Als wäre man in einen Nagel getreten

Fersensporn: So kommt er, so wird man ihn los

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Es schmerzt an den Fußsohlen, als würde man auf Reißzwecken treten: So empfinden Menschen, die unter einem Fersensporn leiden. Wie kann man ihn behandeln?

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4 min
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Video verfügbar bis 10.12.2016, 09:59

Es schmerzt an den Fußsohlen, als würde man auf Reißzwecken treten: So empfinden Menschen, die unter einem Fersensporn leiden. Wie aber kommt es zu einem Fersensporn? Wie kann man ihn behandeln? Und welche Vorsorgemöglichkeiten gibt es?

Unsere Füße sind täglich enormen Belastungen ausgesetzt – und das über Jahrzehnte. Kein Wunder, dass etwa jeder Zehnte irgendwann im Leben über Fersenschmerzen klagt. Nicht selten lautet die Diagnose Fersensporn. Gemeint sind damit schmerzhafte Entzündungen am Sehnenansatz der Fußsohle (unterer Fersensporn) oder am Ansatz der Achillessehne (oberer Fersensporn). Die Erkrankungen sind nach dem dornförmigen Knochenauswuchs benannt, den etwa zehn bis zwanzig Prozent aller Erwachsenen an diesen Stellen haben, der aber nur dann auffällt, wenn sich das umliegende Gewebe entzündet. Das Durchschnittsalter für die Erkrankung liegt bei etwa 50 bis 60 Jahren.

Warum bildet sich ein Sporn aus?

Mediziner vermuten als Ursache eine chronische Über- oder Fehlbelastung des Fußes. Demnach werden die Sehnen durch häufige, starke Zugkräfte gereizt, sodass kleine Risse an den Sehnenansätzen entstehen können. Der Körper lagert dann zwischen Sehnen und Knochen Kalk ein, um die Sehnen zu stabilisieren beziehungsweise zu reparieren. Hält die Belastung jedoch weiter an, kann sich das Gewebe schmerzhaft entzünden. Auslöser der Beschwerden ist also nicht die Verknöcherung, sondern die entzündliche Reaktion durch chronische Überlastung des Fußes.

Nicht jeder Sporn macht Beschwerden. Denn es gibt auch Fersensporn-Patienten ohne erkennbaren Dorn. Die wichtigsten Faktoren, die zu einer Überlastung des Fußes führen können, sind: Alter über 40, Übergewicht, Fußfehlstellungen (Hohl-, Knick-, Senkfüße), verkürzte Wadenmuskulatur (beispielsweise durch falsches Schuhwerk) oder Fehl- beziehungsweise Überlastung im Sport (beispielsweise bei Laufsportarten).

In den Nagel getreten

Typisch für die Krankheit sind zunächst Anlaufschmerzen beim Gehen, die nach einigen Schritten nachlassen - vor allem am Morgen nach dem Aufstehen oder nach langen Ruhepausen. Später treten diese Schmerzen auch nach längerer Belastung auf. Der Schmerz fühlt sich an, als würde man in einen Nagel treten. Der Schmerzpunkt liegt typischerweise am vorderen Teil der Fersenauftrittsfläche.

Einige Patienten haben nur leichte Schmerzen und nehmen diese im Alltag kaum war. Andere haben wiederkehrende, starke Schmerzen, die sie in ihrer Lebensqualität und Mobilität stark einschränken. Um dem Schmerz auszuweichen, neigen viele Patienten zum typischen „Schonungshinken“ und anderen unnatürlichen Bewegungsabläufen. Diese können langfristig zu weiteren Verspannungen bis hin zu Beckenschiefstand oder Rückenschmerzen führen.

Sporn im Röntgen

Orthopäden befragen die Patienten zunächst nach der Krankheitsgeschichte. Bei der anschließenden Untersuchung des Fußes können sie den Schmerzpunkt in der Ferse lokalisieren und dadurch meistens schon erkennen, dass eine Entzündung besteht. Beim oberen Fersensporn ist zudem häufig der Bereich der Achillessehne geschwollen.

Um die Diagnose zu sichern, erstellen Orthopäden Röntgenaufnahmen, auf denen oft der Dorn zu erkennen ist. Bestehen Hinweise auf andere mögliche Ursachen für die Schmerzen, muss der Arzt diese ausschließen. Vergleichbare Beschwerden können zum Beispiel bei Gicht, Morbus Bechterew oder einer entzündlichen rheumatischen Erkrankung auftreten.

Viele Therapie-Möglichkeiten

Die übliche Behandlung sieht zunächst vor, die Ferse zu entlasten, damit sich die Entzündung zurückbilden kann. Sportler müssen deshalb in der Regel eine Trainingspause einlegen, auch auf längere Spaziergänge sollten Betroffene zunächst verzichten. Im akuten Stadium helfen Fuß hoch lagern und Kühlen. Ist die Entzündung chronisch und die Schmerzen stark, können sich die Beschwerden aber über Wochen und viele Monate hinziehen. Ärzte raten neben Schonung deshalb zu weiteren Maßnahmen, um den Schmerz zu lindern und die Heilung zu beschleunigen.

Verschiedene Schmerzmittel (verfremdet)
Verschiedene Schmerzmittel (verfremdet) Quelle: imago

Medikamente wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Haben Patienten bereits starke Schmerzen, sind sie oft die Basis für die weitere Therapie. Seltener wird um den Fersensporn herum Kortison gespritzt. Auf Dauer kann die Sehne dadurch beschädigt werden.

Den Fuß entlasten

Eine wichtige Maßnahme sind Einlegesohlen vom Orthopädie-Techniker. Diese können den Druck von der entzündeten Stelle nehmen und bei Fehlstellungen den Fuß wieder richtig ausrichten. Zudem empfiehlt sich das Tragen von bequemen und dämpfenden Schuhen, um die entzündliche Stelle zu entlasten. Vor allem flache Schuhe mit harten Sohlen sollten Betroffene vorerst nicht mehr tragen, da sie die Sehnen zusätzlich reizen.

Auf längere Sicht kann auch Physiotherapie helfen. Die Muskeln und Sehnen an der Fußsohle und in der Wade werden dabei gestärkt und gedehnt. Entscheidend ist, dass die Patienten entsprechende Übungen unter Anleitung des Therapeuten erlernen und zuhause regelmäßig wiederholen.

Bestrahlen oder Operieren?

Weitere Möglichkeiten sind die Stoßwellentherapie, bei der Schallstöße die Heilung anregen sollen. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen diese Therapie jedoch nicht, da Nutzen und Wirksamkeit noch nicht eindeutig belegt sind. Die Röntgenschmerzbestrahlung wird von den Kassen bezahlt, empfiehlt sich aufgrund möglicher Nebenwirkungen aber nur, wenn die konservative Therapie keinen Erfolg bringt. Eine Operation ist beim Fersensporn eher die Ausnahme, da sich die Beschwerden danach nicht immer bessern und zudem Nebenwirkungen und Komplikationen auftreten können.

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