Turbulenzen bei Air Berlin und Tuifly

9000 Passagiere müssen am Boden bleiben

Verbraucher | Volle Kanne - Turbulenzen bei Air Berlin und Tuifly

Wegen massenhafter Krankmeldungen der Belegschaft, muss Tuifly am Freitag, 7. Oktober, nahezu alle Flüge streichen. Was dies für Reisende bedeutet, ordnet Reinhard Schlieker ein.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.10.2017, 14:00

Schlechte Nachrichten für Tausende Urlauber: Der Ferienflieger Tuifly kapituliert vor den massenhaften Krankmeldungen bei seinem fliegenden Personal und bleibt am Freitag nahezu komplett am Boden. Rund 9000 Passagiere sind davon betroffen. Schon an den Vortagen hatten sich viele Crew-Mitglieder bei Tuifly kurzfristig krank gemeldet und damit den Flugbetrieb eingeschränkt. Betroffen ist auch Air Berlin. Dort drohen weitere Ausfälle, denn ein Drittel der Tuifly-Flotte fliegt samt Besatzung für die Berliner.

Die kurzfristigen Krankmeldungen des Cockpit- und Kabinenpersonals bei der Fluggesellschaft Tuifly wirbeln deren Flugpläne immer heftiger durcheinander. Nach zahlreichen Flugstreichungen in den Vortagen fallen am Freitag nahezu alle Flüge aus. Tuifly versucht mit gemieteten Maschinen und Besatzungen einen Teil der Flugausfälle aufzufangen. Zehn Flüge könnten an diesem Freitag auf diese Weise stattfinden, teilte die Fluggesellschaft in der Nacht zum Freitag auf ihrer Internetseite mit. Dabei handelt es sich um vier Flüge von deutschen Flughäfen ins türkische Antalya, einen nach Palma de Mallorca sowie die zugehörigen Rückflüge - mit teils geänderten Abflugzeiten. "Alle weiteren Flüge ab Deutschland, Österreich und der Schweiz sind aufgrund aktueller Crew-Engpässe für den 7. Oktober gestrichen", schreibt Tuifly auf seiner Internetseite.

Die betroffenen Passagiere will Tuifly nicht entschädigen. Eine Sprecherin betonte: "Die massenhaften und äußerst kurzfristigen Krankmeldungen sind ein außergewöhnlicher und nicht vermeidbarer Umstand im Sinne von höherer Gewalt." Ganz anders sieht das das Fluggastrechteportal Flightright: Krankheitswellen zählten zu den normalen Betriebsrisiken, die Airlines zu jeder Zeit einkalkulieren müssten.

Als Hintergrund für die Turbulenzen werden der tiefgreifende Umbau der hoch verschuldeten Air Berlin und damit einhergehende Veränderungen bei Tuifly gesehen. Tuifly soll in eine neue Dachholding integriert werden. Arbeitnehmervertreter fürchten Jobverluste. Auch Air Berlin musste in den Vortagen wegen der Crew-Engpässe bei Tuifly Flüge streichen: Ein Drittel der Tuifly-Flotte fliegt samt Besatzung für Air Berlin. Trotz des Konzernumbaus behalten bereits gebuchte Tickets ihre Gültigkeit.

So kommen Sie zu Ihrem Recht

Bei Annullierungen und Flugverspätungen gelten die von der EU vorgegebenen Fluggastrechte. Eine Entschädigung wird allerdings nicht automatisch gewährt, der Fluggast muss sie aktiv bei der Airline einfordern. Dazu muss die Beschwerde zunächst bei der Fluggesellschaft eingereicht werden. Die Fluggesellschaft hat maximal zwei Monate Zeit, darauf zu antworten. Wer nicht weiter kommt oder mit der Antwort der Airline unzufrieden ist, kann bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) einen Schlichtungsantrag stellen. Dafür muss per Brief oder per Online-Formular der Sachverhalt geschildert werden ( Externer Link: Formular SÖP ). Das Schlichtungsverfahren ist für Reisende kostenlos.

Reagiert die Fluggesellschaft nicht, können Passagiere auch Fluggastrechteportale wie EUclaim, FairPlane, flightright oder flug-verspaetet.de einschalten. Diese erstreiten im Auftrag ihrer Kunden ausstehende Entschädigungen. Dafür verlangen sie im Gegenzug allerdings eine Provision: Bei Erfolg wird circa ein Viertel der Entschädigungssumme fällig. Sind die Portale nicht erfolgreich, entstehen für den Fluggast auch keine Kosten. Andere Portale wie EUflight, FairPlane Express oder wirkaufendeinenflug.de zahlen nach Prüfung des Falls sofort, indem sie in Vorleistung gehen. Dafür behalten sie einen größeren Anteil der Entschädigung ein, meist circa 50 Prozent der Entschädigungssumme. Eine weitere Möglichkeit ist es, sich an einen Anwalt zu wenden, der auf Reiserecht spezialisiert ist. Hier variieren die Kosten je nach individuellem Fall.

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