Ausnahmezustand Fußball-EM

Was ist erlaubt, was wird toleriert?

Verbraucher | Volle Kanne - Ausnahmezustand Fußball-EM

Ausnahmezustand Europameisterschaft - Rudeljubel trotz Nachtruhe oder Fußball bei der Arbeit schauen. "Volle Kanne" fasst zusammen, was man darf und was nicht.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 09.06.2017, 14:00

Ganz Deutschland fiebert der Europameisterschaft entgegen: Ab heute dreht sich alles um das runde Leder. Die Begeisterung macht auch vor der Bürotür nicht halt. Doch was ist am Arbeitsplatz erlaubt? ZDF-Rechtsexperte Christoph Schneider erklärt, wann Schluss ist mit lustig.

Die Fußballeuropameisterschaft ist ein gesellschaftliches Großereignis, bei dem auch mal Ausnahmen von der Regel gemacht werden – wichtig sind die Absprachen. Man kann nicht davon ausgehen, dass der Chef toleriert, wenn man sich während seiner Arbeitszeit mit Fußball beschäftigt. „Grundsätzlich darf die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt werden. Ein Pförtner kann einem Radiokommentator anders folgen als beispielsweise ein Kundenberater bei der Bank. Kolleginnen und Kollegen dürfen allerdings nicht gestört werden“, erläutert Rechtsexperte Christoph Schneider.

Absprachen für den Sonderfall treffen

„Wer unangekündigt mit dem Fernseher im Büro erscheint, wird wahrscheinlich ein arbeitsrechtliches Problem bekommen. 2010 schaute ein Mitarbeiter eines Elektromarktes ein WM-Spiel während der Arbeitszeit. Der Elektromarkt zeigte ihm die rote Karte, entließ den Mann. Das Arbeitsgericht Frankfurt stufte allerdings Fußballgucken während der WM als sozial angemessenes Verhalten ein, sprich die Kündigung sei unverhältnismäßig gewesen. Eine Abmahnung, also die arbeitsrechtlich gelbe Karte, hätte ausgereicht. Spielt der Chef aber mit und erlaubt den Fernseher, dann ist das in Ordnung“, so der Rechtsexperte.

Meist lassen Vorgesetzte mit sich reden, wenn es um besondere Anlässe geht. So hat man zwar keinen rechtlichen Anspruch auf veränderte Arbeitszeiten, aber: Wenn keine ganz festen Zeiten vertraglich vereinbart sind, können Arbeitgeber durchaus flexibel sein. Man kann auch einen Kompromiss anbieten, indem man die Pausen vor- oder nacharbeitet, auf jeden Fall sollte man es besprechen.

Lärmschutz

Im Rahmen der EM wird es Ausnahmen beim Lärmschutz geben: Beim Public Viewing können auch Fußballspiele, die nach 20 Uhr stattfinden, öffentlich auf Großleinwänden unter freiem Himmel übertragen werden. „Hier findet durch die örtlichen Behörden in den Kommunen, die über die Genehmigung entscheiden, eine Interessenabwägung statt; zwischen dem herausragenden öffentlichen Interesse an den Fußballspielen und dem Schutz der Nachtruhe“, weiß Christoph Schneider.

In privaten Wohnhäusern gibt es jedoch keine EM-Ausnahmeregelungen in Sachen Lärmschutz. Hier hilft nur: Rechtzeitig den Nachbarn informieren und auf Verständnis hoffen. Wer sich andersherum gestört fühlt vom unmittelbaren Lärm aus der Nachbarwohnung, sollte  erst den persönlichen Kontakt suchen. Hilft ein freundlicher Hinweis nicht und das Lärm dauert auch nach Ende des Spieles noch an, kann man sich an Ordnungsbehörden oder an die Polizei wenden.

Tanzen auf der Motorhaube

Das Tanzen auf der Motorhaube ist nicht erlaubt, es gefährdet die Verkehrssicherheit, ebenso auf Autodächer zu klettern und sich weit aus dem Fenster zu lehnen. Streng genommen ist nicht einmal ein Autokorso erlaubt. „Die Polizei wird aber in diesen Fällen des übertriebenen Feierns mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl vorgehen. Solange alles im Rahmen bleibt, wird vieles toleriert. Wer sich aber nicht an rote Ampeln hält, muss mit Sanktionen rechnen“, warnt Scheider.

Fan-Accessoires am Auto wie beispielsweise Fähnchen, die ins Fenster geklemmt werden und auch sogenannte „Car-Bikinis“ (Flaggen für Außenspiegel) sind okay, sofern der Blinker und die Sicht nach hinten nicht beeinträchtigt werden. Anders ist es beim Innenspiegel: Hier lenken Wimpel oder baumelnde Schals während der Fahrt ab und behindern die Sicht. Auch große Flaggen, die aus dem Auto geschwenkt werden, sind nicht erlaubt, da sie die Sicht behindern. Außerdem stellt die Fahnenstange eine Verletzungsgefahr dar.

Angst vor Terror

Viele meiden aus Angst vor Terror öffentliche Plätze, das wird sich wahrscheinlich auch auf das Public Viewing auswirken. Auf der Berliner Fanmeile rund um das Brandenburger Tor gilt aus Sicherheitsgründen bereits ein konsequentes Rucksack- und Taschenverbot. Am besten nimmt man keine Wertgegenstände und nur wenig Bargeld mit – Public Viewing bietet Taschendieben Gelegenheit. Allgemein rät Schneider: „Abstand halten zu aggressiven Gruppen oder Menschen, bei denen man sich einfach unwohl fühlt. Im Fall möglicher Übergriffe durch Anfassen oder zu dichtes Herankommen, klar sagen, dass man das nicht will, Umstehende auf sich aufmerksam machen und gezielt um Hilfe bitten.“

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