Abgelenkte Fußgänger

Wer einen Unfall verursacht, muss haften

Verbraucher | Volle Kanne - Abgelenkte Fußgänger

Der Blick aufs Handy wird zum Verkehrsrisiko: Laut einer akutellen Studie ist jeder sechste Fußgänger vom Smartphone abgelenkt. Rechtsanwalt Kay P. Rodegra erläutert, wer bei Unfällen haftet.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.08.2017, 14:00

Fußgänger genießen als Verkehrsteilnehmer besonderen Schutz – aber auch sie haben die Gebote der Vorsicht und der Rücksichtnahme zu achten.

Wischend und tippend eine Straße zu überqueren ist gefährlich – trotzdem sind Handys für Fußgänger nicht verboten. Rechtsanwalt Kay P. Rodegra: „Anders als für Autofahrer oder Radler gibt es kein Gesetz, welches das Smartphone für Fußgänger verbietet.“ Allerdings würden auch für sie die Gebote der Vorsicht und der Rücksichtnahme gelten: „Wenn ich durch Unachtsamkeit einen Unfall verursache, dann bin ich dafür zu belangen. Auch Fußgänger sind dazu verpflichtet alles zu tun, um Unfälle zu vermeiden.“ Als Beispiel führt Rodegra einen Fußgänger an, der von einem Auto angefahren wurde: „Er hat den Straßenverkehr nicht beachtet, das ankommende Auto nicht gesehen, weil er auf sein Smartphone geschaut hat. In diesem Fall kann er eine Teilschuld bekommen, selbst wenn er über einen Zebrastreifen gegangen ist.“

Auch finanziell könne ein Fußgänger beziehungsweise dessen Haftpflichtversicherung belangt werden: „Es zahlt der Unfallverursacher – beispielsweise wenn die Straßenbahn wegen eines Fußgängers eine Vollbremsung machen muss und Fahrgäste stürzen und sich verletzen.“ Hinzu kämen gegebenenfalls Verwarnungsgelder; beispielsweise fünf Euro für das Ignorieren einer roten Ampel oder 350 Euro plus einen Punkt für das Überkehren von Gleisen trotz geschlossener Bahnschranke.

Wenn ein Unfall geschieht

Man darf sich als unfallbeteiligter Fußgänger auch nicht unerlaubt von einem Unfallort entfernen: „Das hat strafrechtliche Konsequenzen. Bei Autofahrern nennt man das im Volksmund Fahrerflucht. Aber auch andere Verkehrsteilnehmer, zum Beispiel Radfahrer oder Fußgänger, können den Straftatbestand des unerlaubten Entfernens vom Unfallort erfüllen", so Rodegra weiter.

Bezüglich der Schadensregulierung bei einem Unfall werden Fußgänger als schwächerer Verkehrsteilnehmer gegenüber Autofahrern geschützt, sagt Rodegra: „Als Autofahrer bin ich in der Regel immer mit in der Haftung. Das liegt an der Betriebsgefahr des Autos.“ Ausnahmen von diesem Prinzip könne es nur in extremen Ausnahmefällen geben: „Wenn der Fußgänger beispielsweise volltrunken und mit dem Handy telefonierend eine rote Fußgängerampel missachtet.“

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