FSME und Borreliose: So schützen Sie sich vor Zecken

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Zecken sind blutsaugende Parasiten, die gefährliche Krankheiten übertragen können. Am häufigsten kommt es zu einer Borrelien-Infektion, seltener zu einer Frühsommer-Gehirnhautentzündung (FSME).

Beitragslänge:
14 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.06.2018, 09:05

Das Robert-Koch-Institut geht von circa 8000 Borrelieninfektionen jährlich aus. Die Fälle der meldepflichtigen FSME-Erkrankung schwanken mit der Tendenz nach oben. So wurden im Jahr 2015 220 FSME-Fälle gemeldet, im Jahr 2016 waren es bis zum September bereits 292 Fälle.

Wenn eine Borreliose rechtzeitig diagnostiziert wird, kann sie gut mit Antibiotika behandelt werden. Unbehandelt kann sie schwere Krankheitsbilder auslösen, bei der auch das Gehirn und das Nervensystem geschädigt werden. Ein sicheres Zeichen für die Infektion mit Borrelien ist eine sich kreisförmig ausbreitende Wanderröte. Stellt man diese an sich fest, sollte man dringend zum Arzt gehen.

Wo gibt es infizierte Zecken?

Am häufigsten kommen Zecken, die Borrelien übertragen, in ländlichen Gebieten vor, vorwiegend in Brandenburg, Sachsen und Bayern, seltener in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet oder in Großstädten. Auch Zecken, die das FSME-Virus übertragen, kamen bislang nur in bestimmten Regionen vor: dies waren vor allem die südlichen Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Doch auch in den nördlichen Bundesländern wie Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sind vereinzelt FSME-Fälle aufgetreten. Damit ist klar, dass sich das FSME-Virus von Ost nach West und von Süd nach Nord ausbreitet.

Doch damit nicht genug, denn das FSME-Virus hat einen weiteren Übertragungsweg gefunden, der in den osteuropäischen Ländern schon lange bekannt ist. Es handelt sich dabei um unbehandelte Rohmilch beziehungsweise Rohmilchprodukte von Ziegen, über die sich bereits im Jahr 2016 zwei Menschen in Baden-Württemberg infiziert haben. Jetzt ist in Tübingen ein weiterer Ausbruch von FSME-Erkrankungen durch unbehandelte Ziegenmilch bei acht Personen gemeldet worden. Damit sind Rohmilchprodukte von Ziegenmilch ein potentieller Übertragungsweg von FSME-Viren, auch wenn das absolute Risiko bisher äußerst gering ist. Wer jedoch ganz sicher gehen will, sollte Rohmilchprodukte aus Ziegenmilch in Risikogebieten meiden.

Gebiete, in denen gehäuft infizierte Zecken auftreten, werden als Endemie- oder Risikogebiete bezeichnet, wobei sich die Situation jährlich ändern kann. Genaue Hinweise dazu erteilt das Robert-Koch-Institut.

Anzeichen einer FSME

FSME wird durch ein zur Gruppe der Flaviviren gehörendes Virus ausgelöst, das in den Speicheldrüsen der Zecke sitzt und beim Saugen in die menschliche Blutbahn gelangen kann. Beim Stich einer FSME-infizierten Zecke wird das Virus bereits innerhalb der ersten zehn Minuten auf den Menschen übertragen. Damit gibt es auch nach schnellem Entfernen der Zecke keine Chance, der Erkrankung zu entkommen.

Die Inkubationszeit einer FSME liegt bei fünf bis 14 Tagen. Bei manchen Infizierten treten dann zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schwindel oder Übelkeit auf. Diese Anzeichen klingen nach etwa einer Woche ab. Bei etwa jedem dritten Betroffenen folgt dann nach einer beschwerdefreien Woche ein weiterer, weitaus heftigerer Krankheitsschub (der sogenannte biphasische Verlauf), bei dem zu den jetzt viel stärkeren vorherigen Beschwerden neurologische Symptome wie Bewusstseinstrübungen und Lähmungen hinzukommen können. Typisch sind auch extreme Kopf- und Nackenschmerzen.

Eine FSME-Erkrankung kann unterschiedlich schwer verlaufen. Im leichtesten Fall sind nur die Hirnhäute betroffen (Meningitis). Bei knapp der Hälfte aller Erkrankten ist das Gehirn mit betroffen (Enzephalitis). Vor allem bei älteren Patienten können auch die für die Motorik zuständigen Nerven im Rückenmark beteiligt sein (Meningo-Encephalo-Radiculitis). Bei dieser gefährlichsten Form können Lähmungen zurückbleiben, und bis zu zwei Prozent der Fälle enden tödlich. Leichte Verläufe heilen in der Regel folgenlos aus, jedoch sind viele Patienten danach weniger belastbar.

Nur Symptome behandelbar

Nachgewiesen wird FSME durch Antikörper gegen das Virus, die im Nervenwasser und im Blut zu finden sind. Für die Diagnose von FSME ist vor allem die Färbung der Flüssigkeit wichtig. Denn darüber erhalten die Neurologen Aufschlüsse über den Grad der Erkrankung.

Das Gefährliche an einer FSME ist, dass es gegen das Virus keine Medikamente gibt. Behandelbar sind lediglich die Symptome, so dass fiebersenkende Mittel und Schmerzmittel zum Einsatz kommen. Zudem sind Bettruhe und eine generelle Reizabschirmung wegen der Lichtempfindlichkeit empfehlenswert. Bei schweren Verläufen müssen Betroffene intensivmedizinisch betreut werden, um eine ausreichende Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr zu gewährleisten. Jeder zehnte der Intensivfälle fällt ins Koma und muss künstlich beatmet werden.

Bei fast einem Drittel der schwer Betroffenen bleiben neurologische Ausfälle bestehen, zum Beispiel Störungen der Konzentrationsleistung, des Gleichgewichts, des Hörvermögens sowie Lähmungen. Ein Teil der Betroffenen wird bettlägerig. Auch Epilepsie ist eine mögliche Folge. Eine gezielte Physio- und Ergotherapie sowie Gedächtnistraining im Rahmen der Rehabilitation hilft unter Umständen, Defizite auszugleichen.

FSME-Prophylaxe durch Impfung

Der effektivste Schutz vor FSME ist die Impfung. Dabei werden inaktivierte Viren in den Muskel gespritzt. Der Körper muss mit drei Impfungen für einen längeren Zeitraum geschützt werden. Die zweite Impfung folgt nach drei Monaten, und dann ist man für ein Jahr geschützt. Spätestens dann sollte eine dritte Impfung erfolgen. Danach muss die FSME-Impfung regelmäßig aufgefrischt werden.

Älteren Menschen, insbesondere mit Vorerkrankungen, wird zu einer Auffrischung bereits nach drei Jahren geraten, allen anderen spätestens nach fünf Jahren. Für die Auffrischung ist nur noch ein Impftermin nötig. Der Impfstoff gilt als gut verträglich und wird auch Kindern ab dem dritten Lebensjahr angeraten. Mögliche Nebenwirkungen sind Fieber und lokale Schmerzen an der Einstichstelle.

Allgemeine „Zecken-Tipps“

Zecken werden bei Temperaturen ab etwa zehn Grad Celsius aktiv. Entgegen mancher Behauptungen lassen sie sich nicht von Bäumen auf den Menschen fallen, sondern sitzen in Büschen und Gräsern bis einem Meter Höhe. Dabei werden sie unter Umständen abgestreift und stechen in die Haut. So sollte man besser mit langer Kleidung und festem Schuhwerk ins Unterholz gehen. Auf heller Kleidung lassen sich die schwarz-braunen Blutsauger leichter entdecken und entfernen. Daheim sollte man seinen Körper genau auf Zecken absuchen, insbesondere auch in Hautfalten, da Zecken das feucht-warme Milieu mögen.

Wichtig ist in jedem Fall, eine Zecke nach einem Stich möglichst schnell zu entfernen, denn je länger eine Zecke saugt, desto wahrscheinlicher ist die Übertragung mit Borrelien oder den FSME-Viren. Zur Entfernung gibt es spezielle Zangen sowie einen Zeckenkamm in jeder Apotheke. Möglich ist die Zeckenentfernung auch mit einer ganz normalen Pinzette. Ganz wichtig ist, dass beim Entfernen der Zecke der Kopf mit herausgezogen wird, da ansonsten noch mehr Bakterien oder Viren in die Wunde gelangen. Wer sich nicht sicher ist, ob er die Zecke selbst entfernen kann, sollte dies von einem Arzt durchführen lassen. Nach dem Stich sollte man die kleine Wunde desinfizieren!

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