Gaming Disorder

Computerspielsucht wird von WHO zum Krankheitsbild erklärt

Verbraucher | Volle Kanne - Gaming Disorder

World of Warcraft, Destiny oder Star Wars Battlefront - Computerspiele, die von vielen exzessiv gespielt werden. So exzessiv, dass man in manchen Fällen von einer Sucht sprechen kann. Und das tut die Weltgesundheitsorganisation nun auch.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.06.2019, 09:05

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt Computerspielsucht als offiziell anerkanntes Krankheitsbild in ihren aktualisierten Klassifizierungskatalog für Erkrankungen auf. Die Krankheit erhält den Namen Gaming Disorder. Sie bezieht sich auf die problematische Nutzung von Computerspielen sowohl online als auch offline. In der 11. Klassifizierung nach Krankheitsbildern (ICD-11) erscheint Gaming Disorder als anerkannte Verhaltensstörung. Die Klassifizierung soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Neben dem medizinischen Fachpersonal stützen sich auch nationale Gesundheitsbehörden und Versicherungen auf die Einschätzung der WHO.

Diagnose bedeutet Behandlung

Jugendlicher beim Computerspielen
Bis zu drei Prozent der jungen Menschen in Deutschland sind süchtig nach Computerspielen.
Quelle: imago / Niehoff

In Deutschland sind etwa 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung von Computerspielabhängigkeit betroffen. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt der Anteil höher, dort sind es bis zu drei Prozent. Bislang wurde Computerspielsucht allgemein als eine Störung der Impulskontrolle diagnostiziert. Die neue Klassifizierung soll Klarheit für die Betroffenen schaffen. Verschiedene Kriterien müssen gleichzeitig über einen Zeitraum von zwölf Monaten erfüllt sein. Die Anerkennung als Krankheit durch die WHO kann die Diagnose vereinheitlichen und zu einer besseren therapeutischen Versorgung führen.

Durch die Festschreibung im Klassifizierungskatalog muss die diagnostizierte Erkrankung behandelt werden, zuvor war dies nicht eindeutig festgelegt und die Kostenübernahme durch Rententräger und Krankenversicherungen nur auf Umwegen gegeben. Nun soll die Kostenübernahme der Beratungs- und Behandlungsangebote für die Betroffenen gesichert werden. Experten hoffen, dass dies auch dazu führt, dass das Angebot an Therapieplätzen ausgebaut wird und die Anzahl der Beratungsstellen zunimmt, da auch Präventionsmaßnahmen als wichtiger eingestuft werden können.

Symptome müssen erkannt werden

Allgemeine Kriterien, die für Suchtverhalten sprechen, sprechen ebenso für die Computerspielsucht. Es werden Symptome einer psychischen Abhängigkeit deutlich. Zum einen wird Suchtverhalten trotz negativer Konsequenzen weitergeführt. Ist das Computerspiel mal nicht verfügbar, entsteht ein klinisch relevanter Leidensdruck. Es kommt zu Entzugserscheinungen wie Gereiztheit, Unruhe und Angst. Häufig findet sozialer Rückzug statt, eine Vernachlässigung von Beruf und Hobbies tritt ein.

Stattdessen sind die Gedanken des Betroffenen eingenommen von der virtuellen Welt. Es entsteht eine Toleranzentwicklung der betroffenen Person bezüglich der zunehmenden Spielzeit. Das Spiel zu begrenzen oder zu beenden fällt immer schwerer, ein Kontrollverlust tritt ein. Dazu kann ein Verleugnen des Suchtverhaltens kommen. Das Ausmaß des Spielverhaltens wird anderen gegenüber verschwiegen oder gezielt verheimlicht.

Gerechtfertigtes Krankheitsbild oder Zuwachs für die Kartei?

Kritiker argumentieren, es gäbe bislang keine ausreichenden Studien, die belegen, dass die Computerspielsucht tatsächlich eine eigenständige Verhaltensstörung ist. Sie sehen darin vielmehr eine Bewältigungsstrategie im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie z.B. einer Depression. Computerspiele können natürlich als Ventil herhalten, um negativen Gefühlen zu entgehen.

Nichtsdestotrotz kann sich die Gaming Disorder im Katalog hinter der Gambling Disorder einreihen. Diese Krankheit, die Glücksspielsucht, ist nämlich schon lange durch die WHO anerkannt. Und betrachtet man das Ausmaß der Betroffnen, sind bis zu drei Prozent unter jungen Menschen eine beträchtliche Zahl, die durchaus ein eigenes Krankheitsbild rechtfertigen kann.

Was kann man zur Prävention tun?

Um nicht dem Sog in die digitale Welt oder gar einer Computerspielsucht zum Opfer zu werden, ist es wichtig, Anreizen in der analogen Welt nachzugehen. Dazu zählen Hobbys, Freizeitaktivitäten, ein sicheres, soziales Umfeld und erfüllende berufliche Aufgaben. Wichtig ist, dass man sich in der realen Welt wohl fühlt.

Und es geht darum, Auslöser frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Depressionen, die häufig in Zusammenhang mit Gaming Disorder auftreten, sollten ernst genommen und frühzeitig behandelt werden. 

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