten sollte man darauf achten, bei den dicken Ästen anzufangen und erst danach mit den dünneren Ästen weiterzumachen. Mit jedem Draht sollte man möglichst zwei Äste umwickeln – dadurch wird alles besonders stabil.

Da viele Laubbäume ein schubweises Dickenwachstum aufweisen, kann der Draht sehr schnell zu eng werden. Er sollte deswegen ständig beobachtet und gegebenenfalls entfernt werden. Äste, die schon mehrere Jahre alt sind, lassen sich ohne Beschädigung oft nicht mehr drahten. Diese sollten daher eher gespannt als gedrahtet werden: Dafür wird ein Drahtende an einer Astspitze befestigt, das andere am Pflanzengefäß oder an einem anderen Ast.

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