Was bringen Gesundheitsgadgets?

Vibrationsplatte und Elektromuskelstimulation

Verbraucher | Volle Kanne - Was bringen Gesundheitsgadgets?

Laut Anbieter können Gesundheitsgadgets innerhalb kürzester Zeit bei der Gewichtsreduktion helfen, Muskeln aufbauen und den Körper straffen. Stimmt das? Wir machen einen „Vorher-Nachher-Check“.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.06.2017, 10:05

Gesundheitsgadgets wie Vibrationsplatten und Elektromuskelstimulation bestimmen seit einigen Jahren die Fitnessszene. Sie sollen mit minimalem Aufwand in kürzester Zeit effektiv die Muskeln aufbauen und den Körper straffen. Jedenfalls versprechen das die Hersteller. Doch stimmt das?

Schlank, stark, fit werden und das bei minimalem Zeitaufwand. Eine 20-minütige Anwendung mit Gesundheitsgadgets drei Mal die Woche soll so effektiv sein wie ein 90-minütiges konventionelles Fitnesstraining. Statt teurer Mitgliedsbeiträge in Fitnessstudios gibt es mittlerweile eine Reihe von günstigen Produkten, die auch zu Hause angewandt werden können und unter 500 Euro kosten.

Glaubt man den Anbietern, sind diese elektronischen Home-Fitnessgeräte wie geschaffen für Menschen, die wenig Lust und Zeit haben, regelmäßig Sport zu treiben und denen ein Besuch im Fitnessstudio zu teuer ist. Doch funktioniert das? Wir haben zwei Methoden ausprobiert.

Wie funktioniert das Vibrationstraining?

Einfach auf die Vibrationsplatte draufstellen, zittern und die Muskeln trainieren. Beim Vibrationstraining wird der Körper aus dem Gleichgewicht gebracht. Es wirkt wie ein Wachrütteln für den ganzen Körper. Der Körper versucht reflektorisch mit Ausgleichsbewegungen auf das Zittern des Gerätes zu reagieren. Bei diesem Vorgang stemmen sich die Muskeln  automatisch gegen die Vibration und kontrahieren. Die Schwingungen erreichen mehrere Muskelgruppen. So wird beim Vibrationstraining auch die unwillkürliche Muskulatur angesprochen, die beim vom Kopf gesteuerten Krafttraining nicht erreicht werden.

Für Anfänger wird empfohlen auf der Vibrationsplatte maximal dreimal die Woche zu trainieren und moderat zu beginnen. Der Trainingsumfang sollte dabei 20 Minuten nicht überschreiten. Die untrainierten Muskeln benötigen Zeit, um sich zu regenerieren. Falscher Ehrgeiz ist gerade zu Beginn fehl am Platz. Außerdem sollte der Übende sich stets kontrolliert auf der Platte bewegen, um Strukturen des Körpers nicht dauerhaft zu schädigen. Insbesondere der Kopf sollte keinen heftigen Schwingungen ausgesetzt sein. Idealerweise lassen sich Einsteiger von einem Trainer die Anwendung zeigen, um ein Gefühl für die korrekten Positionen zu bekommen.

Training mit Elektromuskelstimulation

Training mit Elektromuskelstimulation
Training mit Elektromuskelstimulation Quelle: imago stock&people

Bei der Elektromuskelstimulation (EMS) soll Reizstrom den Aufbau der Muskulatur anregen. Dabei wird mit Strom von außen ein künstlicher Kontraktionsimpuls in den Muskeln hervorgerufen, die dadurch im Laufe der Zeit im stärker werden. Bei kurzer aber schwerer Belastung erfolgt hauptsächlich eine Muskelfaserverdickung, die eine Kraftsteigerung bewirkt. Statt Gewichte zu stemmen, gibt es alle paar Sekunden einen Strom-Impuls. Alle Muskeln werden gleichzeitig trainiert. Der Niederfrequenz-Reizstrom ziept zwar, soll aber ungefährlich sein.

Ihre Wurzeln hat die Elektromuskelstimulation in der Physiotherapie, in der sie zum gezielten Muskelaufbau nach Verletzungen angewandt wird. Mithilfe von Reglern kann gesteuert werden, wie stark der Strom in die jeweiligen Muskelgruppen fließen soll. Während in EMS-Fitness-Studios „Ganzkörper-Anzüge“ zum Einsatz kommen, die möglichst viele Muskelgruppen des Körpers ansprechen, gibt es für den Heimgebrauch Produkte, die gezielt die Bauchmuskulatur, das Gesäß oder die Arme stimulieren. Laut Anbieter soll der Effekt wesentlich höher als bei einem normalen Krafttraining sein, weil gleichzeitig mehrere Muskelfasern kontrahiert und tiefer liegende Muskeln gereizt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass vor allem die Kombination aus Krafttraining und EMS-Training die besten Ergebnisse erzielt.

Tipps für das EMS-Training

Wer ein Training mit den Elektroden plant, sollte sich vorher ärztlich untersuchen und fachmännisch beraten lassen. Das gilt insbesondere für EMS-Geräte, die zu Hause auf eigene Faust genutzt werden. Gerade beim EMS-Training, wo der Impuls von außen kommt, ist die Gefahr vor einer Überlastung groß. Wenn zu intensiv und zu lange trainiert wird, kann der Körper langfristig und nachhaltig geschädigt werden. Deswegen sollte beim EMS-Training eine Regenerationszeit von mindestens 24 Stunden eingehalten werden. EMS-Training ist nicht als Alternative sondern als Ergänzung zum Training von geübten Sportlern zu empfehlen.

Das Resultat

Insgesamt gab es kaum Veränderungen! Unsere nicht repräsentative Fünf-Wochenprobe zeigt: Die Erwartungen an solche Geräte sind größer als die Erfolge. Unser Experte Ingo Froboese von der Sporthochschule Köln meint: „Die Gerätschaften sind sicherlich nicht schlecht als Ergänzung zum normalen Training – nicht als Alternative. Fitness muss man immer selbst machen, Fitness kann man nicht kaufen. Das heißt, das aktive Training wird dadurch nicht ersetzt.“ Wer also fit in den Sommer starten möchte, sollte sich auf diese Geräte alleine nicht verlassen.

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