Schwachpunkt Beratungsprotokoll

"Finanztest" testet Beratungsqualität bei Geldanlagen

Verbraucher | Volle Kanne - Schwachpunkt Beratungsprotokoll

Bankberater empfehlen Kunden, die ihr Geld anlegen möchten, nicht immer die Finanzprodukte, die am besten für sie geeignet wären.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.01.2017, 09:47

Wer sein Geld anlegt, der möchte es am liebsten vermehren. Doch wer sich mit diesem Anliegen an einen Bankberater wendet, kann nicht immer davon ausgehen, passende Produkte empfohlen zu bekommen. Fünf Jahre nach dem letzten Test habe sich die Beratungsqualität insgesamt zwar etwas verbessert, dennoch sei noch viel Luft nach oben, wie die Zeitschrift „Finanztest“ nun festgestellt hat.

Die Tester sollten 45.000 Euro für zehn Jahre anlegen; ein Teil der Summe durfte mit einem gewissen Risiko angelegt werden, allerdings sollte das Geld im Bedarfsfall rasch verfügbar sein. So lautete die Aufgabe, mit der 53 Tester von „Finanztest“ an insgesamt 23 Banken herantraten. 160 Gespräche wurden geführt. Nur drei der 23 Banken im Test lieferten eine Anlageberatung, die von den Testern insgesamt mit „gut“ bewertet wurde. Der Großteil der Banken bewegte sich mit der Note „befriedigend“ im Mittelfeld, fünf Banken attestierten die Tester eine „ausreichende“ Beratungsqualität, zwei Banken schnitten mit „mangelhaft“ ab.

Häufig ohne Protokoll

In sechs von sieben Testberatungen bei der Nassauischen Sparkasse passte die vorgeschlagene Mischung aus Anlageprodukten zu den Vorgaben der Tester; ihre Berater konnten damit das Anlageproblem besonders gut lösen (Gesamtnote 2,5). Gute Vorschläge machten auch die Berater der Frankfurter Volksbank: Besonders positiv fiel den Testern die Empfehlung sogenannter ETFs (börsengehandelter Indexfonds) auf, an denen die Bank kaum etwas verdient (Gesamtnote 2,2). Die Frankfurter Sparkasse verpasste nur knapp eine „gute“ Gesamtbewertung: Die Berater empfahlen hier zwar die Anlageprodukte, die am besten zum Testfall passten, allerdings wurde in einem Fall kein Beratungsprotokoll ausgehändigt. Dies führte zu einer Abwertung (Gesamtnote 2,8). Auch die Stadtsparkasse München und die Hamburger Sparkasse verpassten aus diesem Grund ein „gutes“ Gesamturteil.

Überhaupt bemängelten die Tester, dass es einige Banken mit den gesetzlichen Vorgaben zum Beratungsprotokoll offenbar nicht so genau nehmen: Insgesamt 15 Mal wurde gegen die Protokollpflicht verstoßen. In dem Protokoll werden unter anderem Ziel, Zweck, Dauer der Geldanlage und Risikobereitschaft des Kunden erfasst. Außerdem auffällig: Viele Beratungen sind laut „Finanztest“ offenbar provisionsgetrieben. Zwar habe die Erfassung des Kundenstatus und die Risikoeinstufung fast durchweg tadellos geklappt, dennoch seien oft unpassende Produkte empfohlen worden. „Finanztest“ führt dies darauf zurück, dass Berater, auch der Provision wegen, gerne hauseigene Produkte empfehlen, die nicht immer exakt zum Profil des Kunden passen – aber nicht zwangsläufig zu dessen Nachteil sein müssen.

Riskante Empfehlungen

Schlusslicht des Tests sind die Hypovereinsbank und die Hannoversche Volksbank, die für ihre Beratungsqualität jeweils mit der Gesamtnote „mangelhaft“ bewertet wurden: Ihre Produktvorschläge waren häufig zu riskant, auch war das Geld in mehreren Fällen nicht rechtzeitig wieder verfügbar.

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