Geldanlage bei Nullzinsen

Folgen der Leitzinssenkung für Bankkunden und Sparer

Verbraucher | Volle Kanne - Geldanlage bei Nullzinsen

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins auf null Prozent abgesenkt. Was das für die Geldanlage und die Altersvorsorge bedeutet, erklärt WISO-Redaktionsleiter Martin Leutke.

Beitragslänge:
8 min
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Video verfügbar bis 16.03.2017, 14:00

Die Europäische Zentralbank hat am vergangenen Donnerstag den ohnehin seit Jahren niedrigen Leitzins überraschend auf null Prozent abgesenkt. So soll der wirtschaftliche Erholungsprozess in Europa unterstützt werden. Was bedeutet dies für Bankkunden und Sparer?

Der Schritt kam unerwartet: Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt mehr Geld in den Markt, setzt den Leitzins auf null und brummt Banken höhere Strafzinsen auf, wenn sie Geld zu lange bei den Notenbanken parken. Dies soll die Institute zu mehr Krediten drängen, gegen die Mini-Inflation helfen und das Wachstum ankurbeln.

Düstere Spar-Aussichten

Den Verbrauchern bringt das allerdings nichts, haben sie bislang doch schon deutlich die Folgen der EZB-Geldpolitik in Form von sinkenden Guthabenzinsen zu spüren bekommen. Die Zukunft für Sparer sieht vor dem Hintergrund der angekündigten Maßnahmen alles andere als rosig aus: Die Guthabenzinsen, die Banken für klassische Sparprodukte sowie Festgeld- und Tagesgeldkonten gewähren, dürften weiter sinken. Bankkunden müssen außerdem damit rechnen, dass die Gebühren für Kontoführung, Überweisungen und Abhebungen an fremden Geldautomaten weiter steigen.

Die EZB-Politik trägt auch zu einem Zinsverfall bei ausfallsicheren Staats- und Firmenanleihen bei, in denen Finanzinstitute die Rücklagen für Altersvorsorgeverträge traditionell häufig anlegen oder anlegen müssen. Das drückt die Rendite von Lebens- oder Rentenversicherungen.

Aktien als Altersvorsorge

Die Verbraucherzentrale Berlin rät Sparern dazu, bei der Altersvorsorge über eine auf Aktienfonds gestützte Strategie nachzudenken. Eine Rendite über rund 1,5 Prozent lasse sich derzeit nur noch mit Anlageprodukten erzielen, die Wertschwankungen unterliegen, erklärte Volker Schmidtke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Entgegen der weit verbreiteten Auffassung, mit Aktien leicht Verluste zu erleiden, liege das Risiko bei einem über Jahrzehnte laufenden Aktienfonds-Sparplan praktisch bei null, so Schmidtke weiter. Zwischenzeitlich könnten zwar drastische Buchverluste auftreten. Wer sich davon jedoch nicht irritieren lasse und weiter spare, könne ansehnliche Wertzuwächse erzielen.

Bei Aktienfonds-Sparplänen kaufen Sparer regelmäßig Anteile. Schwankungen bei den Einkaufspreisen gleichen sich mit der Zeit aus. Zusammen mit einer über größere Zeiträume auftretenden generellen Aufwärtsbewegung an den Börsen, hätten Anleger damit über die Jahrzehnte hinweg stets profitiert – sofern sie lange genug dabei blieben, so Schmidtke. Allerdings betonte der Verbraucherschützer, dass Anleger ihre Investitionen darüber hinaus immer über verschiedene Anlageklassen hinweg verteilen sollten, um das Risiko zu streuen. Das führe zu geringeren Wertschwankungen und sorge für ein zusätzliches Sicherheitsgefühl.

Auch staatlich geförderte Riester-Produkte seien weiter attraktiv, weil die Zulagen unabhängig von Zinsentwicklungen und Kapitalmarktbewegungen als eine Art sichere Zusatzrendite regelmäßig weitergezahlt würden, so Schmidtke. Diese Zusatzrendite sei oft ein großer Unterschied zu nicht geförderten Produkten. Auch Betriebsrenten seien für viele Verbraucher nach wie vor eine empfehlenswerte Idee.

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