Gebrauchtwagen verkaufen

Seriöse Käufer finden und Wert überprüfen

Verbraucher | Volle Kanne - Gebrauchtwagen verkaufen

Die Kärtchen am Autofenster kennt jeder, doch das Image der Händler ist schlecht. Zu recht? Wer steckt dahinter und kann man mit dem Verkauf an einen Kärtchenhändler wirklich ein Geschäft machen?

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.03.2017, 14:00

Wer sein Auto verkaufen möchte, gerät schnell an Händler, die Gebrauchtwagen günstig einkaufen und teuer verkaufen wollen. Man sollte sich daher im Vorfeld genau über den Wert seines Autos informieren. Worauf Sie noch achten sollten, erklärt „Volle Kanne“.

Wer sein Auto verkaufen will – egal ob privat oder an einen Händler – sollte sich zunächst informieren, was der Wagen wert ist. Für eine realistische Einschätzung können Sie vergleichbare Angebote im Internet studieren, Schwacke-Liste oder DAT-Liste zu Rate ziehen oder bei einem Händler nachfragen. Schriftliche Wertgutachten sind üblicherweise kostenpflichtig (circa 100 bis 160 Euro) und können beispielsweise von bekannten Prüforganisationen wie TÜV, DEKRA oder KÜS erstellt werden. Fragt der Kaufinteressent nach einem Unfallschaden, muss der Verkäufer die Wahrheit sagen. Ansonsten macht er sich der arglistigen Täuschung schuldig.

Das sollten Sie beim Verkauf beachten:
- Lassen Sie sich vor einer Probefahrt den Führerschein des Interessenten zeigen. Fahren Sie bei Probefahrten immer mit.
- Setzen Sie einen schriftlichen Kaufvertrag auf. Lassen Sie sich vom Käufer den Ausweis zeigen und nehmen Sie seine Daten und den Zeitpunkt der Übergabe mit in den Vertrag auf. Nutzen Sie einen Vordruck, zum Beispiel vom ADAC.
- Geben Sie die Ware nur gegen Bargeld heraus. Gehen Sie für die Einzahlung am besten gemeinsam zur Bank, um sicherzugehen, dass man Ihnen kein Falschgeld unterjubelt.
- Melden Sie das Fahrzeug vor der Übergabe ab.

Vorsicht vor schwarzen Schafen

Gebrauchtwagen
Wer privat verkaufen möchte, hängt einen Zettel mit den Infos ins Auto. Quelle: imago/MiS

Wer seinen Wagen im Internet oder per Zeitungsannonce zum Kauf anbietet, kann Gaunern zum Opfer fallen. Beliebte Tricks der Kriminellen: Sie verlangen eine Gebühr für die Vermittlung eines Käufers, der dann allerdings niemals auftaucht. Häufig wird auch mit ungedeckten Schecks gearbeitet.

Angesichts dieser Risiken geht mancher Autobesitzer lieber zum Vertragshändler oder zu einer Werkstatt, obwohl sie häufig weniger zahlen als beim Privatverkauf. In einigen Fällen kann man aber auch beim Vertragshändler ein gutes Geschäft machen, zum Beispiel wenn der Altwagen in Zahlung genommen und mit dem Kauf eines Neuwagens verrechnet wird.

Kärtchen am Auto

Oft befinden sich an Gebrauchtwagen Kärtchen interessierter Händler. Sie wollen möglichst günstig Gebrauchtwagen einkaufen, um sie dann möglichst teuer zu verkaufen. Sie interessieren sich für begehrte Modelle. „Ladenhüter, für die sie keine Kunden finden, oder Autos, bei denen sie viel in Reparaturen oder Aufbereitung stecken müssen, interessieren sie nicht“, weiß Autoexperte und ZDF-Redakteur Lothar Becker. Die Methode ist legal, führt in vielen Städten aber zur „Vermüllung“, da viele Autobesitzer die Kärtchen auf die Straße werfen. Will man sich auf die Karten-Autohändler einlassen, sollte man immer zu zweit zum Treffpunkt gehen. „Ein Begleiter kann im Zweifel als Zeuge dienen, falls es hinterher zu einer Rechtsstreitigkeit kommt“, rät Lothar Becker.

Die Händler haben Verhandlungsgeschick, da sie täglich Autos ankaufen. „Sie bieten Bargeld, sie verstehen es einem einzureden, dass ein anderer auch nicht mehr bezahlt und dass man jetzt das Geld nehmen sollte, anstatt morgen weniger zu bekommen“, erklärt Lothar Becker die Masche. Er sieht aber auch einen Nutzen: Man könne andererseits die Händler testen, um den Wert des Wagens zu überprüfen. „So können angesprochene Mängel schnell nachgebessert werden – und man hat beim nächsten potentiellen Käufer Argumente für einen höheren Preis“, rät der Autoexperte.

Gebrauchtwagen kaufen

Frau hat einen Autoschlüssel in der Hand
Beim Autokauf sollten Sie einiges beachten. Quelle: Imago

Auch wer einen Gebrauchtwagen kaufen möchte, sollte einiges beachten. Egal ob vom Händler oder von Privatpersonen: Bevor Sie beim erstbesten Angebot zuschlagen, sollten Sie einen Preisvergleich im Internet, in Zeitungen oder bei anderen Händlern anstellen. Anhaltspunkte bieten ebenfalls Schwacke-Liste und Mängellisten im Internet. Nehmen Sie zu einem Autokauf immer einen Zeugen mit und lassen Sie sich bei der Suche Zeit. „In der Hektik geht sonst viel Geld verloren“, warnt Lothar Becker: „Jedes Auto gibt es noch einmal. Wenn das erste Auto nicht passt, findet man in den nächsten Wochen garantiert etwas sehr ähnliches.“

Die häufigsten Mängel, auf die man achten sollte, betreffen die Elektrik, das Licht, die Bremsanlage, das Fahrwerk und die Lenkung – für den Laien längst nicht immer zu erkennen. Um sicherzugehen, empfiehlt sich eine Überprüfung durch den Fachmann. Der Gebrauchtwagencheck ist bei unabhängigen Prüfstellen wie TÜV, Dekra oder ADAC möglich und kostet etwa 50 bis 100 Euro. Manche Händler oder Privatverkäufer haben bereits einen Gebrauchtwagen-Check durchführen lassen. Lassen Sie sich in diesem Fall das Prüfprotokoll zeigen. Verweigert der Verkäufer die Fahrt zur Überprüfung, ist das ein Zeichen für Unseriosität. Ganz wichtig: Treten Sie niemals in Vorleistung, auch nicht mit einer Anzahlung. Beherzigen Sie den Grundsatz: Geld gegen Ware. Lassen Sie sich den Ausweis des Verkäufers zeigen, um zu überprüfen, ob er tatsächlich der Eigentümer ist.

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